Königliches Spiel gehört zu Seiffen

Sammler von Schachfiguren und -brettern treffen sich Ende des Monats in Neuhausen. Die Gruppe hat auch eine besondere Ausstellung im Spielzeugmuseum in Seiffen initiiert.

Seiffen/Neuhausen.

Schachspielen aus dem Erzgebirge widmet sich eine Sonderausstellung im Erzgebirgischen Spielzeugmuseum Seiffen. "Drechseln steht seit mehr als zweieinhalb Jahrhunderten für die Seiffener Region. Mit dem 19. Jahrhundert fanden auch Schachfiguren ins Warensortiment", sagt Museumsleiter Konrad Auerbach.

In der bis März nächsten Jahres zu sehenden Ausstellung sind mehr als 90 kunstvoll gefertigte Schachfiguren, vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis heute, aus dem Erzgebirge und angrenzenden Regionen zu sehen. Einige der Exponate stellen Dr.-Ing. Thomas H. Thomsen aus Königstein im Taunus und Jens-Frieder Mükke aus Naumburg zur Verfügung; ein kleiner Teil stammt von privaten Leihgebern aus dem Erzgebirge.

Beide, Thomsen und Mükke, gehören dem Chess Collectors International (CCI) an. "Dabei handelt es sich um eine weltweite Vereinigung von Sammlern künstlerischer Schachfiguren und -bretter sowie von Sachverständigen", erläutert Thomas H. Thomsen, der dieser Vereinigung bis 2016 als Präsident vorstand. "Weltweit gehören dem CCI etwa 450 Menschen an, rund 50 davon in der deutschen Gruppe", so Thomsen. Einmal jährlich trifft sich diese deutsche Vereinigung, jeweils an einem Ort, der in einer Beziehung zum Schachspiel steht. In diesem Jahr wurde Neuhausen als Ort des Treffens vom 25. bis 28. Oktober gewählt und die Sonderausstellung in Seiffen initiiert.

"Einen Schwerpunkt bilden gedrechselte Figurensätze, deren gestalterischer Standard sich vom Spielzeughaften, über industrielle Serie bis hin zum Kunsthandwerk erstreckt", sagt Konrad Auerbach. Ebenfalls zu sehen sind geschnitzte Spiele, aus Zinn gegossene und abstrakt gestaltete Exemplare.

"Bis etwa Ende der 1960er-Jahre habe ich das Schachspiel als reinen Zeitvertreib gesehen. Dann kaufte ich mir ein erstes künstlerisch wertvolles Spiel, das gebraucht war und bei dem einige Figuren Beschädigungen aufwiesen. Diese habe ich dann restauriert", blickt Thomas H. Thomsen, der mittlerweile rund 1000 Schachspiele sein eigen nennt, auf den Beginn seiner Sammelleidenschaft zurück.

Die Ausstellung "Schachspiele aus dem Erzgebirge" ist im Erzgebirgischen Spielzeugmuseum in Seiffen, Hauptstraße 73, bis zum 10. März 2019 zu sehen. Geöffnet ist täglich von 10 bis 17 Uhr.


Um die Ursprünge ranken sich Legenden

Um die Erfindung des Spiels ranken sich zahlreiche Legenden, deren berühmteste die Weizenkornlegende ist. Die Ursprünge des Schach liegen in Indien oder China etwa um das 3. Jahrhundert vor Christi. Welches der beiden Länder genau für die Erfindung des Schachs verantwortlich war, lässt sich heute nicht zweifelsfrei feststellen, beide betrieben einen regen Kulturaustausch.

Seit dem 6. Jahrhundert ist das Schachspiel in Persien belegt. Es verbreitete sich im 7. Jahrhundert im Zuge der islamischen Expansion im Nahen Osten und in Nordafrika. Das Spiel gelangte zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert ins abendländische Europa.

Im 15. Jahrhundert veränderten sich die Spielregeln einschneidend, sodass seither vom modernen Schach, wie es bis heute auch gespielt wird, gesprochen werden kann.

Eine der ersten bildlichen Quellen von Schachfiguren aus dem Erzgebirge findet sich im ältesten erhaltenen Sonneberger Spielwarenmusterbuch des Kaufmanns Lindner von 1831.

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