Gemeinschaft will aufklären und Erinnerung wach halten

Die Geschichte des ehemaligen KZ Sachsenburg und der Häftlinge erforschen Mitglieder einer Arbeitsgemeinschaft. Auch was aus den Tätern geworden ist, wollen sie wissen.

Frankenberg.

Seit zehn Jahren kümmert sich die Lager- und Arbeitsgemeinschaft (LAG) Sachsenburg um das Aufarbeiten der Geschehnisse rundum das ehemalige Konzentrationslager (KZ) Sachsenburg, das sich an der Zschopau befindet. "Schon vor der Gründung der Lager- und Arbeitsgemeinschaft haben wir den ehemaligen Inhaftierten in Sachsenburg mit dem Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten (VVN-BDA) Chemnitz" gedacht, erklärt der Vorsitzende der LAG Sachsenburg, Wolfgang Engel.

In erster Linie wollen die zwölf Mitglieder der LAG Aufklärungsarbeit über die Geschehnisse in Sachsenburg betreiben und Beziehungen zur Gegenwart herstellen, sagt Engel. "Wir recherchieren, wer in Sachsenburg inhaftiert war und wollen einen Bezug des von 1933 bis 1937 existierenden KZ in Sachsenburg auf die Entwicklung der frühen Konzentrationslager analysieren. Wir schauen uns auch an, was aus den Tätern wurde", erklärt Engel. Anfänglich wurde angenommen, dass es 200 Inhaftierte in Sachsenburg gab, heute geht die 2009 gegründete LAG von über 6000 Häftlingen aus. "Leider haben wir heute keine überlebenden Zeitzeugen mehr", so Engel. In den vergangenen zehn Jahren habe sich in Sachsenburg jedoch einiges getan, was das Gedenken an das Schicksal der Inhaftierten betrifft. "Wir haben eine Ausstellung entwickelt und darauf bestanden, dass eine Gedenkstätte in Sachsenburg entsteht", so der LAG-Vorsitzende. Zum Gedenken an die Opfer veranstaltet die LAG jährlich den Sachsenburger Dialog, der im Juni im Haus der Vereine in Frankenberg stattfindet. In dem Rahmen gedenken die Teilnehmer der Inhaftierten in Sachsenburg.

Innerhalb der Gedenkstättenplanung wurde im Juni 2019 mit der Stiftung Sächsischer Gedenkstätten und der Stadt Frankenberg ein Pfad der Erinnerung eingeweiht, der an die Entwicklung des Ortes erinnern soll. "Die Ausgestaltung der ersten zehn Gedenktafeln des Pfades der Erinnerung wurde durch die LAG und die Geschichtswerkstatt erarbeitet", erläutert Engel. Einer Gedenkstätte steht die LAG Sachsenburg positiv gegenüber. "Wir sind in die Planung eines solchen Ortes der Erinnerung eingebunden und es gibt auch einen Kooperationsvertrag mit der Stadt Frankenberg", so Wolfgang Engel. Mit einer Gedenkstätte soll die Aufarbeitung der Geschichte des ehemaligen Konzentrationslagers vorangetrieben werden, erklärt Engel weiter.

Ab Januar 2020 will die Stadt Frankenberg einen Historiker einstellen, der auch die Arbeit der LAG unterstützen wird, merkte Engel an. In der künftigen Gedenkstätte sollen später weitere Ausstellungen entstehen. "Wir haben noch Materialien und Dokumentensammlungen für weitere Ausstellungen, die wir von Angehörigen ehemaliger Häftlinge bekommen haben", so Engel. Jetzt wolle man sich jedoch erst einmal auf die ehemalige Kommandantenvilla konzentrieren, die laut eines Stadtratsbeschlusses abgerissen werden soll.

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