Firma tüftelt an Technik für Kraftwerke

Zur Fachmesse in Karlsruhe wollen die Experten des Geringswalder Unternehmens Dr. Leye ihre Neuheiten vorstellen. Mess- und Prüftechnik sowie Wasseraufbereitungsanlagen sind vor allem im Ausland gefragt.

Geringswalde.

Noch bleibt den Fachleuten der Dr. Leye GmbH etwas Zeit bis zur internationalen Fachmesse "Chemie im Kraftwerk 2016" Ende Oktober in Karlsruhe. Gleichwohl intensiviert man an der Friedrich-Engels-Straße in Geringswalde die Vorbereitungen dafür. "In Karlsruhe trifft sich auf dem Kraftwerkssektor quasi die ganze Welt. Und wir werden Messtechnik vorstellen, die kürzlich bei uns entwickelt worden ist", kündigt Standortleiterin Ines Lindner an.

Damit konventionelle Kraftwerke und Müllverbrennungsanlagen Strom produzieren können, ist es unter anderem notwendig, die verschiedenen Medien im Wasser-Dampf-Kreislauf der Kraftwerksanlagen mithilfe von Mess-, Steuer- und Regeltechnik aus dem Hause Leye zu überwachen. "Turbinen sind äußerst kostenintensive und empfindliche Bauteile. Damit diese lange und störungsfrei funktionieren, müssen auflaufende Dämpfe, Kessel- und Speisewässer ständig hinsichtlich der Qualität überwacht werden, um frühzeitig Verunreinigungen zu erkennen. Dafür werden unsere Produkte entwickelt und eingebaut", so Lindner weiter. Um die Qualität des bis zu 550 Grad heißen und mit einem maximalen Druck von 250 bar ankommenden Wasserdampfes prüfen zu können, muss das Medium zunächst herunter gekühlt und entspannt werden. "Wir schauen uns die Gegebenheiten vor Ort an und entwickeln danach ein auf das Kraftwerk zugeschnittenes Analysesystem mit Kühlern, Absperrventilen und nachfolgender Analysetechnik zur Messung von Leitfähigkeits-, pH-, Natrium- und Silikatwerten im Spurenbereich."

Die Entwickler von Dr. Leye sind nicht nur gefragt, wenn es um Neubauten von Kraftwerken und die entsprechende Messtechnik geht. "Die teils recht schwankende Ausbeute an Strom aus den erneuerbaren Energien beeinflusst die Kontinuität im Kraftwerksbereich in erheblichem Umfang", verdeutlicht die Standortleiterin. Die Betreiber müssten die Systeme immer öfter hoch- und wieder runterfahren. Das ziehe einen deutlich höheren Verschleiß der Anlagen nach sich. Umso wichtiger sei es, bei sich ständig ändernden Verhältnissen eine lückenlose Überwachung des Wasser- und Dampfkreislaufs zu gewährleisten.

Entwickler und Monteure des Geringswalder Werkes sind weltweit unterwegs. Mess- und Prüftechnik sowie Wasseraufbereitungsanlagen aus Geringswalde stehen unter anderem in Mexiko, Usbekistan, Saudi-Arabien, Taiwan und Venezuela. Auch zu Indien bestehen enge Geschäftsbeziehungen mit hohem Wachstumspotenzial, die mithilfe des Berliner Mutterhauses Dr. Thiedig GmbH & Co. KG weiter intensiviert werden und sich mittlerweile auch auf die Betreuung von Biomasse-Kraftwerken erstrecken.

Unterdessen zeichnet sich für Standortleiterin Ines Lindner mit Blick auf den deutschen Markt eher Stagnation ab. "Seit der Etablierung der erneuerbaren Energien liegen größere Investitionen in konventionelle Kraftwerke offenbar auf Eis." Das Geschäft verlagere sich somit mehr ins Ausland. "Deshalb sind wir auch ständig auf der Suche nach Englisch sprechender Unterstützung unseres Teams für die Projektierung und den Servicebereich."

Im Oktober vergangenen Jahres sollte das 25-jährige Bestehen des Werkes groß gefeiert werden. Der Plan zerschlug sich schlagartig mit dem plötzlichen Tod des Gründers Dr. Wolfgang Leye im Juni. "Unser damaliger Chef hatte die Firmenleitung zwar acht Jahre zuvor schon abgegeben und seinen Ruhestand angetreten", schildert Ines Lindner. Er wäre jedoch keiner gewesen, der sich aufs Altenteil zurückgezogen hätte. Im Werk sei er täglich präsent gewesen. "Uns war nicht nach Feiern zumute, und wir begingen das Jubiläum dann auch nur im kleineren Kreis und mit einer Würdigung seiner Person."


Zwei Millionen Euro im Vorjahr erwirtschaftet - Unternehmen zählt insgesamt 60 Mitarbeiter

Vorläufer des Betriebes Dr. Leye war die Chemisch-elektronische Werkstatt (CEW) von Eigentümer Wolfgang Leye, die 1990 in die Kuntze + Leye GmbH überging. Acht Jahre später trennte sich Wolfgang Leye von seinem Düsseldorfer Partner und führte die Geschäfte als Dr. Leye GmbH weiter.

Im Jahr 2000 platzte der Standort aus allen Nähten. Neben einem Empfangsbereich am Hauptgebäude entstand eine neue Produktionshalle.

Seit 2007 agiert der Geringswalder Betrieb unter dem Dach der Dr. Thiedig GmbH & Co. KG mit Sitz in Berlin und beschäftigt am Standort aktuell 16 Mitarbeiter. Insgesamt arbeiten für das Berliner Unternehmen momentan 60 Personen.

Der Umsatz im vergangenen Jahr belief sich nach Angaben eines Unternehmenssprechers auf rund zwei Millionen Euro. (grün)

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