Erster Schritt zur neuen KZ-Gedenkstätte

Noch in diesem Jahr soll in Sachsenburg der neue "Pfad der Erinnerung" auf das frühere Konzentrationslager hinweisen. Fördergeld ist genehmigt. Doch vor weiteren Planungen muss die Stadt eine Entscheidung abwarten.

Sachsenburg.

Fürsprecher hat das Projekt "Pfad der Erinnerung" auf dem Areal des früheren Konzentrationslagers (KZ) im Frankenberger Ortsteil Sachsenburg viele. Inzwischen wurden der Stadt auch die beantragten Fördermittel zugesagt. "Die Stadt soll bis zu 85.000 Euro für das Projekt erhalten, das damit nun umgesetzt werden kann", sagte Frankenbergs Bürgermeister Thomas Firmenich (CDU) zur jüngsten Stadtratssitzung. Und dies soll noch in diesem Jahr geschehen.

Bereits zum Neujahrsempfang hatte das Stadtoberhaupt auf Nachfrage erklärt, in diesem Jahr den Pfad als Außenraumausstellung mit zehn bis zwölf Stelen als informative Stationen umsetzen zu wollen. Das frühere KZ bestand von 1933 bis 1937. Jüngsten Erkenntnissen zufolge wurden dort mehr als 7000 Männer geknechtet, gequält, eine unbekannte Zahl von ihnen getötet.


"Der Pfad ist aber nur ein Teil des Konzepts", betonte Firmenich. Und das soll zunächst dem Stadtrat vorgestellt werden. Zuvor müsse aber noch der Stiftungsrat der Sächsischen Gedenkstätten eine Entscheidung zur Gesamtkonzeption fällen. Laut Bürgermeister kommt dieses Gremium jedoch erst am 14. Mai zusammen. Bereits im Dezember hatte der Stiftungsrat aber eine Befürwortung angekündigt.

Firmenich hat nach dem Votum der Stiftung eine Entscheidung im Stadtrat für Mai oder Juni im Blick. Den ersten Schritt hin zu einer Gedenkstätte sieht er damit gemacht. "An der Stadt wird es jedenfalls nicht scheitern", so Firmenich. Nach der Bestätigung des Konzepts wolle sich die Stadtverwaltung um die weitere Finanzierung bemühen.

Anna Schüller, die den "Pfad der Erinnerung" erarbeitet hat und sich mit der Initiative Klick für die Gedenkstätte zum KZ Sachsenburg einsetzt, drängt auf eine schnelle Umsetzung. Im Sommer 2017 hatte die Chemnitzer Lehrerin mit einer Veröffentlichung im Magazin "Der Spiegel" bundesweit für Aufsehen gesorgt. Daraufhin hatte sich mit Julian Aicher ein Neffe der Geschwister Scholl, die während des Zweiten Weltkriegs im Widerstand gegen den Nationalsozialismus aktiv waren, bei ihr gemeldet. Er war Anfang Dezember 2017 selbst zu Gast in Sachsenburg, nahm an einem Rundgang teil und las aus "Die Weiße Rose", einem Werk seiner Mutter Inge Aicher-Scholl. "In Ulm, wo ich herkomme, gibt es auch eine ähnliche Anlage wie diese hier in Sachsenburg", erzählte Aicher. "Anfangs gab es in Ulm noch Ablehnung durch die Lokalpolitiker. Aber inzwischen haben alle erkannt, wie wichtig es ist, die Erinnerung wach zu halten."

Als Partner der Initiative sieht sich auch die Lagerarbeitsgemeinschaft (LAG) Sachenburg. "Wir sind etwa zwölf aktive Mitstreiter", erläutert Wolfgang Engel von der LAG. "Die Initiative hat schon eine andere Herangehensweise, das kommt uns entgegen. Wir arbeiten jedenfalls nicht gegen-, sondern miteinander." Am 7. März will die Initiative Klick noch ein Forum nachholen, das im November des vergangenen Jahres wegen Erkrankung kurzfristig abgesagt werden musste.


"Mein Vater war inhaftiert"

Karin Kluge, Jahrgang 1941, stammt aus Oederan und wohnt heute in Flöha. Falk Bernhardt sprach mit ihr beim Rundgang in Sachsenburg.

Welche Beziehung haben Sie zu diesem Konzentrationslager?

Karin Kluge: Mein Vater Kurt Polan war hier inhaftiert, und zwar von 1933 bis 1934. Einer seiner früheren Schulfreunde war wohl Aufseher im Lager. Am Tag nach seiner Entlassung hat er geheiratet. Er stammt aus Oederan und war ein Kommunist. Verhaftet wurde er nur, weil er sich mit Leuten in der Esperanto-Sprache geschrieben hat. Er hat mir schon etwas über das Leben im Lager erzählt, das begleitet mich mein ganzes Leben.

Was ist aus Ihrem Vater nach der Inhaftierung geworden?

Er ist aus dem Lager entlassen worden, aber er hat sich wohl in Sachsenburg eine Nierenerkrankung geholt. 1968 ist er verstorben.

Sie haben den Ort lange Zeit nicht besucht, warum?

Ich wollte das immer machen, meinem Vater zuliebe. Aber mir hatte dazu einfach die Kraft gefehlt und wohl auch der Mut. Als dann dieser Rundgang angeboten wurde, habe ich den Entschluss gefasst, selbst mal alles in Augenschein zu nehmen und das Kapitel für mich abzuschließen.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...