Ehemaliges Asyl-Heim bleibt als Reserve

Die leer stehende Halle in Rossau könnte längst wieder genutzt werden, Interessenten gibt es. Doch trotz sinkender Flüchtlingszahlen hält der Kreis an der ehemaligen Erstaufnahmeeinrichtung fest.

Rossau.

Bis zu 300 Flüchtlinge hätten in der ehemaligen Fabrikhalle im Gewerbegebiet von Rossau Platz finden können. Aber die Unterkunft war seit ihrer Inbetriebnahme Mitte 2016 nie komplett ausgelastet. Bereits im Herbst 2017 schloss sie - und steht seither leer. Das Erstverteilzentrum in Rossau hatte im Kreis eine besondere Aufgabe: Asylbewerber, die der Freistaat Mittelsachsen zuteilte, kamen dort an, bevor sie an Kommunen weiterverteilt wurden. Damit war Mittelsachsen der einzige Kreis in Sachsen, der ein solches Modell praktizierte.

Der Kreis will die Immobilie behalten, als Reserveobjekt, trotz gesunkener Flüchtlingszahlen. Und er zahlt, unter anderem Miete, wie Kreissprecher André Kaiser bestätigte. Genauere Angaben wollte er nicht machen. "Bei den Unterhaltungskosten werden mitunter Vertragsinhalte berührt. Generell geben wir zu Details keine Auskunft."


Gänge es nach dem Rossauer Bürgermeister Dietmar Gottwald (parteilos), wären Halle und Gelände längst wieder sinnvoll genutzt. "Auf welche Weise auch immer", sagt er. Es habe vor allem in der Zeit nach der Schließung allerhand Anfragen an die Gemeinde gegeben. "Bei einigen hatte ich ein wirklich gutes Gefühl, dass sie kaufen und etwas draus machen", so Gottwald. Doch der Gemeinde sind die Hände gebunden, weil sie nicht im Besitz der Immobilie ist. "Ich konnte entsprechende Anfragen immer nur an den Kreis weiterleiten", so Gottwald. Das bestätigte das Landratsamt. Es sei normales Geschäft, so eine Kreissprecherin, dass es für Gewerbeimmobilien, "insbesondere Hallen dieser Dimension" in verkehrsgünstiger Lage immer wieder Nachfragen gebe, so eine Kreissprecherin. Dennoch stünden Verkauf oder Vermietung nicht an. Für wie lange? Darauf wolle man sich nicht festlegen.

Indes werde grundsätzlich eingeschätzt, dass sich der Trend des vergangenen Jahres bei Zuweisungen von Flüchtlingen fortsetzt. 2018 waren das in Mittelsachsen den Angaben zufolge im Durchschnitt 50Asylbewerber je Monat. "Die Zuweisungen bis Ende Februar 2019 liegen bei rund 100 Asylbewerbern. Die meisten durch den Landkreis unterzubringenden Flüchtlinge kommen aus Afghanistan, dem Irak, Indien und Georgien", so die Kreissprecherin. Neben dem Erstverteilzentrum Rossau diene auch die leer stehende Gemeinschaftsunterkunft in Brand-Erbisdorf als Reserveobjekt.

Der Kreis hatte in den Standort Rossau investiert: Nach früheren Angaben wurden allein für den Erwerb der Immobilie etwa 1,5 Millionen Euro ausgegeben. Später wurden die Gesamtkosten für Kauf und Umbau mit rund 2,27 Millionen Euro angegeben. Die zuvor leerstehende Fabrikhalle gehört der Saxonia Standortentwicklungs- und -verwaltungsgesellschaft. Landkreis und Stadt Freiberg sind je zur Hälfte deren Gesellschafter. Laut Sprecher Kaiser mietet der Kreis die Immobilie von der Saxonia. (mit jl)

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