Fotovoltaik: Claußnitz fährt Verluste ein

Weil ein Bauteil defekt war, wurde weniger Strom produziert. Jetzt überwacht eine Firma die Elektrik. Das ist auch nötig, wie ein erneuter Zwischenfall zeigt.

Claußnitz.

Seit 15 Jahren betreibt die Gemeinde Claußnitz eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach der Oberschule. Auf der 330 Quadratmeter großen Kollektorfläche werden pro Jahr durchschnittlich 41.900 Kilowattstunden (kWh) Energie erzeugt. Das war bis 2011 der Fall. Doch die Gemeinde als Betreiber versäumte es anscheinend, die Anlage regelmäßig zu kontrollieren. Das räumte Bürgermeister Günter Hermsdorf (CDU) auf Anfrage ein.

Das Thema beschäftigt den Gemeinderat seit Monaten. Die Kämmerei war aufgefordert worden, Details für den Verlust darzulegen. "Das hätte doch jemandem auffallen müssen", sagte Gemeinderätin Susanne Thurm (Freie Wähler). Gleichzeitig wurde Stillschweigen vereinbart. "Das geht doch nur den Gemeinderat und nicht die breite Öffentlichkeit an", hieß es.

Bei der Abrechnung des Vertragspartners für die Strom-Einspeisung für das Jahr 2017 sei festgestellt worden, dass nur noch 18.000 kWh eingespeist wurden, sagt Hermsdorf auf Nachfrage. Kämmerin Katrin Friedrich sagte zu einer Sitzung, dass seit 2011 die Einspeisemenge kontinuierlich zurückging. Sie belegte das mit Zahlen. Insgesamt wurde ein Verlust von 40.000 Euro eingefahren. Eine Fachfirma wurde mit der Fehlersuche beauftragt. "Diese ergab, dass neben defekten Wechselrichtern auch die Kommunikation der Anlage mit den hausinternen Ablesesystemen gestört war", so Hermsdorf. Die Gemeinde hatte es also versäumt, regelmäßig die Anlage zu kontrollieren. Warum, lässt Hermsdorf unbeantwortet.

"Die Abrechnung erfolgt einerseits durch den Stromabnehmer. Dieser rechnet jährlich mit der Gemeinde die eingespeiste Strommenge ab", so Hermsdorf. Die erhaltenen monatlichen Abschläge würden während der Jahresabrechnung mit der Einspeisemenge verrechnet. "Die erzeugte Stromleistung kann auf einem Ablesegerät im Geräteraum, einem Display im Foyer der Schule und bis Mitte 2014 auch auf der Homepage der Schule abgelesen werden." Warum der Rückgang nicht bemerkt wurde, lässt Hermsdorf offen.

Konsequenzen forderte der Gemeinderat nicht. Im Juni wurde die Reparatur der Anlage für rund 6500 Euro veranlasst. Bei den Arbeiten wurde festgestellt, dass Wechselrichter defekt waren. Die Bauteile sorgen dafür, dass die Solarmodule immer am Leistungsmaximum arbeiten, sagt ein Experte. Für die Reparatur und die Verluste stimmten die Räte einer überplanmäßigen Auszahlung zu. Außerdem beauftragte die Gemeindeverwaltung eine Firma, die nun regelmäßig die Anlage kontrolliert. Ein System soll installiert werden, sodass Gemeinde und Firma übers Internet auf die Anlage zugreifen können, so Hermsdorf. Zudem erfolge die Kontrolle wöchentlich durch einen Gemeindemitarbeiter. Bei Bedarf werde eine Fachfirma hinzugezogen. So sei im August festgestellt worden, dass erneut ein Wechselrichter defekt war. Er sei für 429Euro erneuert worden.

Verluste durch Störungen bei Fotovoltaikanlagen sind kein Einzelfall, so ein Elektromeister. Die Anlagen seien für viele Betreiber eine reine Geldanlage. Gespart werde an der Überwachung und Wartung. Fehler würden spät oder gar nicht bemerkt. Die Folge: weniger Energieproduktion. Je nach Dauer des Ausfalls könne es passieren, dass der Energieversorger die im Vorfeld gezahlten monatlichen Abschlagszahlungen am Anfang des nächsten Jahres zurückfordert. Ob Claußnitz eine Rückforderung zahlen muss, lässt Hermsdorf unbeantwortet. Im Vordergrund stehe der Immissions- sowie Klimaschutz und nicht die Erzielung von Gewinnen.

Stefan Wippich, Mitarbeiter einer Thüringer Fotovoltaikfirma, macht auf ein anderes Problem eines Ausfalls aufmerksam: "Es kann zu Risiken wie Lichtbögen kommen, wenn zum Beispiel Tiere Kabel verbeißen." Zur Prüfung empfiehlt er ein Monitoring-System. Ein Ausfall könne dem Betreiber per E-Mail oder SMS angezeigt werden.

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