Eine Ortschronik auf Leinwand

Der Frankenberger Künstler Winfried Hacker hat ein Stück Stadtgeschichte mit Pinsel und Farbe festgehalten. Die jetzt eröffnete Schau wirft auch den Blick in die Vergangenheit.

Frankenberg.

Zum unterhaltsamen und nicht alltäglichen Ausflug in die jüngere Stadtgeschichte lädt jetzt Winfried Hacker musisch aufgeschlossene Mitbürger und demnächst auch Gäste der Landesgartenschau 2019 ein. Auf rund 70 Quadratmetern Ausstellungs- und Arbeitsfläche präsentiert der Maler und Grafiker im Atelier am Baderberg jetzt seine spezielle Sicht von der Heimatstadt Frankenberg.

Denn der 66-Jährige erweist sich als mit Pinsel und Farbe agierender Chronist und schafft bildnerische Zeitdokumente, die vom Stadtleben und insbesondere seiner Baugeschichte erzählen.

Mit einer gehörigen Portion Ortskenntnis und Wissbegier stöberten am Sonnabend Freunde und Bekannte von Hacker zusammen mit Vertretern der Stadtpolitik und der Öffentlichkeit zur Eröffnung der Schau an Hand der optischen Vorlagen im Werden und Wachsen aber auch Vergehen der Kommune.

Mit nahezu fotodokumentarischer Genauigkeit bannt der Künstler die Motive der markanten, zumeist das Stadtbild prägenden Objekte als Aquarell, Kreidezeichnung und auch in Acryl auf Leinwand und Pappe. Ob ehemalige Einkaufsstätte, Rathaus oder renommiertes Hotel, ob frühere Lisema-Fabrik, Tuchmacherhaus oder Mehrfamiliendomizil, der Akteur ist aufmerksamer Beobachter und immer auf der Suche nach dem jeweiligen, das Sujets bestimmenden Reiz. "Das kann ein filigran geschaffenes Mauerwerk oder das raffinierte Detail eines Objektes sein", sagte der Maler. Ob in sattem Rot sanierte Ziegeldächer oder von verkeimten Grau zerfallende Fassaden - Winfried Hacker fängt auf seine Weise schier unwiederbringliche Momente der Frankenberger Stadtgeschichte ein. "Dabei versteht er es, zugleich die Stimmung der Zeit mit einzufangen. Er bildet authentisch die Atmosphäre ab, wie er damit auch versteht, Gefühle der Menschen auszudrücken und die Betrachter anzusprechen", bescheinigte Bürgermeister Thomas Firmenich dem Maler zur Eröffnung seine künstlerische Meisterschaft.

Auf engstem Raum zwingt der einst gelernte Zerspaner eine Menge Motive Frankenbergs zwischen die vier Atelierwände. Und sieht immer ihr Besonderes. Mit seiner Feststellung "Frankenberg ist die Stadt der halben Häuser", wusste er die Gäste am Samstag auf eine Eigenheit hinzuweisen. "Typisch sind Pultdächer, die die Objekte überdachen. Aus Platzgründen bauten die Leute beispielsweise solche Häuser in der Feld- oder der Freiberger Straße." Als bodenständiger Mitbürger kennt er nicht nur die Gemäuer, ein Besuch der Schau wird gerade durch die mit den Bauwerken verknüpften und von Winfried Hacker gelieferten Informationen und Lebensweisheiten so unterhaltend. "Erinnert ihr euch noch an Lilo, die Kellnerin mit den roten Lippen?", befragte Winfried Hacker seine Freunde Rainer Umlauf und Hansjörg Schmiedkampf, mit denen ihn seine Leidenschaft für die Framo- und Barkas-Fahrzeuggeschichte verbindet, auf das von ihm gemalte ehemalige Café Claus zeigend, in dem diese einst serviert hatte. Auch mit der früheren Schulkameradin Giesela Linke kam er ins fachsimpeln, die von der Authentizität der Motive des Viaduktes und der Baderbergsstraßen-Szene angetan war. "Mich treibt es an, zu zeigen, was in Frankenberg geschaffen wird, aber auch, wie es noch vor geraumer Zeit aussah", sagt Winfried Hacker. Dabei wird auf den früheren Testfahrer des hiesigen Automobilbetriebes schon bald eine weitere Herausforderung zukommen: "Ich werde zum Team der Lenker des für die Landesgartenschau restaurierten Framo-Busses gehören, mit dem wir die Marketingarbeit für dieses Ereignis unterstützen werden." Klar dürfte sein, dass auch dieser rollende Oldtimer schon bald auf Leinwand gebannt sein dürfte.

Die Ausstellung mit Werken zur Stadtgeschichte ist jeden ersten Sonntag im Monat sowie mittwochs von 14 bis 19 Uhr im Atelier, Baderberg 5, zu sehen.

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