Die letzten Brachen sollen verschwinden

Die Tage der Lederfabrik in Hainichen sind gezählt. Die Stadt will zudem das alte Kino aufkaufen und ebenfalls abreißen lassen.

Hainichen.

Als eine der ersten Städte in den letzten Jahren der DDR bekam Hainichen ein Clubkino, ähnlich dem, das heute noch in Chemnitz-Siegmar betrieben wird. Doch in der Gellertstadt kam einige Jahre nach der Wende das Aus für den Lichtspielbetrieb. Das Haus an der Bahnhofstraße kaufte eine Frau, die dort zeitweise einen Laden betrieb. "Die Inhaberin ist vor einiger Zeit verstorben", erklärte Bürgermeister Dieter Greysinger (SPD). Derzeit werde dort entrümpelt. "Aufgrund des desolaten Zustands dieses Gebäudes ist der Abriss der Immobilie aus meiner Sicht alternativlos," sagte er. "Wir stehen mit dem Nachlassbegünstigten in Verhandlungen. Ich bin optimistisch, dass es zu einer Einigung kommen wird."

Die Idee des Stadtoberhaupts: Auf dem Gelände könnten Parkplätze errichtet werden, die auch von Eltern genutzt werden könnten, die ihre Kinder in die benachbarte Kita "Villa Zwergenland" bringen. "Für Bewohner der Innenstadt wären diese Parkplätze ebenfalls eine gute Sache. Dauerparken im Stadtzentrum ist derzeit nicht einfach."

Nach Greysingers Informationen hatten der verstorbenen Inhaberin des Clubkinos etliche baufällige Häuser in verschiedenen Städten gehört, so zum Beispiel in der Oberlausitz, der Sächsischen Schweiz, in Zeulenroda und auch in Mittweida am Brühl. Für den Kauf des Kinos in Hainichen und eine Nachnutzung will der Bürgermeister einen Stadtratsbeschluss anstreben.

Einig war sich der Technische Ausschuss bereits, als es um das frühere Lederwerk ging - nach dem Abriss von Saatgut und Gaswerk fast die letzte Industriebrache in der Stadt ohne ein Konzept für die Zukunft. Das Lederwerk mit Gebäuden an der Ecke Wiesenstraße und Feldstraße hatte kurz nach der Wende den Geschäftsbetrieb eingestellt, später zog dort die Firma Weuro ein.

"Die derzeitige Inhaberin der Liegenschaft ist vor einigen Monaten auf uns zugekommen, weil sie das Areal verkaufen möchte", erläuterte Greysinger. Er will einem Kauf durch einem Immobilienspekulanten zuvorkommen. Damit habe die Stadt schon schlechte Erfahrtungen gemacht. Als Beispiel verweist er auf Probleme mit der Verkehrssicherung, weil sich die neuen Eigentümer nicht kümmern. Deshalb setzt Greysinger auch bei der Lederfabrik auf Abriss. Die Anwohner der nahen Friedrich-Gottlob-Keller-Siedlung stört der Anblick schon seit Jahren, wie ein Leser nun auch an die "Freie Presse" schrieb.

CDU-Stadtrat Joachim Fänder sieht zum Abriss kaum Alternativen. "Die Parkplätze am Kino werden gebraucht. Allerdings sollte man sich Gedanken zu einem Stadtkonzept machen. Wenn man Altbausubstanz entfernt, könnte es an den Stellen auch Erinnerungsstücke geben, um Kulturhistorie zu bewahren. Das trägt zur Identifikation bei."


Kommentar: LetzterVorhang

Nun fällt beim Kino in Hainichen wohl tatsächlich bald der letzte Vorhang. Und groß wird die Zahl derer sein, die einen Erhalt fordern. Nur leider waren es in der Vergangenheit immer viel zu wenige Leute, die noch ins Kino gegangen sind. Gleiches gilt auch für die Freilichtbühne im Park. Ich habe selbst oft genug an beiden Spielstätten Filme vorgeführt, und nicht nur einmal sind Vorstellungen ausgefallen, weil keine Besucher kamen. Das ist nun schon bald 20 Jahre her, die Zeiten haben sich auch geändert. Was sich in Hainichen wohl nicht ändert, ist, dass man etwas erst so richtig vermisst und seinem Unmut zum Ausdruck bringt, wenn es zu spät ist. Das war auch bei Geschäftsschließungen zu beobachten. Die Lösung? Vielleicht einfach auf das besinnen, was man (noch) hat. Mal wieder ins Gellert-Museum gehen, in eine Gaststätte, ins Freibad, in den Park oder zur Camera obscura. Hainichen hat immer noch einige Schätze, die es selbst in größeren Städte nicht gibt.

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