Komsa-Firmengründer ist neuer Ehrenbürger von Hartmannsdorf

Kurz vor seinem 80. Geburtstag ist Gunnar Grosse ausgezeichnet worden. Wegbegleiter würdigten seine Verdienste und reagierten auch auf Kritik.

Hartmannsdorf.

Ohne die Komsa wäre manche Investition in Hartmannsdorf nicht möglich gewesen, ohne Gunnar Grosse stünde die Gemeinde nicht so gut da. Mit diesen Worten würdigte Bürgermeister Uwe Weinert (CDU) die Verdienste des Firmengründers und des heutigen Aufsichtsrats des Telekommunikationsdienstleisters. Durch die finanzielle Unterstützung sei beispielsweise das Fortbestehen der Schule als Europäische Oberschule möglich gewesen. Aber auch die Grundschule, Vereine und Feuerwehr profitierten vom größten Arbeitgeber im Ort.

Der Gemeinderat hatte bereits im Sommer 2018 einstimmig beschlossen, dass das Lebenswerk Grosses mit der höchsten Auszeichnung der Gemeinde geehrt wird. Am Montagabend erhielt der gebürtige Schwede kurz vor seinem 80. Geburtstag die Ehrenbürgerschaft, wie vor ihm schon zwei Hartmannsdorfer. Gekommen waren rund 100 Wegbegleiter, darunter der ehemalige OB von Chemnitz, Peter Seifert, und der Chef der Industrie- und Handelskammer Chemnitz, Hans-Joachim Wunderlich. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt ließen Grußworte verlesen. Ein ganz persönliches Grußwort überbrachte Rudolf von Sandersleben, der elf Jahre Honorarkonsul in Schweden war. "Es gibt zwei schwedische Persönlichkeiten, die nach der Wende in Sachsen ihren Stempel aufgedrückt haben", sagte von Sandersleben. Das seien Kapellmeister Herbert Blomstedt und Unternehmer Gunnar Grosse gewesen. Als Spross aus einer Landwirtschaftsfamilie kommend habe Grosse schon immer Zukunftsvisionen gehabt. "Gunnar Grosse hat die Fähigkeit, um die Ecke zu gucken. So wurde die Komsa zum Leuchtturm in Sachsen." Sein Unternehmen habe 100 Millionen Euro in Sachsen investiert, ohne Fördermittel, fügte er hinzu. Die soziale Marktwirtschaft sei Teil seines Denkens. Er wünsche sich noch mehr Unternehmer wie Grosse mit dieser "unternehmerischen Zivilcourage".


Der Komsa-Vorstandsvorsitzende Uwe Bauer bezeichnete Grosse als Visionär, Führer, geselligen Netzwerker, exzellenten Verkäufer und Generalist. Die Mitarbeiter stünden immer im Mittelpunkt, sagte Bauer in seiner Laudatio. Dabei habe der Dienstleister schon schwere und sehr schwere Zeiten erlebt, so als die Steuerfahndung im Jahr 2000 im Haus war. "Schließlich erwiesen sich die Vorwürfe als haltlos." Mit Hinweis auf Grosses Lebensleistung sagte Bauer, dass mehr Demut und Weitsicht von einigen Zweiflern angebracht sei. Damit reagierten er und andere Redner auch auf Kritik an der Betriebsatmosphäre, die vorige Woche Gewerkschaftsvertreter geäußert hatten. "Wir haben am Standort Hartmannsdorf 1300 Mitarbeiter in der Digitalisierungsindustrie. Diese Zukunftsbranche ist im internationalen Wettbewerb hart umkämpft", sagte auf Nachfrage Firmensprecherin Andrea Fiedler. Es sei ein sehr dynamischer Markt, der ständige Anpassung erfordere. Aufträge müssten eingeholt, Kunden zufriedengestellt, weggefallene Aufträge kompensiert und die Arbeitsplätze für die Mitarbeiter langfristig gesichert werden. Das sei alles untrennbar miteinander verbunden und erfordere viel Veränderungsbereitschaft. "Die meisten Mitarbeiter sind offen dafür und gestalten die Veränderung mit, aber in einem Veränderungsprozess gibt es auch Mitarbeiter, die das nicht gut finden", erläuterte Fiedler.

Gunnar Grosse erinnerte in seinen Dankesworten an Episoden aus der Kindheit in Schweden, aus seinem weltweiten Engagement mit Erfolgen sowie Rückschlägen und würdigte die Unterstützung durch seine Familie. Ehefrau Kerstin (50), die in den über 20 Komsa-Tochterunternehmen leitend mitwirkt, sowie zwei der drei Töchter aus erster Ehe nahmen am Festakt teil. Tochter Elise (42) hat ihre Handschrift als Architektin im Komsa-Glasbau Oase und im Betriebskindergarten "Weltenbaum" hinterlassen. Ellina (45) und Anni (40) sind auch in der Digitalisierungs-Branche beschäftigt. Der 17-jährige Sohn Julius macht gerade sein Abitur in Kanada und will anschließend in der Schweiz Physik studieren. Den 80. Geburtstag am 1. März will Gunnar Grosse mit seiner Familie im Sommer nachfeiern.


Welche Ehrenbürger-Urkunden bisher vergeben wurden

Reinhold Irmscher ist einer der drei Ehrenbürger, die es bisher in der Gemeinde Hartmannsdorf gibt. Der 90-Jährige war 42 Jahre lang Fachlehrer für Deutsch und Biologie. Heute ist er noch aktiv im Heimatverein Hartmannsdorf sowie Fan des Vereins HSV 05, der kaum ein Fußballspiel verpasst.

Fritz-Peter Weigert war von 1990 bis zu seinem Tod 2007 Bürgermeister von Hartmannsdorf. Posthum wurde er später zum Ehrenbürger ernannt. Der Schmiedemeister hatte nach der Wende die Bürgerinitiative für Hartmannsdorf gegründet, die heute sechs Sitze im Gemeinderat hat. (bj)

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