Haftbefehl mit Fluchtgefahr begründet

Im Fall einer sexuellen Nötigung in Hainichen hat die Staatsanwaltschaft den Tatvorwurf gegen einen 30-Jährigen neu bewertet. Auch der Bürgermeister hat sich eingeschaltet.

Hainichen.

Ein Tatverdacht gegen einen aus Marokko stammenden 30-Jährigen, der am Samstagabend eine 19-Jährige im Hainichener Stadtzentrum unsittlich berührt haben soll, lag von Anfang an vor. Dennoch musste die Polizei den Verdächtigen noch am Wochenende auf Weisung der Staatsanwaltschaft frei lassen. Das dies nun am Dienstag revidiert wurde und der Mann in Untersuchungshaft genommen worden ist, hat die Staatsanwaltschaft auf Nachfrage der "Freien Presse" am Mittwoch konkreter begründet. Wie Staatsanwältin Jana Brockmeier erklärte, sei der Verdacht im Zuge weiterer Ermittlungen anders rechtlich gewürdigt worden. "Dem Haftbefehl liegen die Tatvorwürfe der sexuellen Nötigung mit Gewaltanwendung und Drohung sowie Körperverletzung zugrunde. Es besteht der Haftgrund der Fluchtgefahr", so die Staatsanwältin.

So habe sich der dringende Tatverdacht gegen den Mann, der bereits kurz nach der Tat festgenommen worden war, erhärtet. Nach ersten Erkenntnissen in dem Fall hätte die Tat hingegen eine geringere Strafandrohung nach sich gezogen. In den Tagen darauf sei ein "dringender Tatverdacht wegen eines schwerwiegenderen Tatvorwurfes" bejaht worden.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft hatte so am Dienstag ein Ermittlungsrichter den Haftbefehl erlassen. Der Mann wurde erneut in Hainichen festgenommen und in eine Justizvollzugsanstalt gebracht.

Dass der Tatverdächtige nach seiner Festnahme am Samstagabend wieder aus der Polizeidienststelle entlassen worden war, traf auch bei Hainichens Bürgermeister Dieter Greysinger (SPD) auf Widerspruch: "Es ist mir mehr als unverständlich, wie der Richter Samstagnacht entschieden hat, den Täter wieder auf freien Fuß zu setzen. Das ist auch ein Schlag ins Gesicht der Polizei, welche mit viel Mühe den Mann aufgespürt hat." Er habe in der Sache auch Kontakt mit dem Leiter des Mittweidaer Polizeireviers und der betroffenen 19-Jährigen gehabt.

Wie der Bürgermeister erklärte, stehe er nicht erst seit diesem Fall auf dem Standpunkt: "Wer unser Gastrecht missbraucht, muss schnellstens unser Land verlassen", unabhängig davon, ob der Betreffende aus Nordafrika oder aus Syrien komme. Zugleich wies Greysinger die teils im sozialen Netzwerk Facebook geäußerten pauschalen Vorwürfe und Vorbehalte von Internet-Nutzern gegenüber den Bewohnern der Hainichener Flüchtlingsunterkunft zurück. "98 Prozent der dort lebenden Bewohner verhalten sich anständig und 'kriminelle Elemente' gibt es auch unter den Deutschen", sagte Greysinger. Er besuche die Flüchtlingsunterkunft regelmäßig.

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