Exklusiver Blick in den Riesen-Supermarkt

Bürgersprechstunde der besonderen Art: Bevor der Gemeinderat Striegistal am Dienstag als Gast von Edeka in Berbersdorf tagte, konnten Anwohner das Logistikzentrum der Handelskette besichtigen. Dort ist Großes geplant.

Berbersdorf.

Wer auf der Autobahn A 4 am Edeka-Zentrallager in Berbersdorf vorbeifährt, rätselt, wie es da wohl drinnen aussieht. Antworten auf diese Frage können die circa 60 Teilnehmer einer exklusiven Führung geben, zu der Edeka Nordbayern-Sachsen-Thüringen geladen hatte. Anlass war die geplante 80-Millionen-Euro-Investition in das Großlager. Die Bauarbeiten dafür beginnen im Oktober. Das Unternehmen will seine Lagerfläche von aktuell 48.000 Quadratmetern um 27.000 erweitern. Striegistals Bürgermeister Bernd Wagner (parteilos) freut sich über diese positive Folge der Vorleistungen seiner Gemeinde.

"Im Grunde sind wir ein Riesen-Supermarkt, nur ohne Einkaufswagen", sagte Betriebsleiter Ulrich Günther. Er ist seit 20 Jahren im Lebensmittellogistikgeschäft und seit eineinhalb Jahren in Berbersdorf. Zwei kurzweilige Stunden lang führte er die in gelbe Warnwesten gehüllten Besucher bei vollem Betrieb durch das Zentrallager. Das ist komplex und bestückt mit vielen großen Regalen. Gespickt mit allerhand englischen Begriffen erklärte der Betriebsleiter seinen Gästen, was die herumwuselnden 413 "Edekaner" vor Ort zu tun haben.

Los ging es im Leergutlager. Hier werden die Kisten und Paletten gesammelt, damit sie wieder der Kommissionierung zur Verfügung stehen. Pappe und Plastereste werden gepresst. Eiskalt ging es weiter. Bis auf Minus 24,9 Grad Celsius fallen die Temperaturen im Tiefkühllager. "Nein, die Mitarbeiter frieren nicht", beantwortete Günther die oft gestellte Frage. "Sie tragen Schutzausrüstung. Und die Kälte ist sehr trocken." Größte Herausforderung für die mit Mütze, Handschuhen und Stiefeln ausgerüsteten Mitarbeiter sei nicht die Kälte an sich, sondern der zu verkraftende Temperaturunterschied zwischen drinnen und draußen. Nach der Einarbeitung wisse man aber, ob man für den Job geeignet sei.

Weiter ging es zur Feinkost. Zwischen den hohen Regalen verlaufen fünf Gassen, in denen Mitarbeiter in kleinen Fahrzeugen unterwegs sind. Wie aus einem begehbaren Kleiderschrank entnehmen sie blitzschnell einzelne Artikel. Dabei muss sich niemand mehr bücken. Generell werde der Kommissionierungsprozess zunehmend automatisiert.

Anders ist es bei Obst und Gemüse: Hier bewegen Mitarbeiter in ihrer Acht-Stunden-Schicht selbst tonnenweise Artikel. Gearbeitet werde im Großlager ab Sonntag früh 4 Uhr, wenn Obst und Gemüse am Wareneingang ankommen. Samstag um 18 Uhr endet die Woche mit dem letzten Leergut. "Arbeit im Handel muss man mögen", so Günther. "Wenn Sie etwa Brückentage haben, arbeiten wir." Es sei daher nicht einfach, passendes Personal zu finden. In Berbersdorf kommen einige Kollegen aus europäischen Nachbarstaaten.

Gegessen und getrunken werde immer, so Günther. 500 Millionen Euro Umsatz pro Jahr realisiere das Zentrallager, das bei seiner Eröffnung 2015 das modernste Europas war. Und weil der genossenschaftliche Großhändler Edeka so erfolgreich ist, werde nun für 80 Millionen Euro angebaut. "Wir wachsen an den Schenkeln", sagte Günther mit Verweis auf die U-Form des Lagers. An dessen Außenseiten werde Ware angeliefert, innen kommen die gescannten und in Gitterboxen, Kisten und auf Paletten verpackten Artikel auf die Laster. Von Berbersdorf aus versorgt die Kette rund 500 Märkte in Sachsen und Thüringen. Nach dem Ausbau kommt mit dem Zwischenlager für Fleisch- und Wurstprodukte aus eigener Herstellung ein weiteres Sortiment hinzu. Die Artikelanzahl steige dann um 2870 auf 12.700.

Beeindruckt zeigten sich die Gäste vor allem von der automatischen Kommissionierung. Wie von Geisterhand bewegt, fuhren Nutella-Sixpacks über verschlungene Laufbänder und wurden von Maschinen exakt in diverse Transportboxen gepackt. Wie bei einem 3D-Tetris füllten diese sich, um am Ende mit einer Folie ummantelt zu werden. "Die Bestückung der Container ist ein sehr komplexer Vorgang", erläuterte Ulrich Günther. "Und die Maschinen werden immer besser.

"Es hat mir hier sehr gut gefallen", sagte Lothar Röhnert aus Striegistal. "Ich habe selbst 22 Jahre bei Rewe gearbeitet, war Kommissionierer, Staplerfahrer und im Wareneingang tätig. Ich wollte schon immer mal hier rein und bin froh, dass es geklappt hat." Ein professionelles Anliegen führte Patrick Hundshammer in das Logistikzentrum. "Die roten Leitungen gehören zum Brandschutzsystem", sagte der Wehrleiter der Gemeinde Striegistal. "Darauf habe ich heute ein Auge. Aber es interessiert mich auch privat."

Zum Abschluss durften die Gäste in den Leitstand. "Das ist das Herzstück der Anlage", so der Betriebsleiter. "Auf den Bildschirmen sind alle Prozesse verfolgbar, und wir können von hier den Warenfluss steuern." Sprach's und erntete schließlich viel Beifall. Auch von den Gemeinderäten, die im Anschluss erstmals bei Edeka tagten.

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