Der Zuhörer

Johannes Jenichen, Superintendent des Kirchenbezirks Glauchau-Rochlitz, geht in den Ruhestand. Stets habe er über den Tellerrand hinausgeschaut.

Rochlitz/Mittweida.

Eine Wohnung mit Blick ins Grüne habe er gesucht. Das sei in Dresden nicht einfach gewesen, sagt Johannes Jenichen. Aber es hat geklappt. "Aus dem Fenster sehe ich die Prießnitz, eine Kastanie, eine Linde", sagt er. Ein wenig scheint der 65-Jährige in der neuen Heimat angekommen.

Vor kurzem ist der Superintendent des Kirchenbezirks Glauchau-Rochlitz in den Ruhestand verabschiedet worden. Seine Amtszeit endet erst Ende November, doch er hat noch den Jahresurlaub zu nehmen. Mit seiner Frau Gisela, Leiterin der Evangelischen Grundschule in Seelitz, hat er die Dienstwohnung in Glauchau ausgeräumt, ist in die Landeshauptstadt gezogen. Damit geht es wieder näher zu seinen Wurzeln.

Jenichen wurde 1953 in Kamenz geboren, wuchs im Pulsnitztal auf. Schon als Heranwachsender leitete er die Junge Gemeinde, war Kindergottesdienst-Helfer, sang im Kirchenchor. 1972 nahm er das Theologiestudium in Leipzig auf, lernte dort auch seine Frau kennen. Während des Studiums organisierte Jenichen Kinder- und Jugendnachmittage für "Schlüsselkinder" im Leipziger Osten. 1978 wurde er Vikar in Leipzig-Sellerhausen.

Im Jahr darauf folgte die Entsendung nach Borna bei Oschatz, wo Jenichen für zwölf Jahre seine erste Pfarrstelle antrat. Auch anderweitig setzte sich Jenichen ein, etwa in der DDR-Friedensbewegung "Schwerter zu Pflugscharen" und am Runden Tisch. 1990 wurde er Vorsitzender der Gemeindevertretung, die den Bürgermeister bestimmte.

Dann kam der Ruf an die Leipziger Thomaskirche. "Sie brauchten jemanden, der die Ostverhältnisse kennt, politisch aktiv, aber unbelastet ist." 1991 wurde er Pfarrer, begleitete auch den Thomanerchor. In Erinnerung geblieben ist ihm ein Besuch von Königin Silvia von Schweden. Oder der Austausch mit Pastoren aus ganz Deutschland, "eine echte Horizonterweiterung".

"1996 fragte der Landesbischof meine Frau und mich, ob wir nicht Lust hätten, nach Rochlitz zu fahren." Gesucht wurde ein Superintendent für den Kirchenbezirk Rochlitz. 33 Pfarrer zählte der Kirchenbezirk damals. Engagiert war er dabei immer: als Vorsitzender des Mittelsächsischen Kultursommers (Miskus), als Vorsitzender des Rundfunkrates im MDR, und als Unterstützer der Gründung von evangelischen Schulen und Kindergärten in der Region.

2012 wurden die Kirchenbezirke Glauchau und Rochlitz vereint, Jenichen seitdem Superintendent mit Sitz in Glauchau. Dass der Bezirk wieder aufgelöst werden soll, sieht er differenziert. "Von der Verwaltungsebene her macht es Sinn. Ich hatte mit vier Landräten zu tun, bin da nicht hinterhergekommen. Ein ,Aber' gibt es, weil der Kirchenbezirk am Ende funktioniert hat."

Mit Blick auf die Entwicklung von Kirche auf regionaler Ebene geht sein Appell an Pfarrer und Kirchenvorstände, aufeinander zuzugehen, über den Tellerrand zu schauen, so wie er es immer gern getan habe. Besonders in Erinnerung geblieben sei ihm die ehrenamtliche Arbeit junger Menschen. Etwa ein Treffen mit jungen Leuten vor kurzer Zeit. Von ihnen wollte er wissen, was sie von Kirche, von ihm erwarten. "Uns zuhören können."

Auch im Ruhestand wird Jenichen umtriebig bleiben. Anfragen zu Einsegnungen und Silberhochzeiten habe es schon viele gegeben. Auch bleibe er im Vorstand des Diakonischen Werks Glauchau. Zudem sind da seine Enkel sowie das Elternhaus im Pulsnitztal, das auf eine Renovierung wartet. "Ich baue gern", blickt er zurück - wie voraus.


Die Reformpläne

Geht es nach einem Vorschlag der Evangelischen-lutherischen Landeskirche Sachsen, könnte der 2012 gegründete Kirchenbezirk demnächst aufgelöst werden. So hat die Kirchenleitung beschlossen, das Amt des Superintendenten von Johannes Jenichen nicht wieder zu besetzen, wenn er in den Ruhestand geht.

Die Kirchenleitung hat vorgeschlagen, den Kirchenbezirk zur Disposition zu stellen. Die Gemeinden des früheren Kirchenbezirks Rochlitz, darunter Königshain-Wiederau, Rochlitz, Seelitz, Mittweida, Erlau und Claußnitz, sollen dem Kirchenbezirk Leisnig-Oschatz zugeordnet werden. Die Gemeinden des einstigen Kirchenbezirks Glauchau kämen zum Kirchenbezirk Zwickau; Burgstädt, Penig, Wolkenburg-Kaufungen zum Kirchenbezirk Chemnitz. Die Entscheidung der Landessynode steht noch aus. Sie tagt im November. fmu

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...