Klein-Erzgebirge: Saisonstart mit vielen offenen Fragen

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Helfer machen den Miniaturpark für die Eröffnung am Karfreitag startklar. Doch wie geht es ab 2023 mit der finanziell angeschlagenen Kultureinrichtung weiter?

Oederan.

Noch fehlt der Talsperre Kriebstein das Wasser, doch Schloss Moritzburg strahlt schon wieder frisch. Zwei Jahre lang war das Wasserschloss nicht am Standort gewesen. Nach einem Wasserschaden musste es neu aufgebaut werden. Dagegen war der richtige Zusammenbau der sieben Teile von Burg Scharfenstein am Samstagmorgen nur eine Frage von Minuten.

Am Wochenende haben wieder viele Miniaturen im Klein-Erzgebirge in Oederan ihren Platz gefunden. Beobachtet von etlichen Zaungästen waren zehn Vereinsmitglieder und Helfer mit den Vorbeitungen für die neue Saison beschäftigt. "Das hier ist für mich viel mehr als eine Freiluftschau, es ist ein Lebensinhalt", erzählte der 56-jährige René Kahlke. "Ich bin seit 35 Jahren im Verein, war zuvor schon als Schüler mit dabei. Nun freue ich mich, dass es endlich wieder losgeht. Wie viele Besucher dieses Jahr kommen, hängt nun nicht nur von Corona, sondern auch vom hohen Benzinpreis ab."

Corona und der Krieg in der Ukraine sind zwei große Krisen, die zur kleinen Krise des Miniaturparks noch hinzukommen. Seit Jahren steckt der Park in finanziellen Schwierigkeiten, lange war unklar, ob er dieses Jahr öffnen kann. Jetzt aber steht es fest: Am 15. April, Karfreitag, geht es los. Horst Drichelt, der Vorsitzende des Vereins "Klein-Erzgebirge", sagte: "Mit großer Kraftanstrengung werden wir diese Saison bis Ende Oktober stemmen, weil wir uns gegenüber 30.000 potenziellen Gästen in der Verpflichtung sehen."

Allerdings werde der Verein dauerhaft nicht mehr in der Lage sein, die Kultureinrichtung zu betreiben - zum einen wegen des Alters der Mitglieder. Zum anderen wegen der Insolvenz der Erzgebirgs-Miniaturschau Oederan GmbH, deren Gesellschafter er ist.

Seit Februar 2021 befindet sich die Servicegesellschaft im Insolvenzverfahren. Sie war für Gastronomie und Konzerte im "Haus am Klein-Erzgebirge" zuständig, kümmerte sich aber auch um den laufenden Betrieb des Miniaturparks. Im Insolvenzverfahren wurden Verein und GmbH getrennt.

Zurzeit prüft die landkreiseigene Mittelsächsische Kultur gGmbH, das Klein-Erzgebirge unter ihrem Dach aufzunehmen, als Kulturdenkmal laut Sächsischem Denkmalschutzgesetz. "Aktuell offen ist insbesondere die sehr wichtige Frage, ob und zu welchen Konditionen die landkreiseigene Gesellschaft das Objekt ,Haus am Klein-Erzgebirge' kaufen könnte", heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamts. Laut Insolvenzverwalter gebe es Kaufinteressenten. Unterdessen hoffen die Vereinsmitglieder, dass es weitergeht. Norbert Siegert zum Beispiel gehört seit 1961 zum Team. Er kennt noch die Jahre mit mehreren 100.000 Besuchern pro Jahr. "Das würde der Park heute auch verkraften", ist er sich sicher.

Junge Mitstreiter wie der 18-jährige Lucas Holland-Jobb engagieren sich im Park ebenso wie Senioren, die eine neue Aufgabe gesucht haben. "Man ist schon stolz auf seine Heimatstadt und das, was wir hier haben", erzählte eine Frau, die ihren Namen aber nicht in der Zeitung lesen will. "Es sind aber zu wenige Leute, die den Park in Ordnung halten."

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