Hier kracht es wenigstens einmal täglich

Mindestens ein Unfall pro Tag ereignete sich 2018 auf der Autobahn zwischen Berbersdorf und Chemnitz-Ost. Und zwar einer in jede Fahrtrichtung. Das setzte sich 2019 fort. Erst vor einer Woche kippte ein Laster um. Gefühlt ist das Stück A 4 ein Unfallschwerpunkt, laut Polizei aber nicht.

Hainichen.

Es war der jüngste Unfall auf der A 4 in einer nicht abreißenden Kette: Am 19. September war ein mit Paketen beladener Laster in Richtung Dresden unterwegs, als er kurz nach 7 Uhr bei Hainichen umkippte. Laut Polizei war der Fahrer nach rechts von der Autobahn abgekommen, der Lastwagen links und rechts mit den Schutzplanken kollidiert und umgestürzt. Er blieb auf der mittleren und rechten Fahrspur liegen. Der Fahrer befreite sich selbst, musste aber wegen seiner Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden. Für eine ganze Weile blieben alle drei Fahrspuren gesperrt. Der Stau war bis zu 14 Kilometer lang. Erst gegen 12.30 Uhr war der Laster geborgen. Geschätzter Schaden: mehrere zehntausend Euro.

Die besagte Strecke taucht permanent in den Verkehrsmeldungen auf. "Seit Jahresbeginn 2019 wurden auf dem Abschnitt der Bundesautobahn 4 zwischen den Anschlussstellen Chemnitz-Ost und Berbersdorf in Fahrtrichtung von Dresden nach Aachen 342 Verkehrsunfälle statistisch erfasst", teilte Marcus Gerschler, Sachbearbeiter für Öffentlichkeitsarbeit bei der Polizeidirektion Chemnitz auf "Freie Presse"-Anfrage mit. Bei 54 Unfällen wurde mindestens ein Verkehrsteilnehmer verletzt. In der Gegenfahrtrichtung nach Dresden registrierten die Statistiker 2019 bislang 399 Unfälle. Bei 55 davon wurden Personen in Mitleidenschaft gezogen.

Im gesamten Jahr 2018 ereigneten sich in Richtung Chemnitz auf dem besagten Abschnitt 389 Verkehrsunfälle, dabei 54 mit Personenschaden. In Richtung Dresden waren es im gesamten Vorjahr sogar 467 Unfälle. Davon 63 mit Personenschaden.

Auch wenn es sich aufgrund der Verkehrsmeldungen anders anfühlt: Der Abschnitt ist nach dem Buchstaben des Gesetzes kein Unfallschwerpunkt. An sogenannten Unfallhäufungsstellen werde ein definierter Grenzwert erreicht oder überschritten. Auf Basis vorgeschriebener Berechnungen wurden laut Polizeiangaben in dem Bereich keine solchen Stellen erkannt. Aktuell wird dafür der Zeitraum vom 1. Januar 2016 bis zum 31. Dezember 2018 betrachtet. Erkennung und Festlegung von Unfallhäufungen ist dabei Sache der zuständigen Unfallkommission.

In diesem Gremium des Landkreises Mittelsachsen beraten Mitarbeiter der Straßenverkehrsbehörde, des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) und der Polizeidirektion Chemnitz. Erst vor ein paar Wochen tagte die Unfallkommission des Landkreises. Verkehrsrechtliche Maßnahmen wie etwa die Anordnung von Gefahrzeichen, die Einführung von Tempolimits oder Änderungen von Markierung wurden zum Beispiel für Erdmannsdorf, für den Erlauer Ortsteil Beerwalde und für Kummersheim beschlossen. "Auf der A 4 zwischen Hainichen und Chemnitz planen wir aktuell keine verkehrsregelnden Maßnahmen zur Unfallvermeidung, da es hier auf diesem Abschnitt keine Unfallhäufungsstellen gibt", erklärt Lasuv-Pressesprecherin Isabel Pfeiffer. Einfluss auf die subjektive Wahrnehmung des Unfallgeschehens könne haben, dass zur Feststellung solcher Stellen keine Blechschäden herangezogen werden. Es gehe ausschließlich um Unfälle mit Personenschaden.

"Häufigste Unfallursachen sind nichtangepasste Geschwindigkeit, ein ungenügender Sicherheitsabstand sowie Fehler beim Überholen", zählt Marcus Gerschler für den Bereich auf. Im Falle des umgekippten Paket-Lasters ist nach derzeitigem Ermittlungsstand von menschlichem Versagen auszugehen. "Der Fahrer ist wohl kurz vor dem Unfall unaufmerksam gewesen", sagte Andrzej Rydzik, stellvertretender Pressesprecher der Polizeidirektion Chemnitz. Danach habe er die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren.

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