Händler fordern Parken auf dem Markt

Wenn kein Wochenmarkt ist, könnten auf Mittweidas zentralem Platz Autos stehen, meinen Geschäftsinhaber. Widerspruch kommt aus dem Stadtrat.

Mittweida.

Die Parkplatz-Situation in der Innenstadt sorgt bei Mittweidaer Händlern nach wie vor für Diskussionen. Beim Einzelhandelsarbeitskreis der IHK im Rathaus brachten sie am Dienstag eine alte Idee zurück auf den Tisch. An Tagen ohne Wochenmarkt - also montags, mittwochs und freitags - könnte der Marktplatz zum Parken freigegeben werden, regte Hans-Jürgen Sachse, Inhaber des Tempo-Marktes, an. Weitere Händler schlossen sich an. Neu ist die Idee nicht: Dasselbe hatte vor zwei Jahren der damalige FDP-Stadtrat Kurt Härtel gefordert. Die beiden größten Ratsfraktionen - CDU und Linke - erteilten dem Vorstoß damals eine Abfuhr.

"Die Leute wollen zum Einkaufen nicht mehr groß laufen", bekräftigte Sachse seinen Vorschlag am Mittwoch auf Anfrage. Es müsse allerdings nicht der gesamte Markt für Autos freigegeben werden: "Es würde schon helfen, wenn man nur ein Stück der Fläche ausweist, um Platz für etwa 20 Pkw zu schaffen." Auch Steffie Huster, die die Wein- und Tabakhandlung "Goldtröpfchen" an der Rochlitzer Straße betreibt, befürwortet den Vorschlag. "Parkplätze außerhalb der Innenstadt nutzen die Kunden nicht", erläuterte sie. "Ich persönlich hätte auch keine Lust, meine Einkäufe zum Schützenplatz hoch zu schleppen."

Auch Ralf Kürth, Inhaber des gleichnamigen Juweliergeschäfts am Markt, begrüßt den Vorschlag: "Unsere Kunden würden am liebsten ins Geschäft hineinfahren." Die von der Stadt bereitgestellten Kurzzeitparkplätze seien nach seiner Beobachtung fast immer besetzt.

Eine andere Meinung vertritt Camillo Scholz, Inhaber von Leder-Liebers an der Weberstraße. Seiner Meinung nach gibt es in Mittweida ausreichend Parkplätze in Innenstadtnähe. "Am alten Busbahnhof findet jeder Kunde einen Platz, von dort sind es zum Markt nur fünf Minuten zu Fuß." Die Stadt schaffe weitere Parkplätze, etwa in der Nähe des Krankenhauses. "Man braucht nicht vor jedem Geschäft Parkplätze, das Spazieren durch die Stadt gehört zum Shoppen dazu - bummeln statt sprinten." Um die Innenstadt zu beleben, gibt es in seinen Augen auch andere Möglichkeiten. So sei etwa die Eisdiele am Markt im Sommer ein Besuchermagnet. "Viele Eltern lassen ihre Kinder auf dem Markt spielen, während sie ihr Eis essen. Wenn dort geparkt werden dürfte, müsste man plötzlich aufpassen, dass ihnen nichts passiert."

Oberbürgermeister Ralf Schreiber ließ sich am Dienstag nicht auf eine Diskussion mit den Händlern ein. Er verwies auf die Brötchentaste, die es Autofahrern erlaubt, ihren Wagen für einige Minuten kostenfrei in der Innenstadt abzustellen. Der Stadt sei daran gelegen, die Aufenthaltsqualität im Zentrum zu erhöhen, hatte er den Händlern zuvor erläutert. Dies mit dem Wunsch nach mehr Parkplätzen im Zentrum zu vereinbaren, sei bisweilen eine Herausforderung. Die Idee der Händler wollte der OB auf Anfrage nicht weiter kommentieren. Anders Jürgen Kitzing, Chef der CDU-Stadtratsfraktion, der den Vorstoß bereits vor zwei Jahren ablehnte. "Dazu stehe ich nach wie vor", sagte er auf Anfrage. Seine Sorge: Wenn das Parken montags, mittwochs und freitags gestattet wäre, könnten einige Autofahrer bis zum nächsten Tag stehen bleiben. "Dann müsste die Stadt die Autos abschleppen lassen, das würde den Wochenmarkt behindern, der ein Aushängeschild unserer Stadt ist." Auch Linke-Fraktionschef Torsten Bachmann bekräftigte seine frühere Kritik: "Das würde zu chaotischen Verkehrsverhältnissen auf der oberen Markthälfte führen - Autofahrer, Fußgänger und Fahrradfahrer würden sich in die Quere kommen." Auch dem Erscheinungsbild der Innenstadt wäre ein zugeparkter Marktplatz abträglich, sagte er. Bei einem Treffen von Stadtrat und Gewerbering soll das Thema Parken in der Innenstadt am Donnerstag weiter diskutiert werden.

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