Goldener Löwe: Festsaal im neuen Glanz

Für rund sechs Millionen hat die Stadt Hainichen den im Neorokokostil gebauten Saal sanieren lassen. Corona bremst nun aber die Nutzung aus.

Hainichen.

Der Glanz vergangener Tage in Kombination mit moderner Technik soll den städtischen Festsaal "Goldener Löwe" in Hainichen mit Leben erfüllen. Am Dienstagabend ist mit der 15. Sitzung des Stadtrats das Haus eröffnet worden. Mit einem Glas Sekt wurde angestoßen, dazu gab es Klaviermusik zweier jungen Pianisten aus Hainichen. Geplant war die Einweihung mindestens zwei Nummern größer. Doch die Termine mussten wegen Einschränkungen durch die Coronapandemie gestrichen werden.

Zunächst war die Eröffnung am 11. September geplant, dann sollte es der 13. November sein. Als Ehrengast war Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) vorgesehen. Der sollte auch die Ernennung von Hainichen zur Großen Kreisstadt vornehmen. Letzteres tritt zum 1. Januar 2021 in Kraft, die Gratulation übernahm Innenminister Roland Wöller (CDU) per Videobotschaft. Bürgermeister Dieter Greysinger (SPD) findet es besonders schade, dass die Einwohner noch keine Chance bekommen können, ihren Löwen" wiederzuentdecken. Am vergangenen Wochenende sollten eigentlich die Bürger erstmals in das sanierte Haus dürfen.

Zur Stadtratssitzung waren nun Besucher zugelassen, wegen der Abstandsregeln blieb die Zahl aber sehr begrenzt. "Alle Pläne für Kultur und andere Nutzungen liegen leider auf Eis", sagte Greysinger. Auch den Neujahrsempfang im Januar hat er wegen Corona bereits abgesagt.

Im Jahr 1897 hatte ein Hotelier den Saal nach nur einem halben Jahr Bauzeit im damals sehr angesagten Neorokokostil eröffnet. Die Deckenbemalung mit Jugendstilformen erfolgte aber erst 1905. Mit Theater und Bällen hielt sich das Haus bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Baumängel machten eine zeitweilige Sperrung notwendig, 1972 übernahm die staatliche Handelsorganisation (HO) das Objekt. Das Hotel im Haus am Markt wurde abgerissen und bis 1980 neu erbaut, die Denkmalpflege setzte sich für eine Restaurierung des Saals ein - mit Erfolg. Am 13. November 1987 wurde der Saal der "Löwen" wiedereröffnet und in den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung auch rege genutzt. Aus dem einstigen Hotel wurde ein Betreutes Wohnen, aus der Gaststätte eine Drogeriefiliale. 2011 wurde für gut eine Million Euro bereits die äußere Hülle des Festsaals gesichert.

Im Mai 2016 begann schließlich die grundhafte Sanierung des Festsaals, die geschätzt etwa 5,2 Millionen Euro gekostet hat. Davon sind fast 4,2 Millionen Euro Fördermittel. Für die hohen Kosten sorgte vor allem die Sicherung des Fundaments mit Pfählen. Der Festsaal bietet bei Reihenbestuhlung nun 300 Gästen Platz, mit Tischen sind es 200 Leute. Wer den Saal privat nutzen möchte, muss 1100 Euro Miete zahlen. Dazu kommen noch feste Kosten für Reinigung und die Techniker.

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