Kontrollen sollen gefährliches Baden im Steinbruch verhindern

Vor den Toren Mittweidas ist ein altes Bergbauareal Ziel von Badelustigen. Betreiber und Kommune halten das für lebens- gefährlich und wollen verstärkt dagegen vorgehen. Zudem wird wild geparkt. Auch das ist verboten und kann bestraft werden.

Das war mal die Zufahrt zum Steinbruch Seifersbach. Seit Jahren ist der Weg mit Betonelementen abgesperrt. Links und rechts wird aber an der Staatsstraße geparkt. Gleiches gilt für den nahegelegenen und kleineren Steinbruch "Roter Berg" Mittweida. Auch dort ist der Zutritt verboten.

Von Rita Türpe

Nur einige hundert Meter vor der Stadtgrenze Mittweidas liegt ein derzeit sehr gefragtes Gewässer, ein ehemaliger Steinbruch, der mit Wasser gefüllt ist. Das Areal gehört zur Gemeinde Rossau, für sich entdeckt haben es auch viele Mittweidaer. Aber alle, die dort Abkühlung suchen, gehen ein hohes Risiko ein. Darauf weisen Schilder hin, die an der Straße vom "Weißen Stein" nach Seifersbach auch den Zutritt zum Areal strikt untersagen. Doch selbst durch Betonbarrieren lassen sich einige Leute nicht aufhalten. Das Baden im alten Steinbruch Seifersbach ist nicht erlaubt.

In vielen Bereichen bestehe Lebensgefahr, warnen Mitarbeiter des Rossauer Ordnungsamtes. Gemeinsam mit dem Steinbruch-Betreiber, dem Unternehmen Mineral Baustoff, versucht die Kommune, das illegale Vergnügen zu unterbinden. "Es gibt Kontrollen und es werden auch Leute abgestraft", sagte die stellvertretende Bürgermeisterin Regina Ranft (parteilos) auf Nachfrage von "Freie Presse". Von den Strafen betroffen sind vor allem Leute, die, so weit es geht, an das Badeziel mit dem Auto heranfahren und unerlaubt parken.

Unangenehme Momente erlebten auch Jugendliche und Erwachsene, die bei Kontrollen von Unternehmensmitarbeitern erwischt wurden. Sie erhielten eine Ermahnung und mussten schleunigst verschwinden. "Wir begehen das Gelände derzeit häufiger als sonst", sagte Thomas Groß, Mitarbeiter in der Verwaltung Sachsen der Mineral Baustoff GmbH am Standort Hartmannsdorf. Betriebsfremde würden vertrieben, doch das Problem sei damit noch nicht gelöst.

"Überall lauern latente Gefahren", so Groß. Obwohl der Abbau in Seifersbach für einige Zeit ruhe, bleibe das Gelände des Bergbaubetriebs deshalb zum Baden ungeeignet. Verbotsschilder und Absperrungen würden jedoch von manchen einfach ignoriert. Die Grenzen des Geländes seien erkennbar, die Zufahrten habe das Unternehmen versperrt. "Zu Fuß lässt sich jedoch jede Barriere überwinden", so der Steinbruch-Mitarbeiter. Riskant sei das für Betriebsfremde vor allem, weil sie die speziellen Gefahren in dem Granulitsteinbruch meist überhaupt nicht einschätzen können. "An steilen Böschungen arbeiten unsere Leute beispielsweise nur mit entsprechender Technik und gesichert. Außenstehende bewegen sich in den Bereichen hingegen oftmals sorglos und setzen damit ihr Leben aufs Spiel", schilderte Groß.

Im Ort gehen laut Ranft die Meinungen auseinander, ob man den Leuten im ungewöhnlich heißen und trockenen Sommer das Badevergnügen gönnen oder härter dagegen vorgehen solle. "Es ist auf jeden Fall eine gefährliche Sache", so Ranft. Durch Hinweisschilder und Absperrungen sei klar ersichtlich, dass das Betreten des Betriebsgeländes verboten ist. Wer sich trotzdem dort aufhalte und schwimmen gehe, sei sich bewusst, dass es sein persönliches Risiko ist. Sorge bereite zudem, dass überall, wo geraucht oder gar ein Grillfeuer entzündet wird, ein Brand entstehen könnte.

Badelustige würden laut Ordnungsamt die Risiken unterschätzen. Im Steinbruch gibt es Steilhänge und Kanten. Das bringe Absturz-, Verschüttungs- und Steinschlaggefahr mit sich. Besonders im Bereich der Böschungen von Halden müsse damit gerechnet werden, dass Material sich setze, rutsche oder abbreche. Außerdem könne es dazu kommen, dass der gesamte Hang abrutsche und dadurch eine Flutwelle entsteht, die alles mit sich reißt.

Die Kontrollen auf und am Steinbruchgelände sollen deshalb fortgesetzt werden. Laut Groß hat es zusätzlich Absprachen mit dem Förster und dem Jäger gegeben. Sie sollen verstärkt auf diesen Teil ihres Reviers achten. Das Ordnungsamt behalte sich vor, Parkverstöße im Areal auch am Wochenende zu ahnden.

Bekanntgeworden war das Areal vor fast genau vier Jahren. Polizeitaucher hatten einen zuvor tagelang gesuchten Mann tot im Wasser aufgefunden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft handelte es sich um einen Suizid. (mit fa)

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