Klimawandel: Schule setzt auf Aktion statt Protest

Die Bewegung "Fridays for Future" macht auch um Mittweida keinen Bogen. Die Bildungseinrichtungen der Stadt wollen etwas tun und zum Beispiel Bäume pflanzen. Das hat der Stadtwald auch nötig.

Mittweida.

Bereits seit zwei Jahren trägt das Städtische Gymnasium Mittweida das Siegel "Klimaschule". Stolz verweist Schulleiter Gerd Becker zudem auf die Umwelt-AG, die es schon seit mehr als 20 Jahren gibt. Die weltweite Bewegung "Fridays for Future" hat aber auch Becker zum Nachdenken gebracht.

So habe er einen Aufruf an Schüler und Eltern gestartet und viele Rektionen bekommen. "Wir wollen als Schule etwas gegen den Klimawandel tun, haben uns deshalb mit den anderen Bildungseinrichtungen der Stadt verständigt", erklärt Becker. "Mit Protesten erreicht man vielleicht viel Aufmerksamkeit, uns geht es aber um Nachhaltigkeit. Deshalb wollen wir, also unsere Schüler, vor allem Bäume pflanzen." Dies sei ein Vorschlag der Eltern gewesen.

Mit im Verbund sind laut Becker die Fichte-Oberschule, die beiden Mittweidaer Grundschulen und auch die Grundschule Altmittweida. "Die Pflanzaktionen wird es natürlich erst im Frühjahr geben", so Becker. Und jede Schule entscheide für sich über die Aktionen. Noch unklar sei auch, wo die Bäume gepflanzt werden sollen. In den Schularealen und deren Umfeld sieht Becker Potenzial. "Das wird in Absprache mit der Stadt erfolgen. Ein Angebot des Staatsbetriebs Sachsenforst für Baumsetzlinge gibt es auch. Am Gymnasium ist es uns aber wichtig, dass die Schüler selbst etwas tun, um die Setzlinge zu besorgen."

Die Initiative der Schulen würde dem Staatsbetrieb Sachsenforst, der sich auch um den insgesamt 84 Hektar großen Stadtwald von Mittweida kümmert, gerade Recht kommen. So hatte der hier zuständige Revierförster Steffen Kühn erst kürzlich im Stadtrat darauf aufmerksam gemacht, dass es einen großen Bedarf zur Wiederaufforstung gebe. "Dem Wald geht es extrem schlecht", sagte Kühn. Betroffen wäre vor allem der Bereich an der Torfgrube, wo der Wald bisher fast vollständig aus Fichten bestand. Doch deren Anzahl ist schon jetzt deutlich dezimiert, weil ein Großteil der vom Borkenkäfer befallenen Bäume gefällt werden musste. Allein im Jahr 2020 stehe hier eine Fläche von rund fünf Hektar zur Wiederaufforstung an. Gepflanzt werden sollen Eiche, Ahorn, Linde oder Weißtanne. Angesichts der hohen Kosten für die Stadt (10.000 Euro pro Hektar), die mit der Wiederaufforstung verbunden wären, könnte sich auch Revierförster Kühn vorstellen, dass Pflanzaktionen mit Bürgern und Schulklassen helfen würden. Denn mit dem Verkaufserlös des Holzes der gefällten Bäume lassen sich laut Kühn die Kosten der Fällaktionen nicht decken. Laut Oberbürgermeister Ralf Schreiber (CDU) gebe es auch Unternehmen, die für den Zweck spenden wollen. Von der Initiative der Schulen habe er bereits erfahren. Solche Pflanzaktionen könnten über die Stadt koordiniert werden. (mit jl)

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