Exoten mitten in der Kleinstadt

Orte wie Mittweida und Hainichen haben eigene Ladenstraßen. Manchmal finden sich dort auch ungewöhnliche Geschäfte. Sie können erfolgreicher sein, als so mancher denkt.

Mittweida/Hainichen.

Gemüse schnitzen für den Lebensunterhalt. Das klingt etwas verrückt, doch für Madlen Seigerschmidt ist das ein Traum, den sie sich erfüllt hat. Begonnen hat diese Geschichte vor neun Jahren. Damals war sie noch in der Gastronomie tätig, wollte aus diesem Arbeitsfeld aber ausbrechen. Es folgte ein Kurs beim zweifachen Weltmeister für Gemüse- und Obstschnitzerei, dem Chinesen Chiang Wang. "Er hat mir damals totale Talentfreiheit bescheinigt", blickt sie zurück. Doch Seigerschmidt gab nicht auf. "Fleiß schlägt Talent", ist sie sich sicher.

Seit Oktober ist sie mit ihrem Laden nun in Mittweida direkt an der Rochlitzer Straße. Dort verkauft sie ihre Schnitzkunst aus Obst, Gemüse und Seife, bietet eigene Kurse an und arbeitet an der Produktion ihrer Waren. "Meine Hauptkunden sind heute Edeka und Rewe", sagt sie. Für die Unternehmen kümmert sie sich um Messeauftritte, macht aber auch Mitarbeiterschulungen. Inzwischen hat Seigerschmidt zwei Angestellte. Sie helfen auch bei der Produktion von geschnitztem Gemüse im Glas - eine Erfindung, die sie sich hat patentieren lassen. "Es hat einige Jahre gedauert, bis das Geschäft lief. Heute ist es quasi ein Selbstläufer", freut sie sich.

Sein Hobby zum Beruf hat Michael Jakob vom Chemnitzer Modellbahnshop in Hainichen gemacht. Einst war er selbst Lokführer, doch weil er krankheitsbedingt die großen Züge nicht mehr mehr steuern darf, hat er sich nun auf die Modellvarianten spezialisiert. Vor einem Jahr eröffnete er in Hainichen an der Mittweidaer Straße sein Geschäft, auch wenn der Name darauf schließen lässt, dass der Laden in Chemnitz steht. "Ein anderer Händler musste damals schließen, und ich habe dann den Onlineshop übernommen", sagt er. Im Namen der Webseite war das Kürzel CMS enthalten, also nannte er den Laden kurzerhand Chemnitzer Modellbahnshop. Jetzt arbeitet er daran, den Laden erfolgreich zu machen. Dabei hofft er auf das anstehende Weihnachtsgeschäft. "Das ist auf jeden Fall das Hauptgeschäft. Ab Oktober geht es aufwärts", meint er. Zu kämpfen hat er wie so viele Geschäfte aber dennoch mit dem Internet - mit den dortigen Preisen könne er nicht mithalten. Dennoch ist Michael Jakob zufrieden mit der Entscheidung, einen eigenen Laden zu eröffnen: "Ich glaube nicht, dass ich da einen Fehler gemacht habe."

Ein für Kleinstädte ungewöhnliches Sortiment haben auch Jürgen und Ulrike Voigt mit ihrem Käsefachgeschäft an der Rochlitzer Straße in Mittweida. "Sonst gibt es das nur noch in den Großstädten wie Chemnitz oder Dresden", sagt Jürgen Voigt. Die Idee vor über 20 Jahren, das Geschäft in Mittweida zu eröffnen, war auch ein Stück Heimatverbundenheit. "Hier war auch zuvor ein Käsegeschäft. In Mittweida gab es damals noch mehrere davon. Wir hatten dann die Blitzidee, das fortzuführen." Bereut hat das Ehepaar das nie. Es sei auf jeden Fall die richtige Idee gewesen, meint Jürgen Voigt. Es gäbe Kunden, die seit über 20 Jahren jede Woche vorbeikommen.


Ladenfläche wird weniger

Von 2006 bis 2015 sind über 2000Quadratmeter Ladenfläche in der Stadt Mittweida verschwunden. Das geht aus dem aktuellen Handelsatlas des Freistaats für den IHK-Bezirk Chemnitz hervor. Laut Cindy Krause, Referentin für Handel und Dienstleistung der Industrie- und Handelskammer Chemnitz, ist die Ladenfläche pro Einwohner wegen des Bevölkerungsschwundes aber dennoch gestiegen. 2006 gab es 1,2Quadratmeter an Verkaufsfläche pro Bewohner Mittweidas. 2015 gingen 1,3 Quadratmeter Ladenfläche auf jeden Einwohner. Für eine lebendige Innenstadt braucht es aber mehr als nur viele Geschäfte, meint Krause. Eine Mischung aus abwechslungsreichen Geschäften, Gastronomie und einem attraktiven öffentlichen Raum sei entscheidend. (luka)

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