Hilfe für Obdachlose auch in der Krise

Mindestens 26 Menschen in Mittelsachsen haben keine eigene Wohnung. Sie sind in Unterkünften in Frankenberg, Mittweida und Freiberg untergebracht. Dort geht der Alltag weiter - wenn auch mit Einschränkungen.

Mittweida/Frankenberg.

Die Corona-Krise und die Maßnahmen gegen deren Ausweitung treffen auch die Obdachlosen in Mittelsachsen. Denn Hygieneregeln und Kontaktverbote gelten auch in den Obdachlosenheimen der Region. Zwar hätten die Bewohner der Obdachlosenunterkunft in Mittweida auch ohne die nun geltenden Ausgangsbeschränkungen bereits erheblich eingeschränkte soziale Kontakte, sagt Sebastian Killisch, Leiter des Fachbereichs Bau und Ordnung im Mittweidaer Rathaus. Doch selbst diese wurden nun weiter eingeschränkt. "Alle Bewohner sind belehrt, haben geltende Ausgangsbeschränkungen akzeptiert und gehen nur zum Einkaufen, Arzt und so weiter aus dem Heim", sagt Killisch.

In der Unterkunft leben aktuell zehn Menschen, die von zwei Mitarbeitern des Vereins zur Förderung der beruflichen Bildung Mittweida (VFB) betreut werden. "Für die Betreuer gibt es jetzt zwei separate Büros, zudem existiert ein Isolations- und Aufnahmezimmer", so Killisch. Betreten Mitarbeiter die Räume, müssen die Bewohner diese vorher verlassen. Im Heim gebe es einen Hygiene- und Infektionsschutzplan, Desinfektionsmittel und zusätzliche Seife seien bereitgestellt worden. Hygiene- und Vorsorgehinweise seien schriftlich und visualisiert im Haus ausgehängt worden.

Die Obdachlosenunterkunft in Frankenberg ist laut Stadtsprecherin Anja Sparmann auf eine mögliche Corona-Infektion im Kreise der Bewohner oder Helfer vorbereitet. Auch hier sei eine Belehrung über Hygienevorschriften, Abstandsregeln und Besuchsverbote erfolgt. Das Kontaktverbot werde vor Ort umgesetzt, indem nicht mehr als zwei Personen auf einem Zimmer untergebracht werden. Das Büro des Obdachlosenheims dürfe nur noch einzeln und nach Aufforderung betreten werden. Laut Sparmann leben aktuell 14 Personen in der Unterkunft. Neben dem Heimleiter gibt es vier Helfer. Deren Verfügbarkeit habe sich auch mit den Ausgangsbeschränkungen nicht geändert.

In der Notunterkunft der Stadt Freiberg sind derzeit keine Obdachlosen untergebracht, informiert Katrin Pilz, Leiterin des Sachgebiets Soziales und Chancengleichheit der Stadtverwaltung. Die Verwaltung hoffe, dass aufgrund der Krise keine weiteren Personen obdachlos werden. Die Chancen dafür stehen laut Pilz gut, "da die Bundesregierung bereits Maßnahmen getroffen hat, um coronabedingte Mietausfälle zu verhindern und die Gerichtsvollzieher derzeit Räumungen ausgesetzt haben". Sollten sich dennoch wohnungslose Personen bei der Stadtverwaltung melden, würden ihnen zunächst Einzelräume zugewiesen. "Es stehen ausreichend Räumlichkeiten zur Verfügung", so Pilz.

Neben der Notunterkunft gibt es in Freiberg noch eine Sondernotunterkunft. Dort halten sich den Angaben nach momentan zwei Personen auf, die sich nicht ordnungsrechtlich einweisen lassen wollen beziehungsweise mehrfach gegen die Hausordnung der städtischen Notunterkunft verstoßen haben.

"Normalerweise erfolgt eine Aufnahme in der Sondernotunterkunft in den Wintermonaten nur nachts", erklärt Pilz. "Aufgrund der Ausgangsbeschränkung haben die wohnungslosen Personen zurzeit aber die Möglichkeit, sich auch tagsüber in den zugewiesenen Räumen aufzuhalten." Die beiden Betroffenen seien über die Ausgangsbeschränkungen belehrt worden.

Veränderungen gibt es auch bei der Wohnungsnotfallhilfe des Diakonischen Werks Freiberg. "Unsere Sozialarbeiter und Sozialpädagogen stehen für Beratungen nur noch telefonisch oder per E-Mail zur Verfügung", berichtet die Vorstandsvorsitzende Irene Tempel. Ebenso können Briefe abgegeben werden. Für Notfallberatungen sei das Haus der Diakonie an der Petersstraße 46 geöffnet. "Für unsere Fachkräfte gelten die derzeit üblichen Hygienevorschriften, die bei den unbedingt erforderlichen Klientenkontakten eingehalten werden müssen", so Tempel weiter. Die beiden ehrenamtlichen Helfer der Wohnungsnotfallhilfe seien zur Zeit freigestellt, Gruppenangebote bis auf weiteres ausgesetzt.

Auch in Hainichen gibt es laut Bürgermeister Dieter Greysinger (SPD) eine Obdachlosenunterkunft. "Dort wohnt aber schon seit mehreren Monaten niemand mehr", sagt er. Alle Obdachlosen seien in Wohnungen vermittelt worden oder verstorben.

Wie viele Menschen im Landkreis Mittelsachsen derzeit tatsächlich ohne Obdach sind, ist unklar. Das Landratsamt kennt weder genaue Zahlen, noch alle Einrichtungen im Kreis, die sich um Wohnungslose kümmern. "Die Städte und Gemeinden sind als Ortspolizeibehörden für die Unterbringung von Obdach- oder Wohnungslosen zuständig", erklärt Cornelia Kluge, Pressereferentin im Landratsamt.

 


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