Ein Wandersmann liebt Hainichen City

Musiker Jörg Kokott hat am Sonntag mit Kollege Josa im rappelvollen Ratskeller begeistert. Dieses Heimspiel läutet ein für ihn besonderes Jahr ein.

Hainichen.

Wenn man im Ratskeller der Gellertstadt sogar einen Atemzug hört, dann ist der Saal entweder komplett leer - oder das Publikum hängt gebannt an den Lippen von Jörg "Ko" Kokott. Letzteres war der Fall, als der in Hainichen seit nunmehr fünf Jahren wieder wohnhafte Kokott am Sonntagabend zusammen mit seinem Kollegen Josa vor rund 100 Besuchern ein Konzert gab.

Der Saal war knackevoll, nicht jeder bekam einen Sitzplatz. Dennoch hörten auch die Stehenden genau hin, und forderten ebenso frenetisch Zugaben. Mitgesungen wurde auch, und geplaudert. Musikerkollegen gab es auch im Publikum einige, etwa Vincente Patiz, Robert Carl Blank oder Jürgen Schwemmer aus Mittweida. Worauf alle gespannt waren: Kokott und Josa im Duett. Man ließ auf der Bühne einander Raum, harmonierte und ergänzte sich. Kokotts Melodien griff Josa meist mit der Mundharmonika oder der Mandoline auf, führte sie weiter und gab so den Liedern noch mehr Tiefe.

"Wir haben uns schon vor gut 15 Jahren kennengelernt", erklärte Kokott. "Das war zu meinem 50. Geburtstag bei Kuno in der Kneipe." Kuno, also Wirt Steffen Kunze, war nun erneut der Gastgeber. Josa habe er nie aus den Augen verloren, so Kokott. Nun sei es an der Zeit gewesen, etwas zusammen zu machen. "Dabei wollte ich nicht nur das Leittier sein", so Kokott. "Und in bester Folkmanier sollten sich unsere Stimmen verbinden." Genau das kam beim Publikum an, vor dem Termin in Hainichen auch schon bei den Auftritten in Jena und Halberstadt.

Kokott kommt viel herum in Deutschland, auch zusammen mit Christian Georgi, mit dem er musikalische Schulstunden gestaltet. Dabei ist der sich selbst besingende "Wandersmann" längst zu einem Botschafter Hainichens geworden, also der Stadt, die im Februar vor fünf Jahren erneut zu seinem Wohnsitz wurde. Er werde in der Republik oft gefragt, wofür denn das "HC" seines Autokennzeichens stehe. "Hainichen City" lautet dann seine Antwort, die meist kopfschüttelnde Leute zurücklässt. Die Erklärung "Hansestadt Chemnitz" lässt er gern als Witz folgen, was außerhalb Sachsens aber als logische Erklärung noch eher akzeptiert werde.

Dabei fühlt sich der "Ko" im beschaulichen Hainichen wirklich wohl. Seine musikalischen Glanzpunkte wird er nun aber vor allem in Dresden setzen - neben einem Auftritt mit Strittmatter-Texten auf dem Theaterkahn auch am 5. Juni bei seinem Geburtstagskonzert in der Dreikönigskirche. Dort hatte er auch schon seinen 60. Geburtstag begangen. Nun erwartet er da erneut musikalische Weggefährten.

Danach will er sich eine dreimonatige Pause gönnen. Nach vielen Jahren unentwegten Tourens habe er sich das verdient. "Das Wort Rente habe ich zwar im Hinterkopf, aber ein Rentner werde ich bestimmt nicht", versichert er. "Ich mache weiter, sofern man mich auf die Bühne lässt." Für 2022 plane er "eine letzte Riesentour" - nicht nur, weil Heinrich Heines 225. Geburtstag im Kalender steht. Kokott selbst steht dann seit 50 Jahren auf der Bühne. Geplant hat er sogar bis 2026. Dann kann er sein Brecht-Programm zur Aufführung bringen - 70 Jahre nach dem Tod des von ihm so geschätzten Autors.

Die nächsten Termine im Ratskeller und in der Kneipe Eigenartig in Hainichen: 24. Januar, 19 Uhr, "Theater Braut-Alarm"; 2. Februar, 17 Uhr, Konzert von Krishn Kypke; 21. Februar, 20 Uhr, Konzert von Stefan van de Sande. Karten unter Telefon 037207 51990.

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