Ein Fliederstrauß zu jedem Hochzeitstag

Ein Mittweidaer Ehepaar feiert am heutigen Mittwoch ein ganz besonderes Jubiläum: vor 70 Jahren haben sie geheiratet. Vertrauen und Achtung sind für sie damals wie heute die Grundpfeiler der Ehe.

Mittweida.

Für Roland Kums war es Liebe auf den ersten Blick gewesen. Am 25. März 1950, einen Tag nach seinem Geburtstag, hat er seine Frau Gerda beim Tanz im "Waldhaus" in Lauenhain zum ersten Mal getroffen. "Sie war mein verspätetes Geburtstagsgeschenk", sagt er. "Ich wusste schon früh, dass ich mit ihr zusammenbleiben will."

"Meine Mutter fragte mich: Den Schnieps willst du heiraten?", erinnert sich Gerda Kums. Obwohl er nicht der Traumschwiegersohn ihrer Eltern gewesen sei, sagte sie am 24. Februar 1951 Ja zu ihm.

Nun feiert das Paar am heutigen Mittwoch den 70. Hochzeitstag - und ist noch genauso verliebt wie damals. Nicht vielen Paaren ist es vergönnt, dieses Jubiläum, das auch Gnadenhochzeit genannt wird, zu begehen. "Es ist selten, dass Paare so lange zusammenbleiben oder das beide noch am Leben sind", sagt Tochter Karin Anders, die Drittgeborene der fünf Kinder des Paares. Sie sei froh, dass ihre Eltern diesen Tag feiern können. Denn vor zehn Jahren, kurz vor der Diamantenen Hochzeit, musste Roland Kums ins Krankenhaus und wurde am Herz operiert. "Er hat uns allen einen Schrecken eingejagt", erinnert sich die Tochter. Doch ihr Vater beschloss, dass der Hochzeitstag einfach vier Wochen später an seinem 83. Geburtstag nachgeholt wird.

Karin Anders und ihre Geschwister haben sich für ihre Eltern eine ganz besondere Überraschung ausgedacht. "Wir haben einen Termin im Standesamt gemacht. Die beiden haben noch mal Ja zueinander gesagt", berichtete Anders.

Laut Gerda und Roland Kums gibt es eine Erklärung, warum ihre Ehe solange gehalten hat. "Probleme werden nicht ausgesessen, sondern gelöst", sagt der Ehemann schlicht. Sich gegenseitig zu achten und zu vertrauen seien die Grundprinzipien. "Und die Zauberwörter 'Bitte' und 'Danke' gehören ebenso dazu", ergänzt Gerda Kums.

"Einfach war unser Eheleben nicht immer, aber trotzdem schön", schrieb Roland Kums in seinem Buch "Mein nicht unbewegtes Leben", das er nur für seine Familie verfasst hat. In dem Buch beschreibt Roland Kums seine Kindheit, die Jahre vor und nach dem Krieg und wie er seine Frau kennengelernt hat.

"Meine Eltern sind beide in einfachen Verhältnissen in Arbeiterfamilien aufgewachsen", berichtete Karin Anders. Meist hatten sie nicht viel Geld gehabt. Familienreisen gab es so gut wie gar nicht. Erst als die Kinder erwachsen waren, haben Roland und Gerda Kums fast ganz Europa bereist. Eine ihrer schönsten Reisen, so sagen die beiden, sei 1993 gewesen. In jenem Jahr ging es für sie ans Nordkap. "Wir waren 17 Tage mit dem Bus unterwegs. Es war sehr schön", berichtete Gerda Kums. Die Fahrt sei durch Schweden, Finnland und Dänemark gegangen. "Polarlichter haben wir nicht gesehen, weil wir im Sommer dort waren", erklärt sie. "Aber die Mitternachtssonne haben wir erlebt." Auch seien sie in Sizilien auf dem Ätna gewesen und bei einer Donaukreuzfahrt von Linz bis ans Schwarze Meer gefahren.

"Alle Reisen haben wir mit dem Bus gemacht. Ein Auto hatten wir nicht", erzählt Gerda Kums. So ist Roland Kums stets mit dem Fahrrad zum Dienst gefahren. Er arbeitete fast sein ganzes Leben im selben Betrieb. Durch Anstrengung, Überzeugungskraft und Weiterbildungen ist er vom Eisendreher zum Leiter der Personalabteilung aufgestiegen. Gerda Kums genügte es nicht, nur Hausfrau und Mutter zu sein. So arbeitete sie unter anderem in einer Papierfabrik in Dreiwerden. Doch am besten gefiel ihr die Arbeit im Zeitungskiosk am Bahnhof. "Ich hatte jeden Tag etwas Neues auf dem Ladentisch", sagte Gerda Kums. Auch die Gespräche mit den Kunden hätten ihr immer viel Freude gebracht. So sehr, dass sie heute noch davon träumt Zeitungen zu verkaufen, sagt sie.

"Trotz eines harten Leben wussten sie immer schon gut zu feiern und lachen sehr gerne, es gab viele schöne Feste", sagte Karin Anders. Aufgrund der Coronapandemie kann die Familie das Jubiläum nicht so feiern, wie sie es sonst immer tat. Doch es seien trotzdem ein paar Überraschungen geplant: Was genau wollte Karin Anders nicht verraten. Das Ehepaar selbst hat eine Tradition für den Hochzeitstag: Jedes Jahr schenkt Roland seiner Gerda einen Strauß aus weißem Flieder, daraus bestand ihr Brautstrauß.

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