Internet kommt sogar kostenlos aufs Land

Beim Glasfasernetz sollen 2020 die ersten Kunden angeschlossen werden. Zugleich entstehen öffentliche Zugangspunkte. Davon sollen auch alle Ortsteile profitieren.

Hainichen.

Beim Breitbandausbau gehört Hainichen zu den schnellsten Orten in Sachsen. Dies hat Bürgermeister Dieter Greysinger (SPD) zur jüngsten Stadtratssitzung erklärt. Das Hochgeschwindigkeitsbreitbandnetz soll ab nächstem Jahr nicht nur in der Stadt, sondern auch in allen Ortsteilen eingerichtet werden. Knapp drei Viertel aller förderfähigen Haushalte haben sich für einen Glasfaseranschluss entschieden, das sind genau 1497 anzuschließende Adressen.

Für die Stadt ergeben sich mit der Glasfasertechnik auch neue Möglichkeiten. Von der Firma Vodafone Kabel Deutschland, die vor etwa einem Jahr die Ausschreibung für das voraussichtlich rund 13 Millionen Euro teure Netz gewonnen hatte, liegt nun ein Hotspot-Konzept vor, das im Stadtrat auf große Zustimmung stieß. Thomas Andrä von Vodafone versprach ein nahezu flächendeckendes Wlan-Netz in der Innenstadt. Nach seine Informationen erhalten 29 städtische Adressen beziehungsweise Liegenschaften einen Glasfaseranschluss, zwölf davon sind Gebäude mit einem Vodafone-Vertrag. Die Gastzugänge zum Internet sollen als Hotspots, also öffentliche drahtlose Internetzugangspunkte, genutzt werden.

Für die Stadt bedeutet dies vermutlich Kosten von etwas mehr als 600 Euro pro Monat. Die fallen laut Bürgermeister aber ohnehin an, weil die Verwaltung für Telefon und Internet ja auch jetzt bereits bezahlen müsse. Ein Missbrauch des Angebots könne laut Vodafone durch die Vergabe von Passwörtern verhindert werden. Denkbar sei auch ein Begrüßungstext, mit dem Besucher von Hainichen gezielt zu Sehenswürdigkeiten und Einrichtungen gelenkt werden könnten.

Geplant ist zudem, den Zugang zeitlich zu begrenzen. Angeregt haben die Stadträte eine Stunde täglich. Damit soll auch unterbunden werden, dass Ortsansässige mit dem Wlan den kostenpflichtigen Anschluss umgehen. Die Reichweite eines Hotspots könne nach Auskunft von Vodafone bis zu 100 Meter betragen. Eventuelle Versorgungslücken könnten im Idealfall auch durch die Netze von Cafés oder Restaurants geschlossen werden.

Einig war man sich im Stadtrat, dass auch jedes Dorf einen Hotspot bekommen soll. Kostenloses Wlan in den Ortsteilen soll in den Dorfgemeinschaftshäusern oder bei der Feuerwehr zur Verfügung gestellt werden. Laut Thomas Andrä von Vodafone sei dies auch bis auf eine Ausnahme in allen zu Hainichen gehörenden Dörfern möglich. Für Eulendorf will sich die Stadt noch eine Lösung überlegen, denn dort steht das Dorfgemeinschaftshaus in einem nicht förderfähigen Gebiet.

Bis Hainichen mit allen Ortsteilen aber komplett ans schnelle Internet angeschlossen ist, könnten noch zwei bis drei Jahre vergehen. Die Bauarbeiten, über deren Vergabe noch entschieden werden muss, sind für 2020 bis 2022 vorgesehen.

Neben den Hotspots würden sich laut Vodafone auch noch weitere neue Nutzungsmöglichkeiten anbieten. Thomas Andrä nannte zum Beispiel digitale Angebote der Stadtbibliothek. Möglichkeiten bestünden auch bei der Vermarktung von Freilichtbühne im Stadtpark und beim Festsaal "Goldener Löwe". Dort könnten künftig auch Online-Konzerte übertragen werden oder multimediale und netzgestützte Aufführungen stattfinden.

Lena Klemm von Vodafone zeigte sich mit den Ergebnissen der schon vor einigen Wochen abgeschlossenen Vorvermarktung zufrieden. Von den 1497 Auftragseingängen (von 2036 förderfähigen Gebäuden) haben 994 Haushalte bereits einen Glasfaservorvertrag mit Vodafone abgeschlossen, die restlichen Haushalte bekommen Glasfaser zumindest bis ins Haus gelegt. Etwa 100 Adressen, bei denen die Förderfähigkeit umstritten ist, würden derzeit noch überprüft.


Kommentar: Dorfgemeinschaft 2.0

Von wegen Dorfkind. Die Zukunft in Hainichens Ortsteilen sieht doch gar nicht so schlecht aus. Das schnelle Internet wird nicht nur für die Stadt, sondern auch für alle Ortsteile geplant. Da ist man sich im Stadtrat einig. Sogar Hotspots sind für alle Dörfer vorgesehen. Da kann die nächste große Familienfeier gleich live ins Internet übertragen werden, oder man holt halt das Internet an die Festtafel. Und weil Hainichen mit dem Betreibermodell schon gut vorangekommen ist, könnte die Kommune eine Art digitaler Vorreiter werden. Auf jeden Fall macht das die Stadt attraktiver, die Dörfer natürlich auch.

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