Glück und Unglück am Freitag, den 13.

Paraskavedekatriaphobiker haben Angst vor dem Schicksalsdatum. Aber gibt es tatsächlich Anlass zur Sorge? "Freie Presse" hat in Mittweida nachgeforscht und hat gute Nachrichten für Abergläubische.

Mittweida.

Die Angst vor Pech und Pannen am Freitag, den 13. ist so weit im Volksglauben verbreitet, dass es sogar ein Fremdwort gibt: Paraskavedekatriaphobie lautet das Wortungetüm, abgeleitet aus dem Griechischen: Paraskave steht für den Freitag, Dekatria für die Zahl 13 und Phobie für die Angst. Doch ist die Angst vor dem vermeintlichen Unglückstag berechtigt?

Ein Blick zurück auf den 13. September 2013, der auch auf einen Freitag fiel, gibt keinen Anlass zur Sorge. Zumindest laut Archiv der "Freien Presse" sind für den Tag keine Katastrophen in der Region Mittweida vermeldet worden. Während noch am Vortag zum Beispiel ein Mittweidaer mit dem Fahrrad im Chemnitztal gestürzt war und mit dem Hubschrauber in eine Klinik gebracht wurde, gab es am 13. September keine vergleichbaren Unfälle. Feuer und Katastrophen: Der Mittweidaer Gemeindewehrleiter René Schröter muss schon weit zurückblättern, um in der Einsatzstatistik Einträge zu einem Freitag, den 13. zu finden. Am 13. September 2013 gab es jedenfalls keinen Alarm. In den darauffolgenden sechs Jahren habe es insgesamt nur drei Einsätze an einem solchen Datum in den Jahren 2015, 2017 und 2018 gegeben. "Die waren aber unspektakulär und haben uns nicht besonders gefordert", so Schröter. Für Aufsehen gesorgt hatte lediglich der Brand an der Fassade der Schmidt-Grundschule am Freitag, den 13. Februar 2015. Unbekannte hatten die Isolierung angezündet, der Schaden war aber geringfügig. "Man muss sich also nicht vor so einem Tag fürchten", sagt der Wehrleiter. Für ihn und seine Kameraden sei das jedenfalls ein normaler Tag. Das gelte auch für den nächsten Freitag, den 13., in diesem Jahr im Dezember. Notfälle und Geburten: Dass es am heutigen Tag mehr Pechvögel gibt, die als Unfallopfer in die Notaufnahme des Mittweidaer Krankenhauses (LMK) kommen, ist zumindest aus Erfahrung der Mediziner nicht zu befürchten. In der Notfallambulanz werden laut Krankenhaussprecherin Ines Schreiber täglich im Schnitt 40 bis 60 Patienten behandelt. Die Zahl variiere, aber es habe bisher nicht auffällig mehr Patienten an einem Freitag, den 13. gegeben, so die Leiterin der Notfallambulanz Sylke Müller. Nicht vom Aberglaube leiten lassen sich die Ärzte bei der Planung von Operationsterminen. Laut Oberarzt Dr. Siegfried Schnee habe noch kein Patient mit Verweis auf den Unglückstag die OP verschieben oder absagen wollen. Während es also in den anderen Bereichen der Klinik auch freitags OP-Termine gibt, wird nur in Gynäkologie und Geburtshilfe generell nur in Notfällen freitags operiert. Der Betrieb in der Geburtsstation verläuft unbeeindruckt vom Datum. So sind am 13. September 2013 ein Junge und ein Mädchen auf normalem Weg zur Welt gekommen. "Wir können es uns gar nicht leisten, abergläubisch zu sein, Geburten richten sich nach der Natur", sagt die leitende Hebamme, Peggy Kruggel. Anlass zum Feiern: Fotograf Eckardt Mildner, an einem 13. September geboren, verbindet nichts mit der kalendarischen Besonderheit. "Ich gehe normal arbeiten. Gefeiert wird später", sagt der Fotograf, dessen Aufnahmen viele Leser der "Freien Presse" kennen. Er habe daher auch nicht gezählt, wie oft sein Geburtstag auf einen Freitag gefallen ist, geboren wurde er an einem Samstag. Hochzeit: Für die Mittweidaer Standesbeamtin Gabi Schramm gibt es keinen Grund, den Freitag, den 13., als Hochzeitstermin zu meiden. "Ich bin nicht abergläubisch", sagt sie. Und offensichtlich sehen das auch die beiden Paare so, die sich am heutigen Freitag in Mittweida das Ja-Wort geben wollen. Vor Jahren habe sie sogar schon einmal ein Hochzeitspaar getraut, das das Datum bewusst als Glückstag ausgewählt habe, so Gabi Schramm. Zahlenspiel: Beim Eurojackpot kann man freitags Glück oder Pech haben. So hat am 13. November 2015 ein deutsches Ehepaar 32,6Millionen Euro gewonnen. "Seit der Einführung von Eurojackpot im Jahr 2012 ist Freitag, der 13., für viele zu einem Glückstag geworden", sagt Kerstin Waschke, Pressesprecherin der Sächsischen Lotto-GmbH. Am heutigen Freitag liegen im Jackpot der europaweiten Lotterie rund 32 Millionen Euro. Die Statistik bei der Spielscheinabgabe zeige keine Besonderheiten am Freitag, den 13.. Unter den gezogenen Ziffern macht sich die 13 rar: Sie ist die am seltensten gezogene Kugel. Nummer für Torjäger: Profikicker wie Thomas Müller und Michael Ballack haben die Trikotnummer 13 populär gemacht. Paul Nitzsche, der für die A-Junioren des SV Germania Mittweida mit der angeblichen Unglücksziffer auf dem Rücken spielt, hat dafür sogar freiwillig seine frühere Trikotnummer 8 eingetauscht. "Aber die Zahl 13 hat für mich keine Bedeutung", sagt Nitzsche. Andreas Hönig, der in der ersten Mannschaft von Germania spielt, kam zufällig zum Trikot mit der 13: "Es war damals das größte, was es gab." Die verrückte 13: Die Angst vor der vermeintlichen Unglückszahl hat in manchen Hotels dazu geführt, keine Zimmer mit der Nummer 13 anzubieten. Bei der in Rochlitz ansässigen Freizeithotelkette Travdo besteht laut deren Chef Nando Sonnenschmidt diese Angst nicht. "Wir betrachten die 13 als Glückszahl." So gebe es in den Häusern der Kette Zimmer mit der Nummer 13. Travdo hat sogar eine Aktion kreiert unter dem Titel "Die verrückte 13". An jedem 13. eines Monats laden die Travdo-Gesellschafter Cecil und Nando Sonnenschmidt alle der 500 Mitarbeiter, die an dem Tag arbeiten, zum Mittagessen ein. (jl/fa/dahl)

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