Händler-Fazit mit Licht und Schatten

Die Landesgartenschau hat Frankenbergs Innenstadt belebt. Doch umsonst war dieser Effekt nicht zu haben. Das und mehr kam beim IHK-Netzwerktreffen heraus.

Frankenberg.

Stellvertretend für Frankenbergs Händler brachte es Uwe Balzuhn auf den Punkt: "Die Landesgartenschau hat sehr viel Licht in die Stadt gebracht", sagte der Inhaber eines Eisenwarengeschäftes. Die Schau habe ein halbes Jahr lang selbst ausgestrahlt und strahle noch weiter. "Im Unterschied zu anderen Kommunen ist es hier gelungen, die Gartenschau mit der Stadt zu verbinden", so der Geschäftsmann. Allerdings habe es auch Schatten gegeben: 2018 sei die Stadt nahezu ein halbes Jahr lang wegen Bauarbeiten abgeriegelt gewesen. Das sei für einige Händler sehr kompliziert gewesen. "Aber das Positive überwiegt", so Balzuhn.

Anlass für das Fazit war das jüngste Netzwerktreffen des Arbeitskreises Einzelhandel Mittelsachsen, zu dem die Industrie- und Handelskammer (IHK) diesmal nach Frankenberg eingeladen hatte. "Wir verstehen uns als Vermittler", sagte Cindy Krause, Referentin Handel und Dienstleistung bei der Regionalkammer Mittelsachsen der IHK Chemnitz. Bei der Veranstaltung kommen Händler aus dem Landkreis zusammen und tauschen sich aus, unter anderem zu aktuellen Problemen wie dem Umgang mit Plastetüten und neuen Steuerregeln.

Der Arbeitskreises hat 15 feste Mitglieder aus ganz Mittelsachsen. Kommunikation, auch mit Verwaltungen, werde dabei großgeschrieben. "Bisweilen finden sich Bürgermeister und Händler auf verschiedenen Seiten wieder", so Cindy Krause. "Beim Debattieren stellen sie dann fest, dass sie dasselbe wollen."

Frankenbergs Rathauschef Thomas Firmenich (CDU) stellte als Gast seine Stadt vor und fasste zusammen, was die Landesgartenschau gebracht hat: Allein in die Straßen, Brücken (ohne die "Schlange") und Plätze der Innenstadt seien 6,8 Millionen Euro investiert worden. Dank Förderung entschlossen sich Hauseigentümer, im Zuge von 18 Baumaßnahmen Fassaden zu erneuern. Der Tourismus wird angekurbelt. Dank des neuartigen, im April 2020 öffnenden Erlebnismuseums Zeit-Werk-Statt wird Stadt- und Industriegeschichte auf eine neue Weise zu erleben sein. Das Haus soll Gäste anlocken. "Es genügt eben nicht, dass Innenstädte wunderbar saniert sind", sagte Cindy Krause. "Sie müssen auch lebendig sein."

In Zahlen sieht der Einzelhandel in Frankenberg wie folgt aus: Pro Kopf der circa 14.000 Einwohner zählt die Kammer 1,32 Quadratmeter Verkaufsfläche. Zum Vergleich: In Mittweida sind es 2.04. Zwar liegt die Kaufkraft mit 6240 Euro pro Kopf in Frankenberg höher als in Mittweida (5861 Euro). Aber während diese in Mittweida bleibt, verliert Frankenberg seine Kaufkraft nach außen. Dies sagt die Zentralität aus, also das Verhältnis des Einzelhandels-Umsatzes zur Kaufkraft vor Ort. Diese Kennziffer liegt in Mittweida bei 102,1, beim Nachbarn bei 88,1. Frankenberg dürfte da Opfer seiner guten Verkehrsanbindung sein: Kunden sind flugs in Chemnitz oder Dresden.

Dennoch sieht die IHK im neuen Frankenberg gute Chancen für Händler, auch im Online-Zeitalter Nischen zu besetzen. Ein von Florian Aurich von der Stadtverwaltung geführter Rundgang durch die Stadt spiegelte dann auch wieder Licht und Schatten im innerstädtischen Handel: So freuen sich die Frankenberger zwar über die positive Wirkung des relativ neuen Drogeriemarktes in der Schlossstraße. Zugleich sind die Rathauspassage mit ihrem über 50-prozentigen Leerstand und der verfallende, ehemalige Konsum an der Ecke Humboldtstraße / Schlossstraße Sorgenkinder.

Trotzdem entwickele sich die Stadt unterm Strich gut. Das sagte Eric Felber. Er muss es wissen: Der Inhaber einer Flöhaer Firma für Orthopädietechnik, Rehatechnik und Sanitätsfachhandel ließ sich vor drei Jahren bewusst in Frankenberg nieder und freut sich über den Zusammenhalt der hiesigen Händler.

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