Gedenkstätte für das frühe KZ Sachsenburg wird gebaut

Der Stadrat unterstützt mehrheitlich den Ausbau

Frankenberg.

Mehrheitlich hat der Stadtrat Frankenberg auf seiner Sitzung am Mittwochabend neuen Maßnahmen zur Errichtung der Gedenkstätte für das frühere KZ Sachsenburg zugestimmt. Damit ist der Weg frei für einen Antrag der Stadt auf Unterstützung beim sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst. Unter anderem soll eine wissenschaftliche Begleitung des Projektes ausgeschrieben werden. Auch die Interims-Gedenkstätte im Obergeschoss der benachbarten, derzeit leerstehenden Gaststätte "Fischerschänke" kann damit in die Wege geleitet werden. Grundsätzlich hält der Stadtrat an seinem früheren Beschluss zur Errichtung einer Gedenkstätte fest.

Keine Mehrheit fand indes der Änderungsantrag der Fraktion Die Linke/SPD. 

"Die Kommandantenvilla soll bis zur Fertigstellung des Gedenkstättenkonzeptes nicht abgerissen werden", unterstrich SPD-Stadtrat Steven Kempe. Der Antrag wurde auch von den Freien Wählern Frankenberg unterstützt. So sprach sich Viola Vogler-Poch für eine komplette Prüfung vor einem Abriss aus.

Den Entscheidungen war eine hitzige Debatte vorangegangen. Zunächst betonte CDU-Fraktionschef Andreas Schramm, dass für die Villa längst ein Abrissantrag gestellt sei. Zwei Gutachten würden ihre Baufälligkeit bescheinigen. "Das Baurecht für das Gebäude ist erloschen", erklärte Bürgermeister Thomas Firmenich (CDU). Ein Betreiben des Gebäudes sei nicht mehr möglich. Die vorhandenen Flächen im ehemaligen Zellenhaus reichten aus, um die geplante Gedenkstätte umzusetzen. An Stelle der Villa solle mit modernen audiovisuellen Mitteln Geschichte sichtbar gemacht werden. 

Dazu möchte die Verwaltung einen europaweiten Wettbewerb organisieren. 

"Das ist viel mehr wert als der Erhalt eines Gebäudes, das nicht erhaltenswert und nicht erhaltbar ist", so der Bürgermeister.

Für den Erhalt des Gebäudes, in dem Nazis einst Netzwerke knüpften, hatten sich auch internationale Wissenschaftler ausgesprochen und einen Offenen Brief verfasst. Die AfD-Fraktion sprach sich gegen den Beschlussvorschlag der Stadtverwaltung aus. Der bereits existierende Pfad der Erinnerung mit einigen Infostelen reiche aus, meinte Fraktionssprecher Jürgen Stein. Er zog die Bezeichnung KZ für Sachsenburg in Zweifel und sprach viel mehr von einem "Schutzhaftlager". Das brachte ihm den Vorwurf der "Opferverhöhnung" ein, ausgesprochen von CDU-Stadträtin Ute Franke. AfD-Fraktionschef Frank Urbanek beendete die Debatte schließlich per Geschäftsordnungsantrag. Er forderte eine geheime Abstimmung. Das wiederum nannte Thomas Firmenich "ziemlich peinlich", da die AfD damit die ganze Vorgeschichte der Gedenkstätte in Frage stelle. Mit 18 Nein- bei nur vier Ja-Stimmen wurde der AfD-Antrag abgelehnt. Die Vorlage der Verwaltung erhielt dagegen 16 Ja-Stimmen und fünf Mal Nein von der AfD. (dahl)

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4Kommentare
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  • 1
    0
    Hinterfragt
    11.10.2019

    @Manara4, danke für Ihre Gedanken dazu, da die Schlagzeile inzwischen ausgetauscht wurde, ist nun alles klar ;-)

  • 1
    0
    Manara4
    11.10.2019

    Der Stadtrat unterstützt mit Mehrheit den Ausbau der Gedenkstätte. Der Antrag auf stehen lassen der Villa bis zu einem fertigen Konzept wurde abgelehnt. Es gibt zwei Gutachten, welche besagen die Villa ist baufällig. Damit stimmt die Überschrift - ihre Frage habe ich nicht als sarkastisch aufgefasst sondern als interessiert .

  • 1
    0
    Hinterfragt
    10.10.2019

    Also, wenn ich den Artikel richtig verstanden habe, wird die Villa nicht abgerissen?

    Wenn dem so ist, stimmt die Schlagzeile nicht.
    Müsste es dann nicht lauten: "Antrag FÜR Abriss der KZ-Villa abgelehnt !

    Aus gutem Grund schreibe ich dazu, dass das NICHT Sarkastisch gemeint ist...

  • 2
    0
    Manara4
    10.10.2019

    Vernunft und Pragmatismus ist im Frankenberger Stadtrat in der Frage Gedenkstätte seit langem an der Tagesordnungspunkt. Nur mit drr Stadt kann ein ordentliches Konzept und somit eine würdige Gedenkstätte entstehen. Das ehemalige KZ Sachsenburg gehört zur Geschichte Sachsens, es war das größte in diesem (Bundes)-land. Es gab Tote, Folter, Willkür, Terror. Hier wurde erprobt, was später in Buchenwald und den anderen KZ angewandt wurde. Schutzhaft ist ein Verharmlosung. Danke für die Richtungsentscheidung und die Klarstellungen im Stadtrat Frankenberg.



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