Haltepunkt mit Licht und Schatten

An der neu ausgebauten Frankenberger Haltestelle Am Rittergut scheiden sich die Geister. Bemängelt wird, dass der Stopp nicht behindertengerecht ist.

Frankenberg.

Jörg Hommel ist sauer. "Da wird eine Haltestelle neu ausgebaut, aber nicht behindertengerecht", merkt der Linken-Stadtrat und Chef der Gemeinschaftsfraktion mit der SPD an. Dabei stehe im Personenbeförderungsgesetz: "Der Nahverkehrsplan hat die Belange der in ihrer Mobilität oder sensorisch eingeschränkten Menschen mit dem Ziel zu berücksichtigen, für die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs bis zum 1. Januar 2022 eine vollständige Barrierefreiheit zu erreichen." Hommel fragt sich nun, warum man das nicht gleich so gemacht habe.

Auf Anfrage erklärte dazu Stadtsprecherin Anja Sparmann: "Aufgrund der geringen Auslastung der Haltestelle und Belastung der Straße ist grundsätzlich ein Halten des Busses auf der Fahrbahn vorgesehen. Durch den Bau des Gehweges mit Verlagerung der Haltestelle wurde eine wesentliche Verbesserung der Sicherheit erreicht. Vorher mussten die Fahrgäste auf der Straße oder der benachbarten Wiese warten." Vor dem Bau habe man sich mit Regiobus verständigt. "Da hier Niederflurbusse zum Einsatz kommen, ist die gewählte Ausführung ausreichend."

Formsteine, wie sie zum Beispiel an der stark frequentierten Haltestelle in der Humboldtstraße verwendet wurden, kommen an der wenig ausgelasteten Haltestelle an der Hainichener Straße auch aufgrund der geringen Flächenverfügbarkeit nicht zum Einsatz.

Die bauliche Ausgestaltung der Haltestelle sei Sache des Baulastträgers, also der Stadt. Das erklärte Henning Schmidt, Fachbereichsleiter Verkehr bei der Regiobus Mittelsachsen GmbH. Natürlich sei ein Regelausbau gut. Insbesondere, wenn die Bordanschlaghöhe 16 Zentimeter betrage und reifenschonende Formsteine verwendet würden. Dann könnten die Busse "mit geringstmöglichem Spaltmaß" an die Haltestelle heranfahren, ohne Gefahr, dass die Reifen beschädigt werden. In jedem Fall sei es aber besser, überhaupt eine Zugangsstelle zum ÖPNV zu haben als keine, so Schmidt weiter.

11 Kommentare

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    treichelt
    14.08.2020

    Man sollte aber bedenken , das diese Haltestelle vorwiegend von älteren Menschen genutzt werden, die im Pflegeheim Am Rittergut wohnen.
    Frankenberg scheint sowieso nicht sehr Schwerbehindertenfreundlich zu sein.
    Ich selbst hatte vor Monaten per Email an die Stadt angeregt, den Parkplatz auf dem Friedhof mit einer Rollstuhlrampe zu versehen, denn ich muss meine Mutter im Rollstuhl über die Kante und Wiese zum schlechten Weg zerren, auch als sie sich mit dem Rollator fortbewegen konnte, war das sehr gefährlich.
    Leider habe ich nie eine Antwort erhalten, der schlechte Zustand des Parkplatzes hat sich auch nicht verbessert.
    Da wird lieber Geld für eine Wasserrinne auf dem Kirchplatz vor der Sparkasse ausgegeben, in dem ich außer bei Regen noch nie Wasser gesehen habe, aber für Senioren eine erhebliche Unfallquelle darstellt.
    Thomas Reichelt