Fabrik: Die Stadt hat einen Plan

Der Flöhaer Stadtrat hat der Verwaltung grünes Licht für den Kauf der Industriebrache gegeben. Das ist der erste Schritt für eine Mammutaufgabe.

Flöha.

Oberbürgermeister Volker Holuscha (Die Linke) ist vorsichtig. Auf die Frage nach den Plänen der Stadt Flöha für die frühere Buntpapierfabrik an der Augustusburger Straße mag der OB nicht antworten. Es gibt Vorstellungen, aber die seien noch nicht spruchreif, sagte er vor Weihnachten im Stadtrat. Nach dem einstimmigen Beschluss der Räte gelte es zunächst den Kauf abzuwickeln. "Es ist keineswegs sicher, dass wir zum Zuge kommen", betonte Holuscha. Zwar habe man sich mit dem Gläubiger auf einen Kaufpreis verständigt, um einer Zwangsversteigerung zuvor zu kommen, aber sicher könne man erst sein, wenn der Vertrag unterzeichnet sei, erklärte Kämmerin Janet Pentke.

Die Stadt möchte eine Zwangsversteigerung der alten Fabrik verhindern, damit die Brache nicht zum Spekulationsobjekt wird. Für das gut 12.000 Quadratmeter große Grundstück mit Fabrikgebäude wurde in der Vergangenheit schon mehrfach vergeblich ein Käufer gesucht. Zuletzt war 2012 der Marktwert der Immobilie mit 1,32 Millionen Euro beziffert worden. Für Kaufangebote gibt es allerdings keine Mindestgrenze mehr, weil das frühere Fabrikgelände in Plaue bereits mehrfach zur Zwangsversteigerung aufgerufen wurde. Trotzdem fand sich bislang kein Bieter.

Die Stadt hat sich mit dem Gläubiger auf einen Kaufpreis in Höhe von 115.000 Euro verständigt. Weil die Stadt Flöha noch offene Forderungen von rund 23.000 Euro aus der Grundsteuer hat, soll dieser Betrag mit dem Kaufpreis verrechnet werden, sodass letztlich knapp 92.000 Euro fällig werden.

Nach dem Stadtratsbeschluss wird jetzt ein Kaufvertrag vorbereitet, sagte Kämmerin Janet Pentke. In dem Fabrikgebäude und auf dem Gelände gibt es aktuell noch annähernd 20 Mieter. Deren Verträge bleiben von einem möglichen Eigentümerwechsel unberührt, so die Kämmerin weiter. Die Stadt könnte als Eigentümer also Miete kassieren. Auch ein kleiner Manufakturbetrieb für die Verarbeitung von Papier ist in dem Gebäudekomplex untergebracht.

Die Buntpapierfabrik an der Augustusburger Straße ist nach der Baumwollspinnerei und der Tüllfabrik der dritte große Industriestandort in Flöha. 1878 gründete Robert Wilisch die nach ihm benannte Buntpapierfabrik. In dem Gebäude war bereits zuvor eine Spinnerei untergebracht. Wilisch begann, wie in der Stadtchronik von Lothar Schreiter berichtet wird, unter "recht kümmerlichen Verhältnissen". Er wohnte anfangs sogar im Fabrikgebäude. Doch der wirtschaftliche Erfolg kam schnell und schon 1890 stieß der Betrieb an Grenzen und wurde erstmals erweitert.

Die Firma wurde dank ihrer Spezialpapiere weltbekannt und wuchs kontinuierlich. 1938 waren in der Buntpapierfabrik etwa 500 Mitarbeiter beschäftigt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Unternehmen enteignet und in die sozialistischen Wirtschaftsstrukturen eingegliedert. Die Informationen über die jüngere Geschichte sind spärlich.


Kommentar: Richtige Entscheidung

Es ist richtig, dass die Stadt versucht, Eigentümer der alten Buntpapierfabrik zu werden; weil man an mehreren Beispielen im Stadtgebiet sehen kann, wohin es führt, wenn markante Gebäude in Privatbesitz geraten und zum Spekulationsobjekt werden.

Bei einem erfolgreichen Kauf wird es kurzfristig keine Aktivitäten auf dem Gelände geben, weil die Aufgabe, dieses Industrieareal zu entwickeln, eine außerordentliche, langfristige - eine Mammutaufgabe - ist. Das Beispiel Baumwollspinnerei zeigt aber, dass sich Geduld lohnen und ein Plan, den manche für Spinnerei halten, Wirklichkeit werden kann. Apropos: Die weitere Entwicklung der Baumwollspinnerei wird auch bei einem Kauf der Buntpapierfabrik ihre Vorreiterrolle behalten. Auch dieser kleine Hinweis von Oberbürgermeister Volker Holuscha im Stadtrat war richtig und wichtig und zerstreut Befürchtungen, die Stadt könnte ihre neue Mitte vergessen.

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