Hochschule wird zum Kunstmuseum

Von Hochkultur bis Hobbymalerei: Vier Künstler stellen derzeit in der Mittweidaer Bildungseinrichtung aus.

Mittweida.

In den Gängen der Hochschule Mittweida haben Kunstfreunde noch bis ins kommende Jahr viel zu sehen. "Freie Presse" gibt einen Überblick.

Naturschön: In Ölgemälden und Radierungen setzt sich der 1953 geborene Chemnitzer Künstler Christian Lang insbesondere mit der Natur auseinander. Seine abstrakten Werke sind oft in warmen Erd- und kühlen Blautönen gehalten. Satte Pinselstriche lassen Wellen, Stände oder Vulkangestein erahnen. Stilisierte Boote - vor allem das wiederkehrende Motiv der Arche - lassen ebenso wie Hieroglyphen bloß Spuren menschlichen Tuns erahnen. Lediglich drei zwischen 2008 und 2016 entstandene Arbeiten zum Bogenschießen bilden in der Ausstellung auch menschliche Figuren ab, wobei das künstlerische Interesse dort vor allem dem Spannungsmoment zu gelten scheint. Lang ist gelernter Werkzeugmacher, eignete sich das künstlerische Handwerk im Selbststudium an. Trotz fehlender formeller Künstlerausbildung wurde er 1984 in den Verband Bildender Künstler der DDR aufgenommen. Seine Werke waren bereits in vielen deutschen Städten zu sehen, aber auch in China und den USA. Die Ausstellung zeigt 25 Werke von 1993 bis 2018. Sie stammen aus der auf zeitgenössische sächsische Künstler spezialisierten Sammlung der Stiftung Albrecht Mugler. Mugler ist Gründer der auf Telekommunikationstechnologie spezialisierten Mugler AG in Oberlungwitz (Kreis Zwickau) und Honorarprofessor an der Hochschule Mittweida.


Morbide: Hagen Grüttner aus Chemnitz ist Mitarbeiter des Laserinstituts der Hochschule. In seiner Freizeit fotografiert er verlassene Orte, sogenannte Lost Places, die derzeit im Foyer des Laserinstituts zu sehen sind: rostige Autoscooter, moosbewachsene Industriebrachen, menschenleere Wohnblöcke. Ein morbider Charme wohnt seinen Bildern inne: In einem leerstehenden Hotel etwa steht vor moosbewachsenen Wänden eine Vase mit vertrockneten Blumen auf dem Tisch in der Lobby, davor ein Buch, aufgeschlagen, als habe eben noch jemand darin geblättert. Aus einem Horrorfilm könnte das Bild einer urologischen Praxis stammen: Vorn im Bild schwimmen innere Organe in Formaldehyd, im Hintergrund liegt eine benutzte Spritze auf einem blutbefleckten Laken.


Körperlich: Linh Hong Nguyen begeistert sich seit seiner Kindheit für japanische Kunst - egal ob Malerei der Edo-Zeit (1603 bis 1868) oder zeitgenössische, Manga-inspirierte Pop Art von Takashi Murakami. Nguyen selbst zeichnet vor allem mit Tusche und Kohle. Nur gelegentliche Farbakzente brechen die schwarz-weiße Ästhetik. Die ausgestellten Bilder zeigen vor allem den menschlichen Körper in Bewegung. Nguyen, 1997 in Meißen geboren, ist Student der Hochschule. Seine Bilder sollen den Menschen mit seinen inneren Konflikten darstellen, sagt er.

 


Farbenfroh: Über das gesamte Hauptgebäude der Hochschule verteilt hängen Arbeiten des Rochlitzers Heiko Günther. Es sind vor allem farbenfrohe, dynamische Aquarelle und Acrylmalereien, auf denen Kugeln, Kreise und geometrische Formen dominieren - mal sauber ausgemalt, mal experimentell mit Klecksen und Farbspritzern versehen. Die oftmals abstrakten Werke tragen Titel wie "Geometrie des Schönen" oder "Bedingungslose Liebe". Hinzu kommen dreidimensionale Collagen und Reliefs, in denen Malerei mit aufgeklebten Objekten wie Strandgut oder Sandrosen verknüpft wird. Günther, Jahrgang 1979, ist eigentlich Diplom-Agraringenieur. Seit 2014 widmet er sich verstärkt seiner Kunst.

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