Historiker mit Herz für lebendige Geschichte

Heiko Weber aus Mittweida hat den Denkmalpreis als ehrenamtlicher Denkmalpfleger erhalten. Auch sein jüngstes Projekt hat den Bezug zur Gegenwart.

Heiko Weber wies gestern bei Führungen im Finanzamt an der Heinrich-Heine-Straße auch auf Details wie die historische Drehtür hin.

Für Sie berichtet: Jan Leißner

Ein Tag des offenen Denkmals in Mittweida ist ohne Beitrag des Historikers Heiko Weber undenkbar. So entwirft er seit Jahren die Faltblätter der Serie "Denkmale im Landkreis Mittelsachsen", wie sie gestern auch im Finanzamt an der Heinrich-Heine-Straße den mehr als 100 Besuchern bei Führungen gereicht worden sind. Darin berichtet er über die 90-jährige Geschichte des denkmalgeschützten Gebäudes. Für sein Engagement als ehrenamtlicher Denkmalpfleger hat er gestern einen der Denkmalpreise des Landkreises erhalten.

Der frühere Leiter des Mittweidaer Stadtmuseums (1994 bis 2011) ist seit Jahren im "Unruhestand", gestaltet Ausstellungen wie zur Industriegeschichte von Mittweida oder organisiert Veranstaltungen wie "Kostbarkeit oder Trödel", bei denen er Antiquitäten unter die Lupe nimmt. Er hält als Mitglied im Ortskuratorium der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in Dresden Vorträge und unterschrieb erst gestern den Mitgliedsantrag für den Förderverein des Schlosses Ringethal.

Bei seinem jüngsten Projekt hat der 70-Jährige, der in Weißenfels geboren wurde, die Historie des Finanzamtes detailversessen aufgearbeitet - in Archiven recherchiert, Bauunterlagen und Schriftverkehr gesichtet und so eine Ausstellung im Haus an der Heinrich-Heine-Straße gestaltet. Er fand Belege für das jahrelange Ringen der Mittweidaer Stadtverwaltung und damaliger Finanzbeamter um den Neubau, der 1928 eingeweiht wurde. Es sind auch Anekdoten, die für Weber Geschichte lebendig werden lassen. Wie die Beschwerde eines Obersteuersekretärs an den Landesfinanzamtspräsidenten über unzumutbare hygienischen Zustände in den für das Amt angemieteten Räumen, die zu Erkrankung und Tod von vier Beamten geführt haben soll. "Das steckt mir im Blut, Kultur und Lebensweise der Vorfahren kennenzulernen und Rückschlüsse auf die Gegenwart zu ziehen", so Weber. Dazu gehöre auch die Frage nach der heutigen Nutzung von Denkmalen.

Im Fall des Finanzamtes Mittweida schien das vage. So wurde 2012 die Fusion der drei mittelsächsischen Ämter beschlossen, der künftige Sitz in Freiberg festgelegt. Dazu befragt erklärte Norbert Görlich vom Sächsischen Finanzministerium, "dass der Zeitpunkt für einen Umzug nach Freiberg noch nicht feststeht, ein solcher aber kaum vor Anfang 2024 erfolgen wird". Zumindest bis dahin wird das Denkmal also Sitz des Finanzamts bleiben.

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