Ein Lebensweg durch drei Systeme

Christoph Körners Leben ist nicht immer geradlinig verlaufen - aber immer nach vorn gerichtet. In seinem neuen Buch wirft er aber einen Blick zurück auf persönliche Erlebnisse.

Erlau.

Christoph Körner kommt gern mit anderen ins Gespräch und er hat auch viel zu erzählen. In seinem Leben hat er so einige Erfahrungen sammeln können: Geboren 1943 im NS-Regime, als promovierter Pfarrer tätig in der DDR und im wiedervereinigten Deutschland. In seinem neuen Buch erzählt der Erlauer nun von seinem Leben. Unter dem Titel "Im Niedergang wird die Zukunft geboren - Staat-Kirche-Erfahrungen in drei politischen Systemen 1943-2019" hat Körner seine Biografie niedergeschrieben.

Die Idee dazu kam ihm durch seine Krebserkrankung vor vier Jahren. "Ich habe meine Erinnerungen für meine Familie zu Papier gebracht, aber das war nicht für die Öffentlichkeit bestimmt." Damals sei unklar gewesen, ob er die Krankheit überwinden kann. Ihm wurde ein bösartiger Tumor an der Magenwand entfernt und die Operation war schwierig. Aber Christoph Körner hat sie überstanden.


Erst sein Verleger, Dieter Fauth, habe ihn ermutigt, seine Aufzeichnungen zu veröffentlichen. "Es war seine Idee, mein berufliches Wirken vor dem Hintergrund von drei politischen Systemen zu reflektieren und andere daran teilhaben zu lassen", so Körner. Fauth verlegte bereits Körners erstes Buch "Christliche Sozialökonomie". Das Werk ergänzte eine Textsammlung des 2013 verstorbenen Professors für Verwaltungsrecht Roland Geitmann, mit dem Körner sich gemeinsam im Verein "Christen für gerechte Wirtschaftsordnung" engagierte.

Das Buch beschreibt Körners Kindheit in den frühen Nachkriegsjahren und das eindrückliche Erlebnis, als sein Vater beinamputiert aus dem Krieg heimkehrte, das ihn ebenso prägte wie seine christlich-pazifistische Erziehung. Der Erlauer thematisiert das Großwerden im aufkommenden Sozialismus als Sohn eines Pfarrers und die Hürden der eigenen Berufswahl in der DDR. Nach einer Lehre als Elektroinstallateur entschied Christoph Körner sich ebenfalls für den Pastorenberuf und studierte von 1962 bis 1969 am Theologischen Seminar in Leipzig. Anschließend wurde er Pfarrer in der Kirchgemeinde in Mittweida und an der Hochschule.

Auch das Jahr des Mauerfalls war für Körner bedeutsam. Am 1. November 1989 verteidigte er seine Doktorarbeit über die Notwendigkeit der politischen Predigt in der DDR. Wie er nach dem Zusammenbruch des Regimes erfuhr, lag zu dem Zeitpunkt bereits ein Haftbefehl gegen ihn vor. Über 3000 Seiten habe seine Akte bei der Staatssicherheit gezählt. Und auch in der neu entstandenen Demokratie beschäftigte er sich stets mit der Frage, wie Frieden dauerhaft gewährleistet werden kann. "Um die Friedensfrage zu klären, kann man nicht nur ein Problem herausnehmen, sondern man muss alle Bereiche einer gesellschaftlichen Ordnung betrachten", sagt er.

Die Kapitel seines zweiten Buches hat Körner bewusst mit Textzeilen der Nationalhymne der DDR versehen. Die Erzählung wird durch Tagebucheinträge, Briefe und Schriften unterstützt, wie etwa Körners schriftliche Erklärung zur Verweigerung des Wehrdienstes aus dem Jahr 1963.

Noch ein Buch wolle er aber nicht schreiben. "Inzwischen muss ich ein bissschen kürzer treten", sagt der 76-Jährige. Aufgrund der zurückliegenden Krebserkrankung muss er täglich Medikamente nehmen, geht regelmäßig zu Kontrolluntersuchungen. Im vergangenen Monat hat er Goldene Hochzeit mit seiner Frau feiern können. "Dafür bin ich dankbar. Ein paar Wochen zuvor war es um meinen Gesundheitszustand nicht so gut bestellt", so Christoph Körner.

Seinen Platz im Erlauer Gemeinderat, den er lange innehatte, habe er deshalb aufgeben. Nur die Arbeit für den Erlauer Gesprächskreis könne er noch nicht vollends beenden. "Die Menschen wären traurig, wenn ich mich rausnehmen würde". Für die Zukunft hat Christoph Körner bescheidene Wünsche. "Dass mir die geistige Wachsamkeit erhalten bleibt und ich noch eine Weile die Gartenarbeit verrichten kann. Aber ich schaue auf ein sehr erfülltes Leben zurück: Ich habe nichts verpasst. Dafür bin ich dankbar".

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