Hoher Preis für zu langes Parken

Die Parkplatz-Situation in Mittweida ist angespannt. Das wissen auch die Supermarkt-Betreiber. Ein Discounter droht daher mit Geldstrafen für Dauerparker, ein weiterer könnte nachziehen.

Mittweida.

Verglichen mit einem normalen Knöllchen ist die Strafe happig: 30 Euro müssen Autofahrer zahlen, wenn sie auf dem Lidl-Parkplatz an der Mittweidaer Bahnhofstraße die Parkscheibe vergessen oder ihren Wagen länger als eine Stunde stehen lassen. Auf öffentlichen Parkplätzen in der Stadt wird dieser Betrag erst fällig, wenn die erlaubte Parkzeit um mehr als drei Stunden überschritten ist, bei Lidl reichen im schlechtesten Fall schon ein paar Minuten. Denn seit April überwacht die Firma "Park & Control" im Auftrag des Discounters dessen Kundenparkplatz.

Erfahrungsgemäß benötigten Kunden deutlich weniger als eine Stunde für ihre Besorgungen, erklärt das Unternehmen auf Anfrage. Lidl wolle Kunden einen schnellen und bequemen Einkauf und ausreichend Parkmöglichkeiten bieten, daher habe man sich für die Überwachung entschieden. Doch diese Argumentation ist nicht für jeden Lidl-Kunden nachvollziehbar. Auf dem Gelände einen Parkplatz zu finden, ist in der Vergangenheit nie ein Problem gewesen, so das Fazit einer stichprobenartigen Umfrage vor Ort. Zugleich geben die Befragten dem Discounter Recht: 60 Minuten seien absolut ausreichend. "Bei einem großen Markt wie Kaufland brauche ich länger, aber hier ist es kein Problem", sagt ein junger Mann. Eine Frau erklärt: "Wenn ich nach dem Einkauf noch in das Schuhgeschäft nebenan will, stelle ich die Parkscheibe eben zwischendurch um."

Die Parkplatz-Situation in der Stadt sei katastrophal, sagt ein Lidl-Kunde: "Ich wohne auf dem Deckerberg, da stehen die ganze Woche lang die Hochschulstudenten. Und wenn wir Anwohner am Abend heimkommen, ist für uns kein Platz mehr frei." Die Stadt will mit einem neuen Parkplatz an der Hainichener Straße zur Entspannung der Gesamtlage beitragen. Laut Stadtsprecherin Francis Pohl sollen dort etwa 70 Fahrzeuge Platz finden. Auch die Planung für einen kleinen Parkplatz an der Waldheimer Straße sei mittlerweile abgeschlossen.

Indes spielt bereits der nächste Discounter mit der Idee, von Dauerparkern Strafzahlungen zu verlangen. Auf den Netto-Parkplätzen am Bahnhof und an der Weberstraße kontrolliere bislang noch das eigene Personal, ob die auf eine Stunde begrenzte Parkzeit eingehalten wird, so eine Sprecherin des Unternehmens. "Entsprechende Fahrer werden direkt darauf hingewiesen, dass es sich um einen ausschließlichen Kundenparkplatz handelt." Bußgelder gibt bislang nicht, der Discounter plane jedoch Maßnahmen in diese Richtung. "Eine davon wäre, den Parkplatz bewirtschaften zu lassen", so die Sprecherin. Aldi und Kaufland hingegen wollen auch weiterhin auf derartiges verzichten.

Die IHK Chemnitz hat Verständnis für die Entscheidung von Lidl, den Parkplatz überwachen zu lassen. In Innenstädten konkurrierten Bewohner, Beschäftigte, Kunden und Besucher um Parkraum. "Vor allem große Parkplätze, wie diese von Supermärkten zur Verfügung gestellt werden, werden auch von anderen Gruppen in Anspruch genommen", sagt Cindy Krause, Referentin für Handel bei der Kammer. Laut sächsischer Bauordnung seien Supermärkte verpflichtet, Kundenparkplätze bereitzustellen. "Vor diesem Hintergrund ist nachvollziehbar, dass die Unternehmen auch wollen, dass Kunden sie nutzen."

Bewertung des Artikels: Ø 3 Sterne bei 1 Bewertung
1Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 5
    2
    thelittlegreen
    04.08.2018

    Erstaunlich für was der Parkplatz an der Hainichener Straße jetzt noch alles herhalten muss. Sollte er bislang nur das Krankenhaus retten so muß er jetzt auch noch Probleme lösen die gefühlt 500m entfernt liegen. Chapeau!



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...