Ende 2020 sollen Busse Internet haben

Bei der Umrüstung von Fahrzeugen will Regiobus zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Neben der W-Lan-Technik soll auch ein digitales Leitsystem eingesetzt werden. Damit sollen Fahrgäste künftig in Echtzeit erfahren, wann genau der Bus eintrifft.

Mittweida.

Während der Busfahrt E-Mails schreiben, in den sozialen Netzwerken surfen oder die neuesten Nachrichten lesen - kostenlos und ohne das eigene Datenvolumen zu verbrauchen: In 30 Bussen der Regionalverkehr Erzgebirge GmbH (RVE) ist das bereits möglich. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen die ersten Fahrzeuge mit drahtlosen Internetzugängen ausgestattet, dieses Jahr sollen noch einmal ebenso viele folgen. "Die Reaktionen unserer Fahrgäste auf das Angebot sind durchweg positiv, es wird auch rege genutzt", sagte RVE-Geschäftsführer Roland Richter Anfang des Jahres der "Freien Presse". Perspektivisch sei geplant, alle Fahrzeuge mit der Technik auszurüsten.

Derartige Ziele verfolgt auch das mittelsächsische Nahverkehrsunternehmen Regiobus. Doch dessen Fahrgäste müssen sich noch gedulden. Erst für Ende 2020 ist laut Geschäftsführer Michael Tanne geplant, die Omnibusse des Unternehmens mit Drahtlos-Internet auszustatten. Der Grund: Regiobus will das Unterfangen mit einer weiteren technischen Neuerung verbinden. Dabei handelt es sich um die Einführung eines sogenannten rechnergestützten Betriebsleitsystems. "Beim Nach- und Neuausrüsten von Fahrzeugen für dieses System spielt W-Lan ohnehin eine Rolle", erklärt Tanne. "Daher möchten wir beides zeitgleich integrieren."

Das neue Leitsystem soll Fahrgästen mehrere Vorteile bieten. Tanne verweist auf die digitalen Anzeigetafeln, die schon jetzt in vielen Großstädten in Echtzeit anzeigen, wann Busse oder Bahnen an den Haltestellen eintreffen. "Nun ist es in einem Regionalbussystem mit fast 4000 Haltestellen unmöglich, alle elektronisch auszurüsten", so der Regiobus-Chef. Dabei sei eine Echtzeit-Auskunft gerade in Regionen, wo der Bus selten und unregelmäßig fährt, besonders wichtig. "Stellen Sie sich vor", erläutert er, "Sie stehen im Winter an einer relativ einsamen Haltestelle und fragen sich bei widrigsten Wetterbedingungen, ob der Bus es schafft oder nicht." Die Lösung dieses Problems soll eine Anwendung für Smartphones sein, in der Fahrgäste auf die Minute genau angezeigt bekommen, ob und wann ihr Bus kommt. Zudem, führt der Geschäftsführer aus, können über das System Fahrzeuge automatisch untereinander kommunizieren. So wissen die Busfahrer, wann genau eventuelle Anschlussbusse eintreffen. "Das ist eine große Erleichterung für sie, zu wissen, ob sie noch warten sollen oder nicht", sagt Tanne. "Und es hilft logischerweise auch dem Fahrgast." Bei der Einführung des Betriebsleitsystems handle es sich um ein Projekt des Verkehrsverbunds Mittelsachsen (VMS) an dem neben Regiobus auch der RVE, die Chemnitzer Verkehrs-AG (CVAG) und die Regionalverkehr Westsachsen GmbH (RVW) beteiligt seien. Auch Verkehrsunternehmen, die im Auftrag dieser Anbieter unterwegs sind, etwa die Firmen Zacharias aus Neuhausen und Fritzsche aus Burgstädt, sollen mit dem Echtzeit-System ausgestattet werden. Mit der Umsetzung soll es im Verbund schon vor Ende 2020 losgehen, so Tanne. "Aber wir sind die Letzten in der Kette." Dies liege in Fördermittelfristen begründet, die mit der Kreisgebietsreform zusammenhängen und noch auszusitzen seien. (mit tw)

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