Ein Start mit Überraschungen

Das Mittelsächsische Theater feiert in dieser Spielzeit sein 25-jähriges Bestehen. Bei einer Gala stellte der Intendant Pläne für die neue Saison vor - und das Orchester stand im Mittelpunkt.

Freiberg.

Das hat es in Freiberg noch nie gegeben: eine abendfüllende Gala zur Spielzeiteröffnung. Am Samstagabend feierte das Mittelsächsische Theater seinen 25. Geburtstag und vor allem das 25-jährige Bestehen der Mittelsächsischen Philharmonie. Das Haus war proppenvoll.

Die rund 45 Musiker zählende Philharmonie ging 1993 aus den Orchestern in Freiberg und Döbeln sowie aus Teilen des Wismutorchesters hervor. Der Klangkörper stellte seine Vielseitigkeit unter Beweis. Ob Bach, Schubert, Rossini, Verdi, Puccini oder Lehár - Generalmusikdirektor Raoul Grüneis führte das Orchester hüpfend, wippend, mit den Armen gleitend und energisch dirigierend zur Meisterschaft. Grüneis liebt und lebt die Musik. Das springt auf Musiker und Zuschauer über. Ein Glanzpunkt war Bachs Violinenkonzert a-Moll mit der Ersten Konzertmeisterin Katharina Overbeck als Solistin. Bei den Konzerten wird die Zusammenarbeit mit der Singakademie Chemnitz fortgesetzt. Erklingen sollen "Elias" von Mendelssohn Bartholdy und Beethovens 9.Sinfonie. Schließlich ist die Spielzeit mit "Seid umschlungen, Millionen" überschrieben.

Intendant Ralf-Peter Schulze (Foto) hatte für die Gala eine originelle Idee. Als Brücke zwischen den Musikstücken dienten Szenen aus Patrick Süskinds "Der Kontrabass". Ein alternder Kontrabassist hält einen Monolog. Erst schwärmt er von den Vorzügen seines Instrumentes, doch nach und nach kommt er auf dessen Kehrseiten zu sprechen. Letztlich ist klar: Der Kontrabassist verabscheut sein Instrument und seinen Beruf - und betäubt seinen Frust mit Bier. Schauspieler Ralph Sählbrandt und seine Kollegen Anna Bittner, Peter Peniaska (neu im Ensemble), Michael Berger und Martin Ennulat sorgten mit ihren launigen Monologen für Heiterkeit. Auch Intendant Schulze zeigte sein komisches Temperament. Lallend und immer lauter werdend gab er den am Ende beschwipsten Musiker. Viel Applaus.

Dass er sich sehr amüsiert hat, sagte Matthias Würthner, einer der beiden Kontrabassisten in der Philharmonie. "Mir hat es super gefallen. Ich erkenne mich oft wieder, beispielsweise dass die Hände vom Spielen wehtun und man zu Hause sitzt und das Üben keinen Spaß macht", so der Musiker.

Schauspieldirektorin Annett Wöhlert kündigte zehn Neuinszenierungen und zehn Wiederaufnahmen an. Dramaturg Matthias Wolf stellte die Posse "Pension Schöller" vor. Ein Sohn bringt seinen Vater in eine Berliner Pension, sagt aber, es sei eine Nervenheilanstalt. Letztlich gehe es um die Frage "Wer ist verrückt, wer normal?" Wöhlert ging auf Härtlings "Djadi, Flüchtlingsjunge" ein. "Er löst überhaupt keine Angst aus", betonte sie. Im Musiktheater stehen je vier Premieren und Wiederaufnahmen an. Dass im Mittelpunkt der Donizetti-Oper "Maria Stuart" zwei starke Frauen stehen, sagte Musikdramaturg Christoph Nieder. Die Maria Stuart singt Gast Margareta Klobucar, Königin Elisabeth die aus Istanbul zurückgekehrte Barbora Fritscher. Giordanos Oper "André Chenier" bietet laut Oberspielleiterin Judica Semler einen "tollen, essenziellen Stoff".

Die neue Sopranistin Lisa Schnejdar begeisterte mit einer Arie aus der "Fledermaus". Doch Tenor Frank Unger, ebenfalls neu im Ensemble, hatte sich an diesem Abend mit "E lucevan le stelle" aus Puccinis "Tosca" zu viel vorgenommen. Zwar brachte er den glühend-schmachtenden Gesang überzeugend rüber. Aber zweimal versagte seine Stimme in den Höhen gänzlich. "Wir müssen es noch einmal wiederholen", sagte der sichtlich betrübte Sänger. Unger hatte am selben Nachmittag einen Auftritt als Barinkay im "Zigeunerbaron" bei den Greifenstein-Festspielen. "Das war einfach zu viel", so Unger zu "Freie Presse".

Bei der anschließenden Spielzeiteröffnungsfeier des Theaterfördervereins in der Weinbar im Theater sorgte das Anja-Bachmann-Quartett für Stimmung. Um Mitternacht klirrten die Sektgläser: Anja Bachmann hatte Geburtstag.

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