Im zweiten Anlauf geht es gut

Beim Abriss der verbrannten Fußgängerbrücke in Flöha wurde der größte Brocken gehoben. Für einen Augenblick geriet der Plan ins Rutschen.

Flöha.

Kurzzeitig drohte der Plan nicht aufzugehen: Als das zirka 70 Tonnen schwere Brückenteil den am Flussufer vorbereiteten Auflieger ins Wasser drückte, musste ein Bagger vom Ufer aus ran und den in große Sandsäcke gebetteten Stahlträger wieder aus dem Fluss ziehen.

Das war knifflig, weil die Zschopau am Dienstag früh relativ viel Wasser führte. 88 Zentimeter betrug am Morgen der Flusspegel stromaufwärts in Kunnersdorf, gut 30 Zentimeter mehr als noch am Samstag. Dazu kam, dass der Uferbereich nach den ergiebigen Regenfällen der vergangenen Tage stark aufgeweicht war. Ein Abrutschen des Brückenteils in den Fluss wäre eins der schlimmeren denkbaren Szenarien gewesen. Im zweiten Anlauf lag die Brücke schließlich sicher auf dem Träger, und es konnte mit dem Zerlegen begonnen werden.

Bereits in den frühen Morgenstunden war mit den Vorbereitungen für das Abheben der bei einem Brand im Oktober völlig zerstörten Brücke begonnen worden. Die beiden riesigen Autodrehkrane der 300 und 250 Tonnen Tragkraftklasse standen an beiden Uferseiten. Jeweils vierfache Kettenschlingen wurden um die Stahlkonstruktion gelegt, und kurz nach 8 Uhr gab es den entscheidenden Ruck. Mit einem dumpfen Krachen hob sich der Brückenkörper von den Pfeilern, wurde von den beiden Kranen ein Stück stromaufwärts geschwenkt und vor den Pfeilern abgesetzt. Nachdem die Brücke gegen 8.30Uhr stabil lag wurde ein erstes etwa 20 Tonnen schweres Teilstück abgeschnitten und der Brückenkörper danach weiter in Richtung Ufer gezogen.

Die Firma Ullrich Krane aus Chemnitz hatte den Plan für den Brückenabriss ausgetüftelt. Das Unternehmen hatte als einziger von drei Anbietern mit zwei Kranen geplant und der Stadt im November ein detailliert berechnetes Konzept für den Abriss der verbrannten Fußgängerbrücke vorgelegt.

Mit rund 58.000 Euro wurde das Herunterheben kalkuliert. Dazu kommen die Kosten der Aufstellflächen für die beiden riesigen Autodrehkräne. Insgesamt rechnet die Stadt Flöha mit 175.000 Euro Kosten für den Rückbau und die Entsorgung der Brücke.

Die polizeilichen Ermittlungen zur Brandursache sind indes abgeschlossen. Das Verfahren sei bereits an die Staatsanwaltschaft abgegeben worden, sagte eine Sprecherin der Polizeidirektion Chemnitz auf Nachfrage. Die Polizei geht auch nach Abschluss der Ermittlungen von einem technischen Defekt aus, heißt es weiter.

Am Nachmittag konnte Stanimir Enew aus der Bauverwaltung im Rathaus fast schon den Abschluss des Brückenabrisses verkünden. Die abgeschnittenen Brückensegmente wurden sogleich abtransportiert. Die Abbrucharbeiten verliefen, abgesehen von der Rutschpartie am Morgen, weitgehend reibungslos und wie geplant. Restarbeiten wurden Mitte der Woche erledigt. "Und vielleicht sind wir bis zum Wochenende fertig", so Enew. Die Aufstellflächen und die Baustraße für den Autodrehkran auf der Edeka-Uferseite wurden so schnell wie möglich wieder zurückgebaut.

Ob es eine neue Fußgängerbrücke geben wird, ist noch ungewiss. Zunächst müssen Pfeiler und Widerlager auf Schäden geprüft werden. Erst dann lassen sich die Kosten für einen Ersatzneubau abschätzen. Oberbürgermeister Volker Holuscha hatte zuletzt wiederholt deutlich gemacht, dass mit einem raschen Neubau nicht zu rechnen ist.

www.freiepresse.de/abriss0801

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