E-Sportler trainieren bald in Ex-Kaufhalle

Sie zocken Computerspiele auf Wettkampfniveau - die zehn Mitglieder des E-Sports-Teams der Hochschule Mittweida. Dafür sollen sie demnächst in einem eigenen Zentrum an der Goethestraße üben.

Mittweida.

Für das E-Sports-Team der Hochschule Mittweida wird es ab der kommenden Woche ernst. Am Montag beginnt die Prime League, in der sich auch die im November gegründete Mannschaft aus der Zschopaustadt in dem Computerspiel "League of Legends" mit der Konkurrenz messen will. Und die ist alles andere als übersichtlich: Fast 800 Teams aus dem deutschsprachigen Raum haben sich für die Liga angemeldet, die es in dieser Form so noch nicht gab.

Ab kommendem Semester soll das Team "HSMW eSports" zudem nicht nur in diesem Turnier, sondern auch in einer nur aus Hochschul-Teams bestehenden Liga sein Können unter Beweis stellen. Neben den zwei Spielen, die somit jede Woche auf dem Programm stehen, soll laut Trainer Dennis Bastian zwei- bis dreimal die Woche gemeinsam trainiert werden.

Dafür stellt die Hochschule bald ein ganzes Gebäude zur Verfügung: Im Haus 44, einer ehemaligen Kaufhalle an der Goethestraße, war bis vergangenen Sommer die Bibliothek des Fachbereichs Soziale Arbeit untergebracht. Die nutzt mittlerweile nur noch einen kleinen Teilbereich des Flachbaus. Der größere Teil ist für die künftige Nutzung als "E-Sports Science Lab" freigezogen. Entstehen sollen dort nach Angaben von Alexander Marbach, Professor für Computergrafik und visuelle Gestaltung, ein Testraum, in dem gespielt wird, ein Rückzugs- sowie ein Besprechungsraum, eine Küche, ein Streaming-Studio mit Büro und ein Motion-Capturing-Studio, in dem Bewegungsdaten erfasst und analysiert werden können.

Bis alles fertig ist, wird es dauern. Läuft alles nach Plan, sollen aber schon in den kommenden Wochen die ersten Computer eingebaut und der Testraum eingerichtet werden. "Dann kann da auf jeden Fall schon trainiert werden", so Marbach. Wie viel der Umbau kosten wird, ist laut Hochschule noch unklar.

Mit dem "E-Sports Science Lab" soll der E-Sport - also das sportliche Kräftemessen mit Computerspielen - an der Hochschule in Praxis, Forschung und Lehre verankert werden. Koordinator dieses Projekts ist Axel Dietze. Er hat das E-Sports-Team mit aufgebaut und fungiert als dessen Manager. Unter den Spielern sind Studenten der Fachrichtungen Wirtschaftswissenschaften, Mathematik, Biotechnologie und Medieninformatik.

Trainer Dennis Bastian, 23 Jahre alt, studiert allgemeine und digitale Forensik. Er habe bereits als Fünfjähriger angefangen, Videospiele zu spielen, erzählt er. Auch seine Eltern seien begeisterte Computerspieler. Ähnliches berichten die Spieler Maximilian Putz, Eric Pleißner, Eric Matthies und Leon Kuhnert. Die meisten von ihnen begannen schon im Kindergartenalter mit Videospielen - inspiriert von Eltern, älteren Geschwistern, Cousins oder Freunden. "League of Legends" spielen sie teils seit acht oder neun, teils aber auch erst seit drei oder vier Jahren.

Das Spiel ist laut Alexander Marbach einer der beliebtesten E-Sport-Titel - auch unter den Studierenden der Hochschule. Auch deswegen sei entschieden worden, zunächst für dieses Spiel ein Team ins Rennen zu schicken. "Wir wollen ein möglichst großes Publikum ansprechen und auch erforschen", erklärt Axel Dietze. Im Mittelpunkt dieser Forschung soll insbesondere die Vermarktung von E-Sport und Computerspielen stehen. Seit vergangenem Jahr können die Medienmanagement-Studierenden der Hochschule sich darauf spezialisieren.

Zur Unterstützung des "E-Sports Science Lab" hat die Hochschule eine echte Szenegröße gewonnen: Ad Hoc Gaming aus Gera. Deren eigenes E-Sport-Team spielt in der deutschen "League of Legends"-Profiliga, der Pro Division. Die Profis aus Thüringen haben den Aufbau des Mittweidaer Hochschul-Teams von Anfang an begleitet. Bei der Auswahl der Spieler war laut Trainer Dennis Bastian nicht nur das spielerische Talent entscheidend, sondern auch die kommunikativen Fähigkeiten der Bewerber.

Und noch etwas ist laut Teammanager Alexander Marbach nicht zu vernachlässigen: "Über das Spieltraining hinaus wird auch sportliches Training eine Rolle spielen." Sportwissenschaftliche Studien hätten gezeigt: "E-Sportler brauchen für maximale Leistungsfähigkeit ganz klassisch Bewegung, Grobmotorik-, Wahrnehmungs- und Hand-Auge-Koordinationstraining."


Was ist "League of Legends"?

Im Strategiespiel "League of Legends" treten zwei Teams mit je fünf Spielern gegeneinander an. Ziel ist es, die Basis des anderen Teams zu zerstören. Die Basis wird nicht nur von den Gegnern, sondern auch von computergesteuerten Figuren verteidigt. Die Spieler bekämpfen

die Verteidiger - sind sie erfolgreich, gewinnen sie an Erfahrung und erlangen so neue oder bessere Fähigkeiten. Diese helfen, ebenso wie Gold, das während des Spiels gesammelt werden kann, bei ihrer Mission. (lkb)


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