Im Habit machen sie eine gute Figur

Fünf Mal in der Adventszeit marschieren die Mitglieder des Bergwerksvereins Schönborn bei Bergparaden auf. Das hat nicht nur für Chef Gerold Riedl etwas Erhabenes.

Schönborn-Dreiwerden.

In diesen Weihnachtstagen schlüpft Gerold Riedl statt in die robuste Arbeitsmontur in den feinen Sonntagsstaat. Denn jetzt zum Jahresende hin heißt es für den Bergmeister und seine Bergbrüder vom Verein "Alte Hoffnung Erbstolln" Schönborn im zünftigen Habit eine besonders gute Figur zu machen.

Fünf Mal marschieren die Vereinsmitglieder im Verbund der Bergmanns-, Knappen- und Hüttenvereine zu Bergparaden in Sachsen mit auf. "Ohne Zweifel ein emotionaler Höhepunkt für mich und die Mitwirkenden. Zum einen ermutigt uns dieses Eingebunden-Sein in diese Kameradschaft, zum anderen sind wir stolz, den Standort Schönborn und damit einen weniger im Blick der Traditionsgeschichte stehenden Bergbauabschnitt ins öffentliche Rampenlicht rücken zu können", ist Gerold Riedl bestens für die Aufzüge gewappnet. Das sei gelebtes Marketing und verschaffe überregionale Aufmerksamkeit

Dabei gilt es für den 56-Jährigen, mit seinen Vereinsfreunden zudem mit der Konzertreihe unter Tage einen nachhaltigen Schlussakkord zu setzten. "Am Samstag wollen wir den Reigen der Besuchstage und Veranstaltungen mit dem Auftritt des Ottendorfer Brass- und Swingorchesters beschließen. Ein ehrgeiziges Vorhaben, 25 Musiker und über 100 Besucher in unseren Stollen zu bringen." Gerade solche Angebote seien stark nachgefragt und würden die Neugier an dieser Bergbau-Leidenschaft mit wecken helfen. "Wir organisieren solche Ereignisse nicht zum Selbstzweck. Vielmehr sind sie Gelegenheit, ein mit der Bergbauanlage verbundenes Stück Geschichte sehenswert darzustellen und zum anderen, die interessierte Öffentlichkeit zu gewinnen, uns bei ehrgeizigen Arbeitsaufgaben zu unterstützen."

Gerold Riedl ist froh darüber, dass ein in diesem Jahr geänderter Öffnungszeiten-Modus die richtige Entscheidung war. "Wir haben das Angebot an Führungen an den Wochenenden gestrafft und beispielsweise den 15-Uhr-Besuchstermin gestrichen." Das hatte zur Folge, dass Besucher vorab Termine telefonisch oder via Internet reservieren und der Verein so effizienter arbeiten könne und nicht abwarten müsse, ob Gäste zu den drei bislang an Sonnabenden angebotenen Führungen kommen.

Der Vereinsvorsitzende rechnet für dieses Jahr mit knapp 1500 Besuchern, die ins Bergwerk kamen beziehungsweise noch kommen. Neben der Standardbefahrung würde sich die Exkursionsbefahrung wachsender Beliebtheit erfreuen. "Da geht es mehrere Stunden durchs Revier. Die Gäste sind voll gefordert. Doch selbst auf allen vieren kriechend und den Bauch einziehend sind die begeistert von dieser Tour." In diesem Zusammenhang wichtig: Der Verein habe vom sächsischen Oberbergamt den Hauptbetriebsplan erneut genehmigt bekommen. "Der ist Grundlage unseres Tuns und erlaubt es, überhaupt Besucher im Schacht empfangen zu dürfen."

Riedl empfindet Genugtuung, 2018 zwei markante Termine gemeistert zu haben. "Wir haben das 40-jährige Bestehen unseres Vereins gefeiert. Besonders die Exkursion aller Mitglieder samt Frauen und Freunde im März nach Annaberg war ein Erlebnis. Das hat die Truppe weiter zusammengeschweißt. Dem folgte ein kleiner Festakt, zu dem wir Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Vereinsleben aus Mittelsachsen bei uns begrüßen konnte." Man habe gespürt, dass so Mancher erstmals vor Ort war und mit Erstaunen die Arbeit des Vereins zur Kenntnis genommen habe. "Ich denke, dass dies ein wichtiger Impuls war, weitere Projekte durchzuführen und sich der Unterstützung dieser Mitstreiter zu versichern."

Zudem wird die Würdigung der Inbetriebnahme der ersten untertägigen Turbinenanlage in der Freiberge Bergbauregion 1843 in Schönborn in die Chronik eingehen. "Hauptakt dieser Feierstunde war die Anbringung einer Tafel 120 Meter tief in der Radstube, die an Benoit Fourneyron, den Vater dieses Techniksystems, erinnert." Der Maschinenbauexperte schmunzelt, als er berichtet, wie seine Vereinsfreunde staunten, selbst ein Grußwort vom Oberbürgermeister der Stadt Saint Etienne zum Jubiläum erhalten zu haben.

"Man nimmt uns also auch international wahr." In diesem Zusammenhang würdigt Gerald Riedl seine Mitstreiter. "Dank der gemeinsamen Initiative konnten wir diese ehrgeizigen Vorhaben mit Hilfe von Förderern auch finanziell stemmen und haben uns kein Minus eingebrockt." Zufrieden sei er, zwei neue Vereinsfreunde in der Truppe begrüßen zu dürfen.

Noch in diesen letzten Tagen des Jahres hat Gerold Riedl den Start 2019 vor Augen. "Da steht gleich zu Beginn ein wichtiges Ereignis an: die Vorstandswahlen. Immerhin agiert der amtierende Vorstand in seiner vierten Amtsperiode, die jeweils vier Jahre umfasst. Ein Großteil der Verantwortlichen hält der Interessengemeinschaft seit 40 Jahren die Treue. Das spricht für das Klima in den Reihen. Uns verbindet der Enthusiasmus für dieses Hobby."

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