Investor baut in Mühlau statt in Burgstädt

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Am Ortseingang des Dorfes sollen 30 Eigenheime, eine Anlage für betreutes Wohnen und ein Seniorenheim entstehen. Die Nachbarstadt geht jetzt leer aus.

Mühlau/Burgstädt.

Die ersten Siedler von Mühlau kamen ursprünglich aus Mehlem bei Bonn am Rhein. Sie wurden vom Kloster Zschillen ins Land geholt. Der Ortsname Mühlau leitet sich also vom ehemaligen Heimatort ab. Im Jahr 1346 wurde Mühlau erstmals auch als Mehlen urkundlich erwähnt. Ab dem Jahr 2023 könnte die Historie von Mühlau um ein weiteres Kapitel ergänzt werden. Denn die Gemeinde mit reichlich 2000 Einwohnern soll in den kommenden Jahren neue Bewohner erhalten - der Zuzug von mehreren Hundert ist geplant.

Ein Investor aus Chemnitz hat ein drei Hektar großes Grundstück am Ortseingang gekauft. Über Verkäufer und Kaufpreis war Stillschweigen vereinbart worden. Die jetzige Wiesenfläche in der Größe von etwa vier Fußballfeldern soll mit Häusern bebaut werden. "Wir haben große Pläne und sind froh, dass Mühlau mitmacht", sagt Lutz Uhlig. Der Aufsichtsratsvorsitzende und Hauptgesellschafter der Gesellschaft Theed.Projekt. Mit 14 Firmen will sie ein Seniorenheim mit 120 Plätzen, eine Anlage für betreutes Wohnen mit 50 Einheiten, eine Tages- und Nachtpflege mit 20 Plätzen sowie etwa 30 Eigenheime zwischen der Reitzenhainer und Chemnitzer Straße bauen. Die ersten Pläne und Grafiken liegen vor. Baustart soll im Sommer oder Herbst 2023 sein.

"Ein Haus mit Pflege- und Betreuungsangebot ist ein Gewinn für Mühlau. Auch ist die Nachfrage nach Eigenheimen groß", sagt Bürgermeister Frank Rüger. Derzeit liefen Gespräche zwischen Investor, Planungsbüro und Bauamt Burgstädt, das in der Verwaltungsgemeinschaft zuständig für Mühlau ist. Es werde über die inhaltliche Ausgestaltung und Erfordernisse der Planungen für die Erschließung und Bebauung des Grundstückes beraten. Wenn die Planungsunterlagen vorliegen, müssten diese im Landratsamt Mittelsachsen zur Genehmigung eingereicht werden.

Der auf Neubau und Vermarktung von Pflegeimmobilien spezialisierte Investor plant und realisiert Bauvorhaben in enger Zusammenarbeit mit den Betreibern. Dabei trägt das Unternehmen als Investor alle Risiken vom Grundstückskauf bis zur Schlüsselübergabe, heißt es. Die Theed.Projekt-Gesellschaft investiert nach eigenen Angaben strategisch in Pflegeimmobilien - von der Analyse der Standorte über Planung und Projektierung bis zur Ausführung. Die Gesellschaft mit Hauptsitz in Chemnitz will bis 2024 laut aktuellem Planungsstand 15 Seniorenheime mit einem Gesamtvolumen von rund 210 Millionen Euro errichten. Sie verfüge zudem über mehr als 20 Jahre Erfahrung beim Bau von Großprojekten und sei deutschlandweit am Bau von mehr als 5000 Eigenheimen beteiligt gewesen, heißt es. Zum Leistungsspektrum gehörten zusätzlich die Erstellung von Bebauungsplänen und die Grundstückserschließung.

Neun ähnliche Einrichtungen hat Theed zum Beispiel in Limbach-Oberfrohna, Neukirchen, Flöha und Wüstenbrand gebaut. Zurzeit werden solche Residenzen in Zschopau, Glauchau und Fraureuth errichtet. Der Bau einer Einrichtung in Lichtenstein, in Augustusburg und eines zweiten Heimes in Limbach-Oberfrohna werde vorbereitet, so Uhlig.

Und eigentlich gab es auch Pläne im benachbarten Burgstädt. Eine von Theed in Auftrag gegebene Marktanalyse hatte ergeben, dass Burgstädt aufgrund der demografischen Entwicklung ein weiteres Haus für Pflegebedürftige braucht. Bisher betreiben der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) ein Altenpflegeheim in Burgstädt und das Deutsche Rote Kreuz (DRK) ein Heim im benachbarten Taura. Das Chemnitzer Unternehmen wollte 15 bis 16 Millionen Euro investieren, um für pflegebedürftige Menschen zwischen 120 und 130 Einzelzimmer zu errichten. Baubeginn sollte im Herbst 2022, spätestens im Frühjahr 2023 sein.Der Stadtrat hatte dazu vor einem Jahr einen Grundsatzbeschluss gefasst und wollte den Sportplatz an der Vater-Jahn-Straße als Bebauungsfläche zur Verfügung stellen. Doch es kam nie zum Verkauf. Nun hat der Stadtrat vorige Woche die Reißleine gezogen. Die Zusicherung der Unterstützung - Letter of Intend genannt - wurde zurückgenommen. Begründet wurde die Entscheidung damit, dass sich Theed in Mühlau engagieren wolle. Doch Investor Uhlig sieht das anders: "Burgstädt hat einfach für uns kein Grundstück gefunden." Zur Auswahl hätten der Sportplatz und eine Fläche am Anger gestanden. "Wir sind uns mit der Stadt über das Grundstück einig, jetzt muss ein Vertrag aufgesetzt und ein Bauantrag gestellt werden", hatte Uhlig noch vor einem Jahr die Verhandlungen zusammengefasst.

Im dem Haus mit einer Bruttogeschossfläche von 9000 Quadratmetern sollten neben den Einzelzimmern noch Räume für Ärzte, Physiotherapie, Friseur, Fußpflege, Cafeteria, Selbstkochküche und spezielle Angebote beispielsweise für Demenzkranke eingerichtet werden. Bis ins hohe Alter soll so ein glückliches Leben möglich sein, sagt der Investor. Betreiber der Einrichtung sollte die Volkssolidarität Chemnitz sein. Nach seinen Vorstellungen betreuten zwischen 90 und 100 Mitarbeiter die Bewohner mit unterschiedlichem Pflegegrad. "Der Standort ist in Burgstädt ideal", sagte Uhlig noch im August 2021. Es gebe viel Grün im Park Wettinhain zum Spazieren, Bus und Bahn seien zu Fuß erreichbar. Einkaufsmärkte wie das Kaufland befänden sich ganz in der Nähe.

Nun also Mühlau statt Burgstädt. "Das ist keine Kündigung der Zusammenarbeit, sondern lediglich das offizielle Ende der jetzigen Suche nach einem Standort in Burgstädt für Theed", sagt Burgstädts Bürgermeister Lars Naumann auf Nachfrage. Warum kein Standort gefunden wurde, begründet er damit, dass der Stadtrat beide Standorte in mehreren Sitzungen diskutiert habe und in der Diskussion mehr Nach- als Vorteile gesehen habe.

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