Hochschule: Professor bemängelt Grünen-App

Wahlen 2019: Partei will Anwendung in Sachsen nicht nutzen

Mittweida.

Das Smartphone als Hilfe im Haustür-Wahlkampf haben CDU, SPD und Grüne für sich entdeckt. Sie verwenden eigene Apps, um unter anderem festzuhalten, wo bereits an Türen geklingelt und mit Bürgern gesprochen wurde, aber auch in welchen Gebieten besonders viele Anwohner der eigenen Partei gewogen sind. Im Auftrag des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) hat nun Dirk Pawlaszczyk (Foto) von der Hochschule Mittweida die Apps der drei Parteien auf Datensicherheit und Datenschutz hin überprüft. Denn die europäische Datenschutzgrundverordnung stellt die politische Meinung unter besonderen Schutz.

Während der Professor für Cyber-Sicherheit die Anwendungen von CDU und SPD diesbezüglich als gut bewertet, hat er bei der App der Grünen Bedenken. Die Partei vermerke darin unter anderem, wie wahrscheinlich es ist, dass eine angetroffene Person die Grünen wählt. Zwar wird dabei weder Name noch Alter erfasst, jedoch werden GPS-Standortdaten gespeichert. "Das mag in einem Mehrfamilienhaus in der Großstadt kein Problem sein", sagt Pawlaszczyk. "Anders sieht es aber in dünner besiedelten Gebieten aus." Dort könnten die erhobenen Daten aufgrund der Koordinaten relativ einfach Person zugeordnet werden. Ohne ausdrückliche Zustimmung der Befragten sei diese Art der Datenerhebung problematisch, erklärt der Hochschul-Professor. Bedenklich sei zudem, dass die App sämtliche Einträge erst lokal auf dem Handy speichert, bevor sie auf einen Server übertragen werden. "Um die Daten vor dem Zugriff dritter zu schützen, müssten sie entweder verschlüsselt werden, oder wie bei CDU und SPD ohne Zwischenspeicherung direkt auf den Server übertragen werden", erklärt er.

Laut Sebastian Walter von den mittelsächsischen Grünen wird die App, die vom Bundesverband der Partei entwickelt wurde, in Sachsen allerdings nicht eingesetzt. Die Wahlkämpfer vermerkten bereits besuchte Straßenzüge vielmehr mit Stift und Papier. "Wir werden die App in dieser Form auch nicht benutzen", verspricht er. Walter geht davon aus, dass der Bundesverband noch einmal nachbessern wird. Auch CDU und SPD geben an, ihre Apps beim Wahlkampf in Mittelsachsen derzeit nicht zu verwenden.

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