Hölzer unterscheidet sie am Geruch

Ihr Urgroßvater gründete vor 145 Jahren die Stellmacherei in Sachsenburg. Jetzt wird sie von Claudia Behnisch betrieben, die erstmals auch Schülern das Handwerk nahe bringt.

Sachsenburg.

Die Mädchen und Jungen aus der 3. Klasse der Grundschule Ottendorf waren die ersten Schüler, die Claudia Behnisch in ihrer Tischlerei werkeln ließ - sie durften einen Räucherpilz nach eigenen Vorstellungen anfertigen. In kleinen Gruppen konnten sie sich zudem an der Drechselbank unter Anleitung der Meisterin ausprobieren und selbst ein Holzstück drechseln. "Das macht Spaß, was Eigenes herzustellen", sagte Tarik. Sein Freund Vin hat selbst zu Hause eine Drechselbank, wo er sich immer wieder ausprobiert. "Wir freuen uns, dass unsere Kinder hier in der Tischlerei kreativ werden können, das passt auch gut zu unserem Projekt Weihnachtsland Erzgebirge und ist gleichzeitig unsere Weihnachtsfeier", berichtete die Grundschul-Klassenleiterin Ines Eichhorn.

Claudia Behnisch übernahm vor 13 Jahren die Stellmacherei im Frankenberger Ortsteil Sachsenburg von ihrem Vater Henri Behnisch. Gegründet wurde der Familienbetrieb bereits vor 145 Jahren vom Urgroßvater Bruno Kuhn, der Stellmacher und Korbmacher war. "Mein Traumberuf war eigentlich Bäckerin oder Konditorin, eine Mehlallergie verhinderte das leider. Somit lernte ich das Drechseln, eines der ältesten Handwerke", erzählt die Frau, die ihren Meister machte und obendrauf noch eine Tischlerausbildung. Insgesamt 26 verschiedene Hölzer verarbeitet sie jetzt und kann sie allein am Geruch unterscheiden.

Aus gesundheitlichen Gründen baut die Handwerkerin selbst kaum noch Fenster oder Türen ein. Neben dem Drechseln von Raum- und Tafelschmuck, den sie auf Märkten des Mittelsächsischen Kultursommers, in Klosterbuch und Messen anbietet, widmet sich Claudia Behnisch deshalb vor allem der Restauration alter Möbelstücke. "In meiner Werkstatt fühle ich mich am wohlsten, wenn Späne fliegen. An der Drechselbank kann ich von allem abschalten", sagt die Meisterin, die bereits beim Betrachten eines rohen Holzstückes im Kopf das fertige Produkt vor sich sieht. Am liebsten verarbeitet sie Pflaumenholz, weil es eine besondere Farbe und Maserung habe. Das ihre Stücke alles Unikate sind, versteht sich von selbst.

Vor zehn Jahren wurde sie von einem Kursleiter aus Dresden gefragt, ob sie die Drechselkurse für Studenten übernehmen wolle. Seitdem sind die Teilnehmerzahlen stetig gestiegen. "Es kommen ständig Anfragen, sobald sich eine Gruppe zusammengefunden hat", berichtet die Drechselmeisterin.

"Holz ist ein warmer Werkstoff, bei der Bearbeitung kann man gut vom Alltagsstress abschalten", sagt sie. Das wissen auch die Teilnehmer von Kursen, die über den Landfrauenverband Frankenberg organisiert werden, zu schätzen. Mit einem Shuttleservice werden diese von Frankenberg aus nach Dresden in die kleine Werkstatt gefahren, wo sonst die Studenten Schmuck, Schalen, Spielzeug und vieles mehr aus Holz fertigen. Seit zwei Jahren arbeitet die Sachsenburgerin auch für den Sozialpädagogischen Dienst Chemnitz. "Zweimal in der Woche beschäftige ich schwierige Schüler in der Werkstatt. Über die Holzarbeiten findet man leichter Zugang zu ihnen", sagt Claudia Behnisch, die in den nächsten Tagen bereits wieder für eine Weihnachtsfeier von den Mitarbeiterinnen einer Physiotherapie in ihrer Tischlerei beauftragt wurde.

Dennoch scheint ihr Handwerk ein aussterbender Beruf zu sein. "Als ich 1990 meinen Meisterbrief erlangte, waren wir 30 Meisteranwärter. Jetzt gehöre ich dem Meisterausschuss an und wir prüfen alle zwei, drei Jahre gerade mal fünf Drechsel- und Holzspielzeugmeister", resümiert Claudia Behnisch.

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