Genossenschaft will Mittelstand schützen

Nicht nur große Konzerne, auch kleine Firmen können Ziel von Cyberangriffen sein. Von Mittweida aus soll nun ein Netz für digitale Sicherheit gesponnen werden, an dem regionale Partner arbeiten

Mittweida.

Mit markigen Worten hat der Beauftragte für Informationstechnologie des Freistaates in Mittweida beschrieben, warum das Thema Digitale Sicherheit so bedeutsam ist: "Da draußen herrscht Krieg und wer das nicht verstehen will, der kann die Zukunft nicht angehen", sagte Thomas Popp kürzlich bei einer Podiumsdiskussion an der Hochschule Mittweida. Sieben von zehn Unternehmen seien in den vergangenen zwei Jahren Opfer von Cyberattacken oder Industriespionage geworden.

Unternehmen sind auch die Zielgruppe einer Genossenschaft, die als Mitveranstalter neben Hochschule und Bürgerstiftung der Volksbank den Tag der digitalen Sicherheit ins Leben in Mittweida gerufen hatte, bei dem der IT-Experte des Freistaates aufgetreten war. Gegründet worden ist diese neue Genossenschaft mit dem selbsterklärenden Namen "Digitale Sicherheit für den Mittelstand" von Hochschule und Volksbank Mittweida sowie von dem Münchner Unternehmen Comcode, welches Digitalisierungsstrategien für Firmen entwickelt. "Wir wollen qualitätsgeprüfte Digitalunternehmen und den Mittelstand zunächst regional, langfristig aber auch überregional, vernetzen", erklärte Miriam Stareprawo-Hofmann, Vorstandsmitglied der neuen Genossenschaft. Auch mittelständische Banken gehören zur Zielgruppe. Ein erster Schritt bestehe darin, die Mittelständler auf das Thema aufmerksam zu machen. "Digitale Sicherheit ist einfach bei vielen noch nicht relevant genug", sagte Miriam Stareprawo-Hofmann. Die Genossenschaft versteht sich dabei als Plattform für das Thema im Mittelstand, der Verwaltung und in kommunalen Unternehmen. Qualifikation und Beratung sollen künftig zu den Leistungen gehören, die die Genossenschaftsmitglieder selbst erbringen oder vermitteln. So könnten Mitarbeiter von Unternehmen geschult werden, zum Beispiel im Erkennen und Umgang mit gefälschten E-Mails, wie Professor Alexander Knauer von der Hochschule erklärte. Er ist ebenfalls Vorstandsmitglied der neuen Genossenschaft. Dabei bietet die Hochschule den Zugang zu akademischem Wissen, Comcode die Erfahrung in der Praxis und die Volksbank die Verbindung zu den Kunden.

Zum Tag der digitalen Sicherheit in Mittweida hatte die neu gegründete Genossenschaft in der vorigen Woche Unternehmen und Partner an die Hochschule geladen. Dort konnten Besucher unter anderem herausfinden, ob ihre E-Mail-Konten durch Hackerangriffe gefährdet sind und wie sie diese Datenlecks beheben können. Dabei zeigte Thomas Haase von der Firma T-Systems aus Dresden wie einfach es ist, von anderen Nutzern gekaufte Codes für Gutscheinkarten einzusehen und diese zu verkaufen. Der IT-Experte erklärte, dass man sichere Webseiten im Internet an entsprechenden Kennzeichnungen und Domain-Endungen erkenne. (mit jl)


Was Gäste vom Tag der digitalen Sicherheit mitnehmen

Jan Gumpert, Vorstandschef der Agraset Naundorf hat bei der Veranstaltung in Mittweida "gelernt, dass ich

offensichtlich einen guten IT-Berater habe, der bisher Schlimmeres verhindert hat". Auch

er als Landwirt habe sensible Daten wie etwa Tierbestände, die für Hacker von Interesse sein könnten. Die Agrargenossenschaft plane, sich früher oder später dem Netzwerk der Genossenschaft anzuschließen. "Hier haben sich drei Partner gefunden, was für andere Regionen nicht selbstverständlich ist", so Gumpert.


Nina Lasrich, Schülerin des Gymnasiums Burgstädt, nahm für ein Projekt ihrer Profilklasse Gesellschaftswissenschaft einen Preis entgegen, der mit 500 Euro dotiert ist. Beworben hatten sich darum fünf Schulen der Region. Zum Thema digitales Bezahlen hatten sich die Schüler mit Vor- und Nachteilen der Digitalisierung beschäftigt, dazu Plakate, Power-Points und Kurzfilme erstellt. "Auch ging es darum, wie wir uns das Bezahlen in der Zukunft vorstellen", erklärte die Zehntklässlerin das Projekt.


Alexander Lägel von der 2018 gegründeten Digitalagentur Elsterkind aus Leipzig hat seine E-Mail-Adresse auf eine mögliche Gefährdung testen lassen. In seinem Fall betraf es einen unsicheren Online-Shop, bei dem versucht wurde, das Passwort für Benutzerkonten herauszufinden. "Mit der Logik, dass man oft dasselbe Passwort für verschiedene Konten nutzt, hätten Hacker dann überall Zugriff", so Lägel. Diese und mehr Informationen nehme er für sich und seine Kunden mit. (grot)

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