Frankenberg will in zwei Jahren mit Paradiesgärten aufwarten

Bislang gehört Frankenberg nicht zu den sächsischen Kleinstädten, die man unbedingt gesehen haben muss. Das dürfte sich ab 2019 ändern.

Frankenberg.

In der Zschopauaue an der B169 in Frankenberg im Landkreis Mittelsachsen ist am Donnerstag mit dem Pflanzen einer Stieleiche der erste Spatenstich für die Umgestaltung einer riesigen Industriebrache gesetzt worden. In genau zwei Jahren soll hier auf einer Fläche, auf der sich einstmals sechs Unternehmen der Textilindustrie aneinanderreihten, die 8. Landesgartenschau ihre Tore öffnen. 350.000 Gäste will das 15.000-Einwohner-Städtchen mindestens empfangen. Spielt das Wetter mit, könnten es auch weit über 400.000 werden, wie Oelsnitz im Erzgebirge als Ausrichterstadt 2015 gezeigt hat. Die verkehrsgünstige Lage an der A4, die Nähe zu Chemnitz und der Anschluss an die City-Bahn dürften dazu beitragen.

Frankenberg, das nach 1990 vom Niedergang vieler Industriebetriebe und damit verbundener Abwanderung sowie 2002 vom Jahrhunderthochwasser extrem betroffen war, wollte die Gartenschau unbedingt ausrichten. Auch, um mehr Aufmerksamkeit und Bekanntheit zu bekommen. Dreimal bewarb sich der Ort - einmal auch als Ausrichtergemeinschaft mit Niederwiesa und Lichtenau. Während die Nachbarn nach den Absagen aufgaben, überarbeitete die Zschopaustadt ihr Konzept - und überzeugte die Vergabekommission schließlich.

Das Besondere an dieser Schau sei, dass es zwei voneinander getrennte Gartenschaubereiche geben werde, erläutert Jochen Heinz, Geschäftsführer der Landesgartenschaugesellschaft: das Zschopauauenareal mit 6,1 Hektar Fläche westlich des mittelalterlichen Stadtzentrums sowie das Mühlbachtal im Zentrum. Diese 4,7 Hektar große Bachaue soll in "Paradiesgärten" umgestaltet werden.Heinz spricht angesichts der zwei Areale von einer besonderen Herausforderung, aber auch einer einmaligen Chance. Denn da beide Flächen die Stadt quasi umschließen und durch vier grüne Korridore verbunden werden, profitiere die gesamte Innenstadt von den Besucherströmen. Eine Konstellation, die bei früheren Schauen so nicht gegeben war. Heinz muss es wissen: Er war ab 1996 an der Vorbereitung jeder Gartenschau in Sachsen beteiligt. Für Bürgermeister Thomas Firmenich (CDU) wird mit der Bebauung und Gestaltung der Gartenschauflächen Stadtumbau vollzogen. "Wir errichten damit ein neues Stadtquartier und einen Landschaftspark mit großem Potenzial auch in der Nachnutzung." Durch die Zschopauaue werde zum Beispiel der Zschopautalradweg neu gelegt. Außerdem werde in eine seit über 20 Jahren verlassene Industriebrache endlich neues Leben einziehen.

Einziges Überbleibsel der alten Industriegeschichte ist eine Halle der Firma Lisema, die bereits komplett entkernt ist und die zunächst zur Blumenhalle und für gastronomische Zwecke umgebaut wird. 16 wechselnde Blumenschauen sollen hier zwischen 20. April und 6. Oktober 2019 stattfinden und Hobbygärtnern viele Anregungen geben. Danach wird die Halle, die auch optisch ein Hingucker wird, die sogenannte "Zeit-Werk-Stadt" dauerhaft beherbergen - ein Erlebnismuseum zur Stadt- und Industriegeschichte: mit einem Fahrzeugmuseum, das Framo- und Barkas-Fans begeistern wird, aber auch mit Bereichen zur Druckereigeschichte, zur Historie der Zigarrenindustrie sowie zur Teppichweberei. Die dauerhafte Nachnutzung der Anlagen einschließlich der Kosten für Unterhaltung und Pflege war auch eines der Kriterien für die Vergabe der Schau.

Für Sachsens Umweltminister Thomas Schmidt (CDU), der am Donnerstag bei der ersten Baumpflanzung Hand anlegte, sei Frankenberg nicht nur deshalb die richtige Wahl, weil hier alte Industriebrachen nutzbar gemacht werden. Die Stadt und besonders die Gartenschauareale seien auch in Sachen Hochwasserschutz eine Herausforderung gewesen. 17,5 Millionen Euro wurden in den vergangenen Jahren hier in Vorsorgemaßnahmen investiert, 22 Millionen werden es bis 2019 sein. Der Freistaat unterstützt Ausrichterkommunen und Verbände mit 3,8 Millionen Euro aus Steuermitteln. "Denn Gartenschauen zeigen die Leistungsfähigkeit unserer Gartenbaubetriebe. Sie leisten einen nachhaltigen Beitrag für die Stadtentwicklung und sie bringen den Tourismus in Schwung", sagte der Minister. Frankenberg verbaut insgesamt 26 Millionen Euro aus acht verschiedenen Fördertöpfen, die in 30 Einzelobjekte fließen.

Ausrichterorte bisheriger Landesgartenschauen waren Lichtenstein (1996), Zittau (1999), Großenhain (2002), Oschatz (2006), Reichenbach/V. (2009) Löbau (2012) und Oelsnitz/Erzgebirge (2015). Die Landesgartenschau 2022 richtet Torgau an der Elbe aus.

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