Großeinsatz nach Notruf aus Kinderheim

Nach einem Streit haben zwei Jugendliche das Pulver eines Feuerlöschers im Haus versprüht. Das hatte nicht nur für die Bewohner Folgen.

Burgstädt.

Als der Anruf für einen Gefahrguteinsatz an der Beethovenstraße kam, rückte die Burgstädter Feuerwehr mit 25 Mann und fünf Autos aus. "Wir waren für alles vorbereitet", sagt Chef Thomas Döring. Ein Gerätewagen ist für den speziellen Einsatz zur Bekämpfung von schädlichen Chemikalien ausgerüstet. Weißes Pulver soll am Sonntagabend im Kinder- und Jugendheim verstreut worden sein.

Auffällig sei ein stechender Geruch gewesen, hieß es. Als die Feuerwehr, der Rettungsdienst und die Polizei gegen 18.30 Uhr eintrafen, war die Ursache schnell gefunden. Zwei Jugendliche einer Wohngruppe sollen im Treppenhaus in Höhe des ersten Stocks das Pulver eines Feuerlöschers versprüht haben. Der weiße Staub hatte sich überall verteilt. Im Haus wohnen in zwei Gruppen Kinder und Jugendliche zwischen drei und 18 Jahren sowie eine Gruppe junger Mütter mit ihren Kindern. Zum Zeitpunkt des Einsatzes befanden sich etwa 20 Personen und drei Erzieher im Haus.

Einrichtungsleiterin Annett Schreckenbach-Launhardt, die am Wochenende keinen Dienst hatte, erläuterte gestern die Zusammenhänge: Nach einem Ausflug einer Gruppe von Kindern und Jugendlichen am Sonntagnachmittag sei es schon auf der Rückfahrt im Bus zu Auseinandersetzungen gekommen. Zurück im Kinder- und Jugendheim habe eine Erzieherin etwa eine Stunde später weißes Pulver und feinen Staub im Treppenhaus bemerkt, der Augen und Atemwege reizte. Sie rief den Notruf der Polizei an.

Ein 16-jähriges Mädchen war dabei ohnmächtig geworden und deshalb zur Beobachtung in ein Krankenhaus gebracht worden. Obwohl es ihr inzwischen wieder besser geht, sei sie für einen allgemeinen Gesundheits-Check noch im Krankenhaus geblieben.

Der Einsatz hat Konsequenzen. Annett Schreckenbach-Launhardt will sich heute mit der Feuerwehr verständigen - zu den Kosten des Einsatzes ebenso wie zu pädagogischen Konsequenzen für die beiden Jungen. "Es wäre gut, wenn die Kinder nicht nur von uns, sondern auch von den Experten der Feuerwehr hören, welche Folgen es haben kann, wenn man mit Feuerlöschern randaliert", so Schreckenbach-Launhardt. Der Vorfall werde auch in den Gruppen ausgewertet. "Wir wissen, dass hinter der Aggression und Wut unserer Kinder oft Frust und Verzweiflung stecken", sagt die Einrichtungsleiterin. Vor allem damit müssten sich die Erzieher auseinandersetzen - mit Klarheit und Konsequenz, aber auch mit Geduld und Zuwendung, fügt sie hinzu. An der Anbringung der Feuerlöscher im Haus soll sich nichts ändern - sie müssen auch weiter frei zugänglich bleiben.

Gestern waren bereits neue vom Hausmeister installiert worden. Zudem war der Treppenaufgang gereinigt worden. Feuerwehrchef Döring sagte, dass ein solches weißes Pulver ein schädliches Gift sein könnte. Beim Milzbranderreger Anthrax und anderen gefährliche Substanzen hätte das Gebäude evakuiert werden müssen. Nachdem vor einigen Jahren in den USA mehrere Fälle von Milzbrand aufgetreten sind, die durch in Briefen verschicktes weißes Pulver ausgelöst wurden, herrscht weltweit Angst vor der tödlichen Krankheit. In den letzten Tagen gingen Briefe mit weißer Substanz bei Gerichten ein. Bisher konnten die Behörden immer Entwarnung geben. Die Substanzen waren harmlos.

Anwohner rätselten gestern noch, warum ein Großeinsatz im Kinderheim stattfand. "Da ist immer mal was los", sagte ein Mieter. Dort sei es öfters laut. Manchmal fliege auch etwas aus dem Fenster. Für die Bewohner war wieder Alltag eingekehrt. Zu den Gründen des Streites wollte sich keiner äußern.

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