Intercity-Anschluss wird zur Hängepartie

Die Weiterführung der IC-Verbindung Rostock- Dresden nach Chemnitz ist noch immer offen. Auch für 2020 gibt es dazu von den Verantwortlichen nur unverbindliche Aussagen.

Chemnitz.

Seit dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember bietet die Deutsche Bahn eine neue Intercity-Verbindung von Rostock über Berlin nach Dresden. Die Züge fahren zunächst zehnmal am Tag, ab März 2020 soll die Frequenz auf 16 Fahrten erhöht werden. Ursprünglich sollte auch Chemnitz von der neuen Verbindung profitieren - so hatte es der bis September amtierende Konzernbevollmächtigte der Bahn für Sachsen, Eckart Fricke, im Sommer versprochen. Doch ob es tatsächlich so weit kommt, ist fraglich.

Eckart Fricke hatte im Juli bei einem Termin im Chemnitzer Rathaus erklärt, der neu eingesetzte Intercity 17 von Rostock über Berlin nach Dresden könne wahrscheinlich schon in diesem Jahr nach Chemnitz verlängert werden. Unklar sei nur, so Fricke damals, ob die Verlängerung nur einzelne Züge zu bestimmten Tageszeiten betreffen könnte oder ob die Verlängerung in einem generellen Zwei-Stunden-Takt erfolgen könnte. Er sei zuversichtlich, dass es ein entsprechendes Angebot geben werde. Die Prüfung möglicher Varianten solle bis Herbst abgeschlossen sein, so Fricke.

Mittlerweile ist Winter und Fricke nach Baden-Württemberg gewechselt. Und bei der Bahn AG will man nichts mehr wissen von einer Weiterführung der IC-Verbindung. "Eine Verlängerung der Linie 17 von Rostock über Dresden weiter nach Chemnitz ist im Fahrplan 2020 nicht vorgesehen", teilte Bahn-Sprecher Holger Auferkamp der "Freien Presse" mit. Und auch Frickes Nachfolger als Konzernbevollmächtigter der Bahn für Sachsen, Martin Walden, gibt sich eher unverbindlich. In einer schriftlichen Antwort an den Chemnitzer Bundestagsabgeordneten Detlef Müller (SPD) schreibt Walden, derzeit prüfe die Bahn gemeinsam mit dem Sächsischen Wirtschaftsministerium, ob die Verbindung nach Chemnitz verlängert werden kann. Walden wörtlich: "Aus diesem Grund kann zum jetzigen Zeitpunkt leider noch keine Aussage getroffen werden, wann bzw. unter welchen Bedingungen ein solches Fernverkehrsangebot in Chemnitz realisierbar ist."

Die Bahn setzt in der Frage eines Fernbahnanschlusses von Chemnitz eher auf langfristige Lösungen. Wie Walden mitteilt, seien dafür verschiedene Infrastrukturmaßnahmen nötig. Dazu zählten die Elektrifizierung der Strecken Hof- Regensburg, Weimar-Gera-Gößnitz sowie Leipzig-Chemnitz. Erst dann sei für Chemnitz eine Fernverkehrsanbindung vorgesehen, und zwar auf den Verbindungen Rostock-Dresden-Chemnitz-Regensburg-München, Aachen-Düsseldorf-Kassel-Erfurt-Chemnitz sowie Norddeich-Emden-Hannover-Leipzig-Chemnitz.

Die Reaktionen aus der Politik auf diese Ankündigungen fallen eindeutig aus. "Das ist ein Unding", erklärte die Landtagsabgeordnete Susanne Schaper (Die Linke). Die Bahn habe sich für das Versprechen im Sommer feiern lassen, fügte sie hinzu. Dass das Staatsunternehmen nun seine Zusagen nicht hält, habe die Stadt nicht verdient.

Für Detlef Müller (SPD) zeigt der Vorgang einmal mehr, dass die Politik selbst bei einer positiven Zusage immer dranbleiben müsse. "Von selbst funktioniert im Fall von Chemnitz leider gar nichts", fügt er hinzu. Und dennoch bleibe er zuversichtlich, so Müller. Er werde im Januar im SPD-geführten Wirtschaftsministerium in Dresden einen Termin machen und auf die Einhaltung der Zusagen drängen. "Die Verlängerung der IC-Verbindung nach Chemnitz müssen wir hinbekommen", sagt er, "im besten Fall schon zum kleinen Fahrplanwechsel im Juni nächsten Jahres."


Kommentar: Warum immer Chemnitz?

Bei all den schlechten Nachrichten, die in Sachen Fernbahn-Anschluss in den vergangenen 30 Jahren veröffentlicht werden mussten, fällt es immer schwerer, eine sachliche Bewertung der Lage vorzunehmen. Am Ende steht regelmäßig über allem die Frage: Warum nur immer Chemnitz? Warum sollen es ausgerechnet Bewohner dieser Stadt offensichtlich niemals schaffen, mit einem zeitgemäß ausgestatteten Zug in vertretbarer Zeit in eine andere, gerne auch nahe gelegene Großstadt zu gelangen?

Natürlich gibt es keine Antworten auf diese Fragen. Stattdessen gibt es Absichtserklärungen, Versprechungen und Beteuerungen. Und die Verwunderung darüber, dass es gemessen an Einwohnern in Chemnitz so viele Pkw gibt wie in keiner anderen sächsischen Großstadt.

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