"Es macht Spaß, denn Kultur macht Spaß"

Der Kulturraum Erzgebirge-Mittelsachsen hat eine neue Vorsitzende, die mit viel Elan an große Aufgaben herangeht

Hainichen.

Von der Finanzerin zur Chefin: Manja Dahms übernimmt die Leitung des Kultur-Zweckverbandes der Landkreise Mittelsachsen und Erzgebirge von Wolfgang Kalus. Warum sie sich vor den großen Fußstapfen, die ihr Vorgänger hinterlässt, nicht fürchtet und was sie in Zukunft anders machen möchte, erzählt sie im Interview mit Thomas Reibetanz.

Freie Presse: Kultursekretärin in einem Zweckverband - das klingt nach Bühne und Büro. Was von beiden trifft eher zu?

Manja Dahms: Das Büro. Wir sind im Landkreis Mittelsachsen und im Erzgebirgskreis für die Unterstützung von Kulturträgern verantwortlich, verteilen die Fördergelder. Das heißt also in erster Linie, dass wir bürokratische Arbeiten verrichten.

Wollen Sie auf die Bühne?

Lieber nicht. Ich bin da talentfrei. Allerdings bin ich sehr an Kultur interessiert, weshalb ich auch zugesagt habe, als mir der Posten der Kultursekretärin angeboten wurde. Auch wenn ich die Finanzen immer im Blick haben muss: Kultur sind nicht nur Zahlen. Kultur sind Töne, Texte, Farben, Tradition und vieles mehr.

Ihr Vorgänger Wolfgang Kalus, der sich aus gesundheitlichen Gründen zurückzieht, gilt als anerkannter Kulturlobbyist, er hat jahrelang bei der Landesregierung um Gelder gekämpft. Wie groß ist die Angst, dieser Vorlage nicht gerecht zu werden?

Die Fußstapfen sind groß, machen mir aber keine Angst. Zum einen bin ich schon seit fünf Jahren dabei, unsere Ansprechpartner kennen mich also. Zum anderen habe ich mit Wolfgang Kalus sehr eng zusammengearbeitet, ich kann seine Arbeit also auch in seinem Sinne fortsetzen.

Für den Laien: Wie sieht diese Arbeit genau aus?

Der Zweckverband setzt sich in seinen verschiedenen Organen und Gremien aus Vertretern der Landkreise und Kultursachverständigen zusammen. Die Aufgabe der hauptamtlichen Mitarbeiter im Kultursekretariat ist, die Träger kommunaler Kulturarbeit von regionaler Bedeutung zu unterstützen, insbesondere bei der Finanzierung. Für 2018 hatten wir ein Gesamthaushaltsbudget von 19,8 Millionen Euro, davon haben wir 19,1 Millionen Euro an Zuschüssen verteilt - an die zwei großen Theater und viele andere Kultureinrichtungen in unserem Einzugsgebiet, aber auch an kleinere Projekte wie die Nachwuchsausbildung für Musikvereine oder an gemeinnützige Veranstalter von Konzertreihen. Ein kleiner Teil fließt in eigene Projekte und in die Personal- und Sachkosten. Wir haben hier ein kleines aber sehr fähiges Team, ohne das eine Kultursekretärin nichts wert wäre.

Bei der Verteilung der Gelder ist Gleichbehandlung sicherlich ein Balanceakt?

Ja, das stimmt. Wir müssen immer abwägen, welche Einrichtungen und welche Projekte mit öffentlichen Geldern gefördert werden können. Im vergangenen Jahr waren das aber immerhin 202 Projekte, wir konnten also viele Kulturschaffende finanziell unterstützen. In meiner neuen Funktion freue ich mich nun darauf, öfter auch die Umsetzung dieser Projekte vor Ort sehen zu können.

Auf was freuen Sie sich noch? Haben Sie auch Neues vor?

Natürlich möchte ich meine eigenen Ideen einbringen. Dazu gehört zum Beispiel, dass unsere Arbeit noch transparenter werden soll. Die Öffentlichkeitsarbeit soll verbessert werden. Wir wollen den Leuten in den zwei Landkreisen zeigen, was es hier an Kultur gibt, was es kostet, diese Kultur anbieten zu können und welche Möglichkeiten sich bieten, Kultur zu fördern. Unser nächstes großes Vorhaben ist zudem die Fertigstellung einer neuen Leitlinie für den Kulturraum, die neue Förderrichtlinien ab 2020 beinhaltet.

Und dazu kümmern Sie sich weiterhin um die Finanzen. Das wird stressig, oder?

Es wird auf jeden Fall nicht langweilig. Aber es macht Spaß, denn Kultur macht Spaß.


Manja Dahms

Die 40-Jährige wurde in Annaberg-Buchholz geboren, wuchs im Erzgebirge auf und wohnt mit ihrer Familie in Geyer. Nach dem Abitur studierte sie Öffentliche Verwaltung. Thema ihrer Diplomarbeit war die Kultur. Nachdem sie sich in der Landesdirektion auch mit Kulturförderung befasst hatte, kam sie 2013 zum Kulturraum Erzgebirge-Mittelsachsen, wo sie

seither für die Finanzen verantwortlich war. Seit dem 1. September ist

sie Kultursekretärin.

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