Havana Club und Fotokunst: Kubanisches Flair auf dem Deckerberg

In einer Ausstellung in Mittweida zeigt Franko Finster ein Land zwischen wirtschaftlichen Problemen und Lebensfreude.

Mittweida.

Ein lange gehegter Reisewunsch ging im Februar 2017 für Franko Finster und seine Frau in Erfüllung. Das Paar aus Gersdorf (Kreis Zwickau) unternahm eine zweiwöchige Reise nach Kuba. Für eine Ausstellung seien die damals entstandenen Reisefotos eigentlich nicht gedacht gewesen, erzählt der 57-Jährige, der in der Schulverwaltung tätig ist. Doch sein ehemaliger Kollege Johannes Schubert, Mitglied im Mittweidaer Deckerbergverein, habe die Bilder gesehen und vorgeschlagen, sie in den Vereinsräumen, dem Salon Original an der Schulstra´ße, zu zeigen. Dort hatte Franko Finster vor einem Jahr schon einmal Collagen aus Schrottteilen und Acrylfarben gezeigt. Die Ausstellung "Visit Cuba" ist nun seine erste Einzelausstellung mit Fotografien.

Fotografiert hat Finster zum Beispiel das Kapitol in der kubanischen Hauptstadt Havanna. Einst Regierungssitz, heute Tagungsort der Nationalversammlung der Volksmacht, wurde es 2018 nach achtjähriger Renovierung wieder für Besucher geöffnet. "Die Kubaner sind sehr stolz darauf, dass ihr Kapitol gut einen Meter höher ist als das in Washington", erzählt er.

Doch auch die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse in Kuba werden in seinen Bildern sichtbar. Eines zeigt etwa die fast leere Autobahn, auf der nur ein einziges Auto, ein US-amerikanischer Oldtimer, unterwegs ist. Abgesehen von diesen "Schlitten" gebe es in dem Land kaum Privatautos.

Die von den Kubanern liebevoll restaurierten Fahrzeuge sind ein wiederkehrendes Motiv in der Mittweidaer Ausstellung. Daneben ist es vor allem die Lebensfreude der Kubaner, die der Fotograf mit Porträts und Straßenszenen eingefangen hat: Männer, die auf dem Prado - Havannas Prachtstraße - Schach spielen; Paare, die dort spontan Salsa tanzen.

Er habe schon in der Kindheit mit dem Fotografieren begonnen, erzählt Finster. "Zu DDR-Zeiten haben wir die Bilder auch selber entwickelt." Seit einigen Jahren sei er Mitglied im Fotoclub im erzgebirgischen Oelsnitz. Im Gegensatz zu anderen Fotografen hat er keine Berührungsängste vor digitaler Bildbearbeitung: Indem er bei Schwarz-Weiß-Fotografien einzelne Details farblich hervorhebt oder Farbfotos künstlich Bewegungsunschärfe hinzufügt, verleiht er einigen seiner Arbeiten das gewisse Etwas.

Um das kubanische Flair nach Mittweida zu bringen, hat Franko Finster nicht nur seine Fotos mit in die Hochschulstadt gebracht, sondern auch zwei Flaschen Rum direkt aus Kuba - für originalgetreuen Cuba Libre zur Eröffnung.

Die Ausstellung "Visit Cuba" wird am Freitag, 9. Oktober, ab 19 Uhr eröffnet. Bis Jahresende ist sie mittwochs, 16 bis 18 Uhr, im Salon Original, Schulstraße 11, zu sehen.

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