"Ich will Dinge voranbringen und Transparenz herstellen"

Als Gemeinderätin ist Angelika Feldmann ein kritischer Geist - Bürgermeisterkandidatur ist für sie nur folgerichtig

Rossau.

Als Sprecherin der Initiative "Wir für Rossau" ist Angelika Feldmann beim Bürgerentscheid gegen die Fusion der Gemeinde mit Mittweida 2012 in Erscheinung getreten. Daraus folgte das Engagement im Gemeinderat, wo sie bei kommunalpolitischen Entscheidungen an Grenzen stoße, wie sie im Gespräch mit Jan Leißner erklärte. Diese Grenzen will die 54-Jährige nun mit der Kandidatur zur Bürgermeisterwahl in Rossau überwinden.

Freie Presse: Warum wollen Sie Bürgermeisterin von Rossau werden?

Angelika Feldmann: Schon in der Bürgerinitiative habe ich auf Wunsch der Mitglieder das Heft in die Hand genommen, als es um die Eingemeindung von Rossau ging. Zur Gemeinderatswahl wollten wir uns erneut einbringen in die Kommunalpolitik. Seit 2014 sitze ich so im Gemeinderat. Ich sehe dort meinen Auftrag darin, Dinge kritisch zu hinterfragen. Doch da stoße ich an Grenzen, auch weil der amtierende Bürgermeister Fragen nicht oder nur unzureichend beantwortet, sodass es für meine Entscheidungsfindung nichts nützt. Ich bin nicht zufrieden mit der Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister. Das hat mich bewogen zur Kandidatur, die auch von Bürgern an mich herangetragen worden ist. Ich will Dinge voranbringen und Transparenz herstellen. In den vergangenen sieben Jahren hab ich nicht gemerkt, dass wir uns in der Gemeinde vorwärts entwickelt hätten.

Was glauben Sie, was qualifiziert Sie für den Bürgermeisterposten?

Man muss die Bedürfnisse der Bürger aufnehmen können, vom Kleinkind bis zum Senior und in der Gemeinde unterwegs sein. Ich kenne diese Bedürfnisse. Und ich kann mich auch in die Unternehmerposition eindenken. Ich habe ja meinen Mann in unserem Familienunternehmen unterstützt und kenne diese Perspektive, wenn es zum Beispiel um die Planung von Investitionen geht. Von den Geldern der Unternehmer lebt auch eine Gemeinde.

Sie verfügen über Verwaltungserfahrung. Könnten Sie die im Rathaus anwenden?

Man muss schon Verwaltungserfahrung mitbringen, auch wenn alles erlernbar ist. Aber da brauch ich keine Einarbeitungszeit. Ich habe mich auch weitergebildet. Wenn es um den Förder-Dschungel oder einen Stellenplan geht, weiß ich wovon ich spreche.

Kommunalpolitisch in Erscheinung getreten sind Sie 2012 bei der Debatte um die Eingemeindung, haben dazu beigetragen, dass diese per Bürgerentscheid abgelehnt wurde. Wie stehen sie heute dazu?

Die Eigenständigkeit sollte, solange die finanzielle Leistungsfähigkeit gegeben ist, erhalten bleiben. Man kann ja mit Nachbargemeinden, wie mit Kriebstein, in der Verwaltung zusammenarbeiten. Man kann sich da Schritt für Schritt annähern, aber ich sehe keinen Grund, jetzt darüber nachzudenken.

Sie haben sich für den Bürgerentscheid zur Eingemeindung eingesetzt. Würden Sie als Bürgermeisterin mehr Entscheidungen den Wählern überlassen?

Bei bedeutsamen Themen ja, aber man kann nicht bei jeder Entscheidung einen Bürgerentscheid organisieren. Ich bin für eine breite Bürgerbeteiligung. Man kann da anfangen bei Fragen der Haushaltspolitik und einen Teil als Bürgerhaushalt ausweisen. Ein weiterer Ansatz ist, die Gemeinderatssitzungen künftig per Video zu übertragen. So könnte das Interesse der Leute für die Kommunalpolitik geweckt werden. Und ohne Internetpräsentation geht es nicht mehr, über die man mit den Bürgern kommunizieren kann.

Im Fall Ihres Wahlsieges hätten sie keine stimmenstarke Fraktion im Gemeinderat hinter sich. Wie wollen Sie Mehrheiten für Ihre Ideen gewinnen?

Wir haben im Gemeinderat nicht den Eindruck, dass es da um parteipolitische Vorgaben geht. Die Räte folgen ihrem Gewissen. Ich glaube nicht, dass ein Gemeinderat gegen etwas stimmt, was für die Bürger und den Ort gut ist. Aber die Beschlussvorlagen, die wir jetzt bekommen, sind sehr dürftig. Da können sich einige Räte nicht hineindenken. Beschlussvorlagen müssen so gestaltet sein, dass auch ein Außenstehender das versteht. Ich denke, das gelingt mir schon.

Sie haben sich im Gemeinderat den Ruf eines kritischen Geistes verschafft. Wie viele Dienstaufsichtsbeschwerden haben Sie schon gegen die Verwaltung bei der Rechtsaufsicht vorgebracht?

Das habe ich nicht gezählt. Und wenn, dann zielten diese nicht gegen die Verwaltung. Da ging es nur um die Arbeit des Bürgermeisters. Ich habe es im letzten Dreivierteljahr aufgegeben mit Dienstaufsichtsbeschwerden, weil sie fruchtlos waren. Aber es gab dafür immer Gründe. Ich würde mir nicht die Mühe machen, eine Beschwerde zu schreiben, wenn es nicht um Interessen der Gemeinde gehen würde. Wenn mir Informationen vorenthalten werden, dann hake ich nach. Auch weil ich Druck dazu von den Wählern bekomme. Aber es ist auf keinen fruchtbaren Boden gefallen.

Steckt dahinter auch ein persönlicher Streit zwischen Ihnen und dem Bürgermeister Gottwald?

Ich habe mich mit dem Amtsinhaber nie gestritten. Es geht nicht um die Person, es geht immer nur um die Sache. Mag sein, dass ich ihm zu forsch bin. Aber ich will etwas vorwärts bringen, langsamer geht's von allein.

Was machen Sie, wenn sie nicht gewählt werden?

Dann gehe ich weiter meiner beruflichen Tätigkeit nach. Als Gemeinderätin hab ich einen Auftrag erhalten. Ob ich dann bei der nächsten Wahl antrete, überlasse ich der Wählergemeinschaft und den Wählern.


Rossauerin mit Erfahrung in Verwaltung und Firma

Mehr als 20 Jahre Berufserfahrung in der Kommunalverwaltung bringt Angelika Feldmann (parteilos) mit. Die 54-jährige, gebürtige Rossauerin hat eine Ausbildung als Finanzkauffrau und nach der Wende zur Verwaltungsfachangestellten absolviert. Sie war bis 1981 in der Abteilung Finanzen des Rates des Kreises (heute Finanzamt) tätig. Als ihr Sohn geboren wurde, entschied sie sich, für die folgenden fünf Jahren die Rolle als Hausfrau und Mutter zu übernehmen, da ihr Ehemann im Fernverkehr tätig war. Von 1986 bis 2010 war sie in der Stadtverwaltung Mittweida tätig, in der Personalbuchhaltung und als Standesbeamtin. Danach führte sie die Geschäfte der familieneigenen Speditionsfirma. Seit einem Jahr arbeitet sie in der Personal- und Finanzverwaltung der Schwesternschaft vom DRK Sachsen in Chemnitz. Zuvor war sie beim Zweckverband Verkehrsverbund Mittelsachsen in Chemnitz tätig.(jl)

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