Gericht ahndet Messerstecherei

Eine Auseinandersetzung zwischen aus Syrien und Afghanistan stammenden Männern in Frankenberg hat ein juristisches Nachspiel. Umstritten schien dabei der Einsatz einer Stichwaffe.

Döbeln/Frankenberg.

Während derzeit die Bundespolitik über ein Verbot von Messern an öffentlichen Orten diskutiert, hat sich das Gericht Döbeln mit einem konkreten Fall befassen müssen, bei dem eine Stichwaffe eine Rolle spielte.

Anlass für die Verhandlung war ein Streit zwischen zwei aus Syrien und zwei aus Afghanistan stammenden Männern im Januar 2017 am Bahnhof in Frankenberg. Laut der Anklage soll ein damals 19-jähriger Syrer einem Mann aus Afghanistan eine Ohrfeige versetzt und später mit einem Messer nach ihm gestochen haben. Das Opfer habe den Stich abwehren können, dabei aber eine Schnittverletzung an der Hand erlitten. Der zweite Syrier soll währenddessen dem Freund des Afghanen ein Messer an die Kehle gehalten haben. Dann habe der 19-Jährige auch dem Freund des Opfers eine Ohrfeige versetzt. Wegen des Vorfalls stand der Syrer jetzt vorm Jugendgericht. Vorgeworfen wurde ihm gefährliche Körperverletzung.


Bei der Tat sollen den Angaben vor Gericht zufolge etwa 15 bis 20 weitere Personen am Tatort gewesen sein, die ebenfalls aus Syrien stammten. Der Angeklagte und der Mittäter, die zur Tatzeit in Frankenberg lebten, sollen unter dem Einfluss von Alkohol gestanden haben.

Der Angeklagte, der 2015 nach Deutschland kam, wohnt mittlerweile in einer anderen Stadt. Im Bundeszentralregister hat er bereits einen Eintrag wegen illegalen Grenzübertritts. Die nun vorgeworfene Tat gestand er teilweise. "Ich habe ihm nur eine Ohrfeige gegeben", sagte der 19-Jährige vor Gericht. "Ein Messer hatte ich nicht." Dass er auch dem Freund des Opfers eine Ohrfeige verpasst hat, gab er ebenfalls zu. Wie er schilderte, soll der 18-jährige Afghane ein Messer dabei gehabt haben. "Er fuchtelte damit herum", sagte der Angeklagte. Zu dem Vorfall soll es gekommen sein, weil das 18-jährige Opfer die Familie des Beschuldigten beleidigt hätte.

Zwei Tage nach dem Vorfall soll das 18-jährige Opfer wegen der Schnittverletzung eine Ärztin aufgesucht haben. Dort hatte er angegeben, sich die Verletzung beim Essen zugefügt zu haben. Doch vor Gericht bestätigten beide Geschädigte den Tatverlauf, wie er in der Anklage beschrieben worden ist.

Richter Lutz Kermes verurteilte den 19-Jährigen wegen gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen zu einer Geldstrafe von 2200 Euro. "Für mich steht es zweifelsfrei fest, dass Sie mit ihrem Kumpel im angetrunkenen Zustand zwei weitere Personen mit der Hand geschlagen und auch ein Messer dabei hatten", sagte der Richter. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von sieben Monaten, ausgesetzt auf zwei Jahre Bewährung gefordert. Die Verteidigerin wollte ihren Mandanten nur wegen der Ohrfeigen zu einer Geldstrafe verurteilt sehen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Mittäter wird von der Staatsanwaltschaft gesondert verfolgt.

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