Hausaufgabenzeit ärgert Eltern

Erst am späteren Nachmittag müssen die Hortkinder in Seifersdorf ihre Schularbeiten erledigen. Viele sind da aber schon zu Hause.

Seifersbach.

Eine Veränderung im Tagesablauf der Hortkinder in Seifersbach sorgt vor allem unter Erwachsenen in der Gemeinde Rossau derzeit für Debatten. Die Hausaufgabenzeit ist seit Beginn des neuen Schuljahres auf den späteren Nachmittag verschoben worden, stehe nun erst von 15 bis 16 Uhr im Plan, berichtete ein Vater. Dann sind meist nur noch wenige Kinder im Hort.

Bürgermeister Dietmar Gottwald (parteilos) hatte allerdings zur jüngsten Ratssitzung erklärt, dass Hortkinder, die ihre Schularbeiten früher erledigen wollen, das auch schon nach dem Mittagessen dürften. Die Mehrheit der betroffenen Eltern halte die neue Regelung dennoch für unglücklich, sagte Gemeinderat Sören Ehm (parteilos). Gemeinderat René Fuhrmann (parteilos) bestätigte das. "90 Prozent der Eltern sind damit nicht einverstanden", berichtete er. Einige würden vermutlich überlegen, ob sie die 80 Euro für die Hortbetreuung überhaupt noch bezahlen wollen. Die Begründung, dass die Kinder nach dem Unterricht erst spielen sollen, befriedige viele nicht. Ihm sei aufgefallen, dass zudem nur ein kleiner Teil der Kinder bis 16 Uhr oder länger im Hort bleibt. So habe er kürzlich an einem Tag gegen 16 Uhr nur neun Kinder gezählt, alle anderen hatten um diese Zeit den Hort bereits verlassen, so Fuhrmann.

Aktuell werden nach Angaben von Hortleiter Michael Schott in der kommunalen Einrichtung 84 Erst- bis Viertklässler betreut. "Die Veränderung gehört für uns zu einem Entwicklungsprozess. Ob wir die Hausaufgabenzeit wieder verlegen, ist noch offen", sagte er. Die hitzige Debatte habe er nicht erwartet. Die Hort-Mitarbeiter hätten eine Lösung im Interesse der Kinder gesucht. "Die Mädchen und Jungen dürfen nach den Unterrichtsstunden erst einmal spielen und sich bewegen. Wer möchte, kann die Aufgaben allerdings auch gleich nach der Mittagspause erledigen - die Grundschüler bekommen also in Sachen Hausaufgaben einen größeren Entscheidungsspielraum", erklärte Schott.

"20 Jahre hat alles gut funktioniert. Jetzt befürchten die Lehrer, dass nur noch die Hälfte der Kinder regelmäßig Hausaufgaben macht", sagte Fuhrmann. Ehm sieht die Eltern stärker in der Verantwortung als zuvor. Das könnte nach Ansicht mehrerer Gemeinderäte zu Konflikten führen. Stellten Eltern beispielsweise erst nach dem Abendbrot fest, dass der Nachwuchs die Hausaufgaben noch nicht erledigt hat, sei das Kind inzwischen zu müde. "Der Hort soll die Eltern auch entlasten", gab Gottwald überdies zu bedenken. Finanziell könnte es nach Ansicht von Gemeinderäten für die Kommune ein Desaster werden, wenn es zu den befürchteten Abmeldungen kommt. Auch die übrigen Eltern müssten dann mit steigenden Beiträgen rechnen.

Schott beruhigt indes. "Die Umstellung bewegt die Eltern. Wir werden die Rückmeldungen ernst nehmen", sagte er. Er könne durchaus verstehen, dass sich Eltern sorgten, wie sie unter veränderten Bedingungen die Organisation des Alltags hinbekommen. Der Hort muss seiner Ansicht nach "die Dinge so auf den Punkt bringen, dass es künftig für Eltern und Kinder gut ist".

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