Für Regen bezahlen - Niederwiesaer weigert sich

Erfassungsbögen des ZWA flattern derzeit in die Haushalte der Region. Ein Hausbewohner findet die Grundlage für die Berechnung der Gebühr nicht gerecht.

Niederwiesa/Hainichen.

Peer Schepanski hat kürzlich ein Schreiben erhalten, dass ihn zur Weißglut brachte. Es geht um das Niederschlagswasserentgelt. Der Zweckverband kommunale Wasserver- und Abwasserentsorgung (ZWA) mit Sitz in Hainichen hat bis gestern bereits etwa 13.600 von 15.000 Kunden in Mittelsachsen und dem Erzgebirge angeschrieben. Darin wird erfasst, wessen Grundstück wie groß ist und ob es versiegelt ist. Auf Grundlage der Erfassungsbögen wird dann die Höhe der Kosten berechnet, die alle Kunden ab Januar nächsten Jahres bezahlen müssen.

Einer der Kunden ist Peer Schepanski aus Niederwiesa. Er finde das ungeheuerlich, sagt der 42-Jährige. Der Knackpunkt: Für versiegelte Flächen bezahlt er in Niederwiesa genauso viel wie ein Kunde aus dem Erzgebirge. Obwohl es doch im Gebirge deutlich mehr regne als auf dem flachen Land. Erst wolle er darauf eine Antwort, bevor er den Erfassungsbogen zurückschicken will.

Stimmt Schepanskis Annahme über den Regen? René Blank aus Zwickau kennt die Antwort. Der 52-Jährige betreibt seit 15 Jahren eine private Wetterstation. Die feuchten Luftmassen ziehen ihm zufolge aus dem Mittelmeerraum über Italien, Tschechien und Polen nach Mittelsachsen. "Das Erzgebirge wirkt wie ein Staudamm", sagt der Hobby-Meteorologe. Die Wolken türmten sich auf, würden komprimiert und regneten ab. "Daher regnet es in Niederwiesa weniger als etwa in Borstendorf", folgert Blank.

Für den ZWA ist das allerdings unerheblich. "Die Kosten schwanken nicht nach örtlichen Regenmengen", sagt ZWA-Geschäftsführer Dirk Kunze. Der Zweckverband betreibe die Abwasserentsorgung nach dem Solidarprinzip. Das Entgelt werde daher für alle Kommunen gleich nach dem Maßstab der versiegelten Flächen erhoben. Dabei gilt: Je undurchlässiger die Versiegelung ist, desto mehr bezahlt ein Privathaushalt oder Unternehmen dafür. Schließlich mache der Gesetzgeber auch beim Regelwerk für die Bemessung von Kanälen und Bauwerken keinen Unterschied, argumentiert Kunze. Die Einführung des neuen Entgelts kostet den ZWA etwa eine Million Euro zusätzlich. Drei neue Arbeitsstellen werden dafür geschaffen.

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5Kommentare
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  • 1
    0
    Zeitungss
    25.07.2018

    @Hinterfragt: Noch ein kleiner aber doch recht wichtiger Nachschlag zum leidigen Thema. Sie haben heute die Möglichkeit mit fast jeden Handy auf Knopfdruck Radio ( auch den ÖR) zu hören. Versuchen sie mal dem Regenwasser klarzumachen, dass es bergwärts in die dort vorhandene Kanalisation zu fließen hat. Ja, solche Grundstücke gibt es auch in Sachsen und betroffene Bürger werden sich keine teure und störanfällige Hebeanlage wegen dem Regenwasser einbauen lassen. Sie sehen also, der Vergleich ging absolut gegen die Wand.

  • 5
    1
    Zeitungss
    24.07.2018

    @Hinterfragt: Hatte ich mich in meinen Beitrag gar so verdrückt ausgekehrt ???? Rundfunk und Abwasser werden auch in Zukunft verschiedene Latschen bleiben.
    @Carsti hat es nicht umsonst angestossen während andere gerade RTL2 in sich pressen. Alles eine Frage der Gesinnung und was man daraus macht. Nicht jeder befasst sich mit den Machenschaften der Entsorger, deshalb geht auch immer noch etwas mehr.

  • 1
    2
    Hinterfragt
    24.07.2018

    @Zeitungss; Oha, hier haben Sie Ihr "Beispiel" aus der Rundfunkgebührendiskussion...

  • 7
    1
    Zeitungss
    24.07.2018

    @Carsti: Ihr Einwand ist durchaus gerechtfertigt. Die Stadt Dresden macht im Sommer mit ihrer Kanalisation in der Innenstadt alle Ehre, andere Städte natürlich auch. Die Leute sparen Wasser wo es nur geht und die Folgen sind bekannt. Andererseits ist die Regenwassergebühr für den Bertreiber ein schönes Zubrot, wenn man bedenkt, was sich manche Gemeinden für Anlagen haben aufschwätzen lassen, welche heute weit unter ihrer Kapazität arbeiten, aber trotzdem die volle Unterhaltung fordern. Vermutlich werden versigelte Flächen gleich mit berechnet, welche keinen Anschluss an das Kanalnetz haben und auch weit genug davon entfernt sind. Wenn Geld her muss, sind manche Betreiber absolut erfinderisch.

  • 12
    2
    Carsti
    24.07.2018

    Ich finde die Gebühr ungerecht, da das Regenwasser zur Unterstützung für den Kanalnetzunterhalt dient. Ohne Regenwasser müssten die Kanäle öfters gespült und kontrolliert werden. Das Regenwasser fördert die Abschwemmung von "liegengebliebenen Abwasser". Durch die zu erhebende Regenwassergebühr müsste die reine Abwassergebühr, die durch den TW-Zähler ermittelt wird eigentlich sinken. Das währe noch ein Punkt den der ZWA rechtfertigen müsste.



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